Straßenschäden im Sommer

Straßenschäden A29 Straßenschäden A29

Straßenschäden im Sommer 2010

— 30.07.2010

Bei Hitze kommt was hoch

Alarm auf der Autobahn: Wegen der anhaltenden Hitze werden Betonplatten zu Sprungschanzen. Asphalt bildet Blasen – unsere Verkehrswege sind dem Klima nicht gewachsen.

BÄNG! Ein lauter Knall – und plötzlich ist die Sprungschanze da. Der Opel Meriva rast auf die 30 Zentimeter hohe Rampe zu, hebt ab, landet nach 20 Metern auf dem linken Hinterrad. Der Fahrer kann den schleudernden Minivan grade noch abfangen und kommt mit rasendem Puls auf dem Seitenstreifen zum Stehen. Eine Actionfilm-Szene? Von wegen! Holger Facius (63) ist dies mitten in Deutschland tatsächlich passiert – auf der A29 in der Nähe von Oldenburg. Wegen der anhaltenden Hitze hatten sich die Betonplatten auf der Autobahn ausgedehnt, weit mehr, als die Dehnungsfuge zwischen ihnen aushalten konnte. "Dann schieben sich die Platten gegeneinander, und es entsteht ein Hügel", sagt Rainer Hillgärtner vom Automobilclub Europa (ACE). Die A29 ist kein Einzelfall, im Juli sind auf insgesamt neun Autobahnen im Bundesgebiet solche Sprungschanzen entstanden – passiert ist, außer Schäden an Fahrzeugen, wie durch ein Wunder nichts.

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Vor Rainer Heilemanns Polo ist auf der A5 plötzlich eine Sprungschanze entstanden. Ergebnis: Totalschaden.

"Mein VW Polo ist ein Totalschaden", sagt Rainer Heilemann (25) aus Esslingen. Auch vor seinem Auto ist auf der A5 bei Walldorf/Wiesloch in Baden-Württemberg plötzlich eine Sprungschanze entstanden. Obwohl er mit weniger als 100 km/h unterwegs war, konnte er nicht mehr ausweichen. Heilemann ist froh, dass wenigstens ihm nichts passiert ist. "Man mag sich gar nicht vorstellen, wie der Unfall ausgegangen wäre, wenn ich schneller oder etwa mit einem Motorrad unterwegs gewesen wäre", sagt er. An dem Meriva von Holger Facius sind rund 13.000 Euro Schaden entstanden – der Opel braucht wohl eine neue Karosserie. Wer dafür aufkommt, steht noch nicht fest. Das Land Niedersachsen, Betreiber der Autobahn, sieht sich nicht in der Pflicht. "Die Rechtslage ist für uns eindeutig", sagt Joachim Delfs, Leiter Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Oldenburg. Die Sprungschanze sei plötzlich entstanden, und seine Behörde habe so keine Verkehrssicherungspflicht gehabt.

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Der ACE befürchet, dass es solche lebensgefährlichen Sprungschanzen künftig jeden Sommer geben wird.

Der ACE sieht hingegen eine ungeklärte Rechtslage, ist auf die ersten Urteile gespannt. Diese lebensgefährlichen Sprungschanzen, so der ACE, wird es künftig jeden Sommer und nahezu überall geben. Denn die Temperaturen steigen. Die Bundesanstalt für Straßenbau (BASt) schätzt, dass etwa 30 Prozent der deutschen Autobahnen Betondecken haben, das entspricht rund 3500 km. Abhilfe könnte wohl nur ein neuer Asphaltbelag schaffen – doch auch der macht Probleme. Für die etwa 25 Milliarden Euro teure Sanierung wäre in den öffentlichen Kassen sowieso kein Geld vorhanden. "Man muss mal die Kirche im Dorf lassen", beschwichtigt ein Sprecher des Verkehrsministeriums in Baden-Württemberg. Alle Autobahnen der Republik seien "verkehrssicher" – wenn man mit angepasster Geschwindigkeit fahre. Eine Meinung, der sich Holger Facius nicht anschließen möchte. Er war gerade mal mit 80 km/h unterwegs, als er mit seinem Opel unfreiwillig abhob.

Autor: Stefan Voswinkel

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