Straßen in Deutschland nur Mittelmaß

Straßen in Deutschland nur Mittelmaß

— 25.09.2007

Traurige Studie

Wer bisher glaubte, Deutschlands Straßen gehören zu den besten in Europa oder gar weltweit, der irrt gewaltig. Eine Studie bringt die traurige Wahrheit ans Licht: Mittelmaß regiert aller Orten.

Deutschland hat im EU-Vergleich noch deutlichen Nachholbedarf bei Straßen, Schienen und Flughäfen. Selbst die Infrastruktur des dünn besiedelten Schweden gilt laut einer Mobilitäts-Studie als effektiver. Auch Frankreich erhält gute Noten. Das ist das Ergebnis einer zweijährigen Forschungsarbeit des Instituts für Mobilitätsforschung (ifmo), des Institutes für Verkehrswissenschaft der Universität Münster (IVM) und dem KCW, eine Strategie- und Managementberatung für Verkehrsverbünde. Erstmals wurde die Leitstungsfähigkeit der Infrastrukturen in sieben europäischen Ländern untersucht. Das Ergebnis der Studie ist zumindest aus deutscher Sicht ernüchternd: Die Bundesrepublik nimmt in der vergleichenden Analyse mit Frankreich, Großbritannien, Italien, den Niederlanden, der Schweiz und Schweden fast immer nur einen mittleren Platz ein. Die Studie "Verkehrsinfrastruktur-Benchmarking Europa" zeigt, dass die Niederlande über das dichteste Netz von Bundesstraßen und Autobahnen verfügen, Schweden hat sein relativ dünnes Netz am effektivsten verteilt: Es orientiert sich besonders stark an der Bevölkerungsdichte. Deutschland nimmt bei der Autobahndichte den zweiten Platz ein, bei der Straßendichte nur den vierten Platz. Wenn es um die Qualität der Straßeninfrastruktur geht, fallen die Niederlande zurück. Beim Merkmal Staufreiheit belegen sie sogar den letzten Platz. Frankreich fällt dagegen positiv auf: Die Straßen dort haben den höchsten Modernitätsgrad, also den besten Zustand der Straßen, zugesprochen bekommen. Auch beim Indikator Verbindungsgüte führt Frankreich das Ranking an. Die Verbindungsgüte gibt die Durchschnittsgeschwindigkeit an, um von A nach B zu kommen.

Die ostdeutschen Länder blühen auf

Besser sieht es für die Bundesrepublik bei der Schieneninfrastruktur aus: Schienen und Bahnhöfe befinden sich dort, wo die höchste Bevölkerungsdichte ist. Und damit der höchste Mobilitätsbedarf herrscht. Bei der Verbindungsgüte belegt Deutschland sogar den ersten Platz. Das einzige Mal bei 31 Indikatoren. Die Schweiz führt beim Kriterium "Pünktlichkeit im Schienenverkehr" und der "Schienenanbindung an Flughäfen". Eine Analyse der nationalen Politikansätze hat außerdem ergeben: Länder, deren Verkehrspolitik geprägt ist von mess- und überprüfbaren Zielvereinbarungen sowie langfristigen Programmen, weisen gute Ergebnisse bei der Effizienz ihrer Verkehrsinfrastruktur auf. Untersucht wurden dazu unter anderem die politischen Rahmenbedingungen, die Planungs- und Genehmigungsverfahren und die Privatsektorbeteiligung. So habe Großbritannien einen Plan verabschiedet, der vorgibt, die Staubelastung in Stadtgebieten auf dem Niveau von 2000 zu halten. Die Schweiz verlagert seit der Alpeninitiative 1994 konsequent den Güterverkehr von der Straße auf die Schiene. Umgekehrt ist Italien Schlusslicht beim Verhältnis Straßeninfrastruktur/Bevölkerungsdichte und auch das Land mit der geringsten strategisch-politischen Steuerung. In Deutschland bremsen vor allem langwierige Genehmigungsverfahren, vermuten die Forscher.

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