Strahleinsatz mit Trockeneis

Die große Rost-Kur: Strahleinsatz mit Trockeneis Die große Rost-Kur: Strahleinsatz mit Trockeneis

Strahleinsatz mit Trockeneis

— 09.12.2004

Die große Rost-Kur

Korrosion ist Autofahrers Feind Nummer eins. Was hilft wirklich? AUTO BILD erklärt, wie Profis gegen das Übel vorgehen. Und mit welchem Erfolg.

Chemie sieht Rost sachlich: In Gegenwart von Wasser reagiert Eisen mit Luftsauerstoff. Eisenhydroxid, also Rost, bildet sich. Noch eine Prise Salz dazu – und Rost blüht in voller Pracht. Als Autofahrer nähern wir uns diesem Thema mehr aus dem Bauch heraus – schließlich nagt der Gilb gnadenlos am Wert des Autos, und so fragen wir uns, welches Kraut dagegen gewachsen ist. Antwort gibt wieder die Chemie: Man muß verhindern, daß Blech mit Wasser in Verbindung kommt. Deshalb tragen die Hersteller Zink, Wachs, Bitumen, Kunststoffe oder Fett und Lack auf die Bleche. In der Praxis funktioniert der Schutz aber häufig nur lückenhaft. Trotz modernster Produktionsverfahren rosten selbst junge Autos. Gründe: Die Schutzschicht wird • in Hohlräumen und am Unterboden nicht flächendeckend aufgetragen (Wachs, Fett, Bitumen, Kunststoffe), • beim Produzieren und im Alltag wieder abkratzt (Zink, Lack). Wir zeigen in dieser Geschichte, was sich drei junge Unternehmer ausdachten, um der Korrosion den Kampf anzusagen. Nicht nur für Oldies, sondern für alle Autos. Im Blickpunkt: die Hauptrostnester Unterboden und Hohlräume. Die Spezialisten setzen auf traditionelle Handwerkskunst und moderne Technik, um die braune Pest ein für alle Mal in ihre Schranken zu weisen. Lesen lohnt. Für alle, die den Wert ihres Autos lange erhalten möchten.

Eis gegen Schmutz

Atemschutzmaske, futuristischer Staubsauger, weißer Overall – der Typ sieht aus wie ein Ghostbuster oder genauer wie ein Rostbuster – Rostjäger. Denn bevor die Spezialisten ihr schützendes Werk am Unterboden beginnen, muß der alte Gammel weg. Früher ein Knochenjob. Die Spezialisten von Carblast nutzen eine neue Technik: Strahlen mit Trockeneis. Das besteht aus CO2 (Kohlenstoffdioxid, bekannt als Bläschen im Mineralwasser). Die minus 79 Grad kalten Eiskügelchen (Pellets) treffen mit hoher Geschwindigkeit auf den Unterbodenschutz. Der wird einerseits mechanisch abgetragen, außerdem förmlich weggesprengt. Die kalten Pellets verspröden den Schutzanstrich, dringen in Risse ein, gehen beim Erwärmen vom festen in den gasförmigen Zustand über. Die plötzliche Volumenvergrößerung reißt den Schutzanstrich mit. Ergebnis: ein blitzblanker Unterboden. Intakte Lackschichten, Kunststoffleitungen und Kabel bleiben unversehrt, müssen nicht geschützt werden. Kosten: je nach Aufwand um 1000 Euro. Infos: Carblast, Telefon 030-28094340, www.carblast.de

Alternativen zum Eisstrahlen

Eisstrahlen ist ein modernes Verfahren, um den Unterboden pieksauber zu putzen. Es gibt auch Alternativen. Ihr Nachteil: Demontagearbeiten und viel Handarbeit verursachen zusätzliche Kosten. × Sand- oder Glasstrahlen beziehungsweise mit Kunststoff- oder Walnußgranulat. Rost wird gründlich entfernt, aber Materialabtrag kann gesundes Blech schwächen, entfernt Korrosionsschutz. Empfindliche Kunststoffe schützen oder demontieren. Strahlgut bleibt in Ritzen zurück, muß mühsam von Hand entfernt werden. × Abbeizen, abflammen oder abkratzen mit Drahtbürsten. Sehr zeitaufwendig, Ecken und Ritzen schwer erreichtbar. Chemie belastet zudem die Umwelt.

Stahl gegen Löcher

Nach dem Eisstrahlen zieht der Unterboden blank. Keine Geheimnisse mehr – Rost und Löcher treiben das Lächeln aus dem Gesicht des Autobesitzers. Beim alten Rekord ist es nicht mit einer Erneuerung des Unterbodenschutzes getan, schwerere Geschütze müssen aufgefahren werden. Die Gebrüder Hansen, Lackierund Karosserie-Profis aus Hamburg, rücken mit dem Schutzgasschweißgerät an, mit Stahlblech und Geschick dem Opel-Oldie auf die fauligen Löcher. Eiserne Regel: Wird an einer rostigen Stelle Hand angelegt, muß das Gammelblech komplett herausgeschnitten werden. Nur Pfuscher setzen den Flicken einfach drüber. Grund: Der Gilb würde vom alten ins neue Blech kriechen, die Reparaturstelle schon nach kurzer Zeit wieder rostrot aufblühen. Nach dem Einschweißen möglichst schnell ein Rostsschutzmittel aufbringen, das Blech so vor schädlichen Umwelteinflüssen schützen. Kosten für die Blechreparaturen je nach Aufwand rund 80 Euro pro Stunde. Infos: Gebr. Hansen, Tel. 0 40-56 53 80, www.gebrueder-hansen.de

Fett gegen Rost

Wer sein Auto liebt, sollte nicht dabeisein, wenn Gerd Cordes, Chef von Timemax, mit dem Endoskop in die Holhlräume sticht. Er findet immer etwas. Und das sieht auf dem kleinen Bildschirm grausam aus. Bei unserem Opel Rekord – äußerlich fit – lagen in Schwellern und Radhäusern dicke Rostplacken. Ein gutes Beispiel dafür, daß sich in Sachen Rostschutz der Einsatz modernster Technik lohnt. Ohne Blick in die Eingeweide hätte der alte Opel wohl keine tiefgreifende Behandlung erhalten. Mit schweren Folgen: Blechkaries mit anschließendem Exitus. Für Hohlraumversiegelung und Unterbodenschutz setzt Cordes bei unserem Rekord auf eine Vollfett-Diät. Drei Lagen verschiedener Fette spritzte er in die Hohlräume. Vorteil im Vergleich zu anderen Korrosionsschutzmitteln: Die Fette enthalten keine Lösemittel, härten nicht aus. Damit die von Natur aus zähen Mittel in alle Ritzen fließen, stellt Cordes das Auto in eine Lackierkabine, erhitzt es auf rund 80 Grad. Preis: zirka 900 Euro inklusive Unterboden- und Hohlraumschutz. Infos: Telefon 0 40- 56 06 06 92, www.timemax.de

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.