Streit um Partikelfilter

Wie gefährlich ist der Dieselruß? Wie gefährlich ist der Dieselruß?

Streit um Partikelfilter

— 06.03.2003

Wie gefährlich ist der Dieselruß?

Umweltaktivisten fordern: "Kein Diesel ohne Filter!" Deutsche Hersteller orientieren sich an Grenzwerten. Bei dem Streit um den Ruß geht es auch um Kohle.

"Schluss mit leeren Versprechen!"

Sie heißen TDI, CDI oder einfach nur d – Deutschlands neue Auto-Lieblinge. 38 Prozent aller Neuwagen fahren mit einem sparsamen, kraftvollen Diesel. Und einer offenen Frage im Tank: Wie gefährlich sind die Rußpartikel, die aus dem Auspuff kommen?

"Etwa zehnmal krebserregender als die Abgase eines Benziners", sagt Jürgen Resch, Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe. Rund 8000 Lungenkrebsfälle in der Bundesrepublik führt eine neue Studie auf Dieselruß zurück: ein ungeklärtes, aber zugkräftiges Argument, mit dem die Umwelthilfe am 22. November eine Aktion startete. "Kein Diesel ohne Filter!", so ihr Motto, fordert die deutschen Autohersteller auf, bis zum 1. Juli 2003 ihre Diesel mit Partikelfiltern auszurüsten.

Als Vorbild gilt der FAP-Filter von Peugeot. Den Rußkiller, der 99,99 Prozent der Partikel im Auspufftrakt verbrennt, haben die Franzosen im September 2000 eingeführt, verkaufen ihn jetzt in vier Baureihen. Inzwischen fahren bei uns 18.000 Peugeot mit Dieselfilter.

Und die deutschen Hersteller? "Schluss mit leeren Versprechen!", fordert Resch, der eine Koalition von Umweltschutz-Verbänden lenkt. "Jetzt wollen wir feste Zusagen, wann Rußfilter oder eine vergleichbar wirksame Technik kommen." Eine Aktionsreihe soll die Öffentlichkeit für das Partikel-Problem wachrütteln – "im Konsens mit der Industrie", wie Resch betont.

Filter-Vorschrift laut VDA überflüssig

Doch der Konsens ist dahin. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) wendet sich gegen die "einseitige Sicht", die Rußpartikel isoliert zu betrachten und pauschal den Filter zu fordern. "Es ist sinnvoller, Grenzwerte einzuhalten, die verschiedene Lösungswege bieten, anstatt den Ingenieuren eine bestimmte Technik vorzuschreiben", so VDA-Präsident Prof. Dr. Bernd Gottschalk. Die Messlatte heißt Euro 4 – die Abgasnorm, die ab 1.1. 2005 gilt und alle Schadstoffe senkt, Rußpartikel ebenso wie Stickoxide. Doch die pustet der Peugeot-Diesel noch zu stark hinaus, er schafft nur Euro 3 und damit keine Steuerbefreiung.

Die Filter-Vorschrift ist überflüssig, so der VDA, da erste Diesel wie der VW Lupo 3L die Hürde auch ohne ihn unterbieten. Bei größeren Motoren wird der Partikelkiller ohnehin kommen. Erstens, weil sie sonst Euro 4 nicht schaffen, zweitens, weil – nach Informationen von AUTO BILD – einige Hersteller zur IAA im September erste Filter-Diesel an hubraumstärkeren Motoren vorstellen werden.

Warum nun der Streit, wenn auf beiden Seiten die Positionen bröckeln? Es geht um Geld. Um viel Geld, denn die Filtertechnik macht jeden Neuwagen voraussichtlich rund 400 Euro teurer. Der Verbrauch steigt je nach Filterzustand um zwei bis vier Prozent, nach rund 120.000 Kilometern. Der Diesel wird teurer – und sein Kostenvorsprung vor dem Benziner schrumpft. Jetzt lautet die wichtigste Frage: Was wollen die Käufer? Optimale Sauberkeit oder aber optimale Kosten? Wie stark wirkt die Angst vor den unsichtbaren Partikeln? Eines hat die Aktion schon geschafft: Über den Filter wird noch lang und heftig gestritten.

Sie wollen uns Ihre Meinung zu diesem Thema sagen oder eigene Erfahrungen schildern? Schreiben Sie uns eine E-Mail (redaktion@autobild.de). Stichwort: Dieselruß.

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