Logomontage VW + Porsche

Streit Porsche/VW

— 20.05.2009

Kriegsbeil begraben

Wer übernimmt wen? Im Streit um ein Zukunftsmodell für Porsche und VW ist das Kriegsbeil vorerst begraben. Porsche braucht Geld, das könnte von einem arabischen Investor kommen.

Neue Runde im Übernahmegerangel der beiden Autohersteller VW und Porsche: Nach den jüngsten Streitereien wollen die Familien Piëch und Porsche nun das Kriegsbeil begraben. In einer knappen Mitteilung hieß es, die Aufsichtsratsvorsitzenden von VW und Porsche, Ferdinand Piëch und Wolfgang Porsche, "bestätigen, dass das Ziel des integrierten Automobilkonzerns weiter verfolgt wird". Dieses Ziel würden beide Häuser "konstruktiv und einvernehmlich mit allen Beteiligten vorantreiben". In VW-Konzernkreisen hieß es, Porsche und Piëch hätten sich zusammengesetzt, um eine Klärung des Streits herbeizuführen. So gehe es nicht weiter. Unklar ist demnach aber noch, wann genau die Verhandlungen zwischen Porsche und VW über die Schaffung eines integrierten Konzerns wieder aufgenommen würden. Nach dem Gespräch zwischen Porsche und Piëch seien aber nun die Voraussetzungen dafür geschaffen worden. Ein Porsche-Sprecher sagte: "Die Vorgehensweise wird kurzfristig auf Vorstandsebene geklärt, damit alle Beteiligten konstruktiv und zielgerichtet arbeiten können."

Osterloh fordert Transparenz

Der VW-Betriebsratsvorsitzende Bernd Osterloh reagierte reserviert. "Den Weg eines integrierten Automobilkonzerns kann man ja verfolgen. Aber nur, wenn es in den Gesprächen Transparenz gibt und die Familie deutlich sagt, was sie will und was sie nicht will", sagte er. Vorher werde es mit den Arbeitnehmervertretern von VW keine Gespräche geben. Porsche hat sich bei der Übernahme von VW verhoben. Den Sportwagenbauer drücken neun Milliarden Euro Schulden. Derzeit hält Porsche knapp 51 Prozent an VW. Anfang Mai hatten sich die Familien Porsche und Piëch darauf verständigt, dass Porsche und VW in einem integrierten Autokonzern zusammengeführt werden sollen. Nach ersten Gesprächen aber hatte VW weitere Verhandlungen auf Eis gelegt. Die Wolfsburger warfen Porsche vor, nicht mit offenen Karten zu spielen und kein klares Bild über die tatsächliche Lage abzugeben.

Steigen die Scheichs ein?

Für einen erneuten Eklat hatte zuvor VW-Aufsichtsratschef und Porsche-Miteigentümer Ferdinand Piëch gesorgt. Er blieb einem Treffen des Porsche-Aufsichtsrates ohne Gründe fern. Die Sitzung wurde begleitet von massiven Protesten von Porsche-Mitarbeitern gegen den Kurs Piëchs. Dieser hatte in der vergangenen Woche von Schwierigkeiten der Stuttgarter gesprochen, Geld aufzutreiben. VW könne dagegen leichter Kredite bekommen. Daher sei auch eine Übernahme von Porsche durch VW denkbar. Außerdem hatte Piëch Porsche-Chef Wendelin Wiedeking indirekt scharf kritisiert. Derweil hofft Porsche weiter auf einen Milliardeninvestor. "Die Gespräche befinden sich auf einem guten Weg", sagte ein Sprecher des Sportwagenbauers in Stuttgart. Wer der mögliche Investor sei, wollte er nicht sagen. Ein Investor könnte sich über eine Kapitalerhöhung an Porsche beteiligen, er könnte Porsche auch VW-Aktien oder Optionen abnehmen. Dies könnte dem Autobauer Milliarden einbringen. In Konzernkreisen hieß es, es handle sich um einen arabischen Investor. Piëch allerdings hatte zuvor dem möglichen Einstieg eines Investors zur Lösung der Porsche-Finanzprobleme eine Absage erteilt. "Ich kann mir keine guten Bedingungen für VW und Porsche erwarten, wenn da ein Dritter dazukommt." Zunächst müssten die akuten Probleme gelöst werden. Danach sei ein weiterer Investor willkommen.

Staatshilfen für Porsche "absurd"

Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) sagte in Hannover, er halte den Einstieg weiterer Investoren für sinnvoll. Er gehe davon aus, dass rund 50 Prozent der Aktien bei den Familien Piëch und Porsche liegen könnten, Niedersachsen seinen 20-Prozent-Anteil behalte und 30 Prozent für freie Aktionäre zur Verfügung stünden. Niedersachsen spielt eine Schlüsselrolle im Machtkampf. Das Land hat durch das umstrittene VW-Gesetz ein Vetorecht bei wichtigen Entscheidungen. Wulff forderte Porsche erneut dazu auf, seine Linie für einen Zusammenschluss der beiden Autobauer darzulegen. "Ohne eine klare Positionierung der Porsche-Seite wird es diese engere Partnerschaft nicht geben." Er halte dieses Ziel aber nach wie vor für richtig. "Es muss aber fair zugehen zwischen Porsche und VW, zwischen Porsche und Niedersachsen." Unterdessen lehnte Wulff eine mögliche Staatshilfe für Porsche ab. "Es ist völlig absurd, dass ein Unternehmen, das im vergangenen Jahr dank seiner Optionsgeschäfte mehr Gewinn als Umsatz gemacht hat, nun den Staat und damit den Steuerzahler um eine Finanzierung anpumpt", sagte Wulff. Angeblich prüft Porsche einen Kredit von der staatlichen Förderbank KfW.

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