Streit zwischen GM und Fiat

Streit zwischen GM und Fiat

— 10.12.2004

Die Nerven liegen blank

Ab Januar 2005 knnen die Italiener den amerikanischen Konzern zur bernahme von Fiat zwingen. Grund: die "Put-Option".

Fiat ist noch immer hoch verschuldet

Der Turiner Fiat-Konzern will gegen seinen US-Partner General Motors (GM) rechtliche Schritte einleiten, falls dieser eine vor knapp fnf Jahren vereinbarte Put-Option zum Kauf von Fiat Auto nicht einhlt. Dies berichten italienische Zeitungen unter Berufung auf informierte Kreise.

Die Option wrde am 1. Januar 2005 in Kraft treten und es dem italienischen Unternehmen erlauben, seine Autosparte an die Amerikaner zu verkaufen. GM hatte zuletzt mehrmals durchblicken lassen, da die Option ausgelaufen sei, da Fiat mehrere Vertragsklauseln gebrochen habe. Den Angaben zufolge sollen die juristischen Schritte nicht notgedrungen in die Veruerung von Fiat Auto mnden. Es gehe in erster Linie darum, die Angelegenheit zu klren. Der US-Riese knnte Medienberichten zufolge eine milliardenschwere Summe bezahlen, um sich von der Option zu befreien. Die Fiat-Autosparte ist hoch verschuldet. "Der Waffenstillstand zwischen Fiat und GM ist beendet", schrieb die Zeitung "La Repubblica".

Die Fhrungsspitzen von Fiat und GM wollen sich am kommenden Dienstag (14. Dezember) in Zrich treffen. Dabei soll es auch um die Option gehen. Die Turiner Gruppe hat unterdessen eine fr Montag geplante Verwaltungsratssitzung, bei dem die Plne fr 2005 behandelt werden sollten, auf den 23. Dezember verschoben. Beide Seiten versuchen, den fr Dienstag angesetzten Termin als Routinetreffen herunterzuspielen. Doch die Nerven liegen blank.

Proteste gegen den Verkauf

Hintergrund des Zerwrfnisses ist eine Klausel des Kaufvertrages aus dem Jahr 2000. Damals hatte sich GM fr 2,4 Milliarden Dollar bei Fiat eingekauft. Nach der Klausel kann Fiat die Detroiter bis 24. Juni 2010 zu jeder Zeit zwingen, weitere 80 Prozent der verlustreichen Autosparte zu bernehmen. GM indes hat die unglckliche Beteiligung an dem verlustreichen italienischen Autobauer lngst fast ganz abgeschrieben. Der Konzern, der selbst angeschlagen ist, will die Turiner nicht bernehmen und sich auch nicht per Kapitalerhhung an den Kosten einer Sanierung beteiligen. Trotz unfangreicher Umstrukturierungen hat Fiat Auto in den ersten neun Monaten 744 Millionen Euro Verlust gemacht.

Statt dessen stellen die Amerikaner die Gltigkeit der Klausel in Frage. Durch finanzielle Transaktionen habe Fiat sein Recht verwirkt, heit es aus Detroit. Vertragswidrig waren nach Ansicht der Rechtsanwlte der Verkauf des Finanzdienstleisters Fidis und die durch den Mutterkonzern finanzierte Kapitalerhhung in der Autosparte, durch die der GM-Anteil von ehemals 20 auf zehn Prozent reduziert wurde.

Die Rekapitalisierung im Rahmen des Fiat-Rettungsplanes sei absolut legitim gewesen, halten die Italiener dagegen. Unklar ist allerdings, ob Fiat Auto berhaupt tatschlich verkauft werden soll. Die Angestellten des Traditionskonzerns wrden darauf wohl mit massiven Protesten reagieren, und auch politisch wre die Entscheidung schwer durchzusetzen. Wahrscheinlicher ist, da GM sich mit einer Prmie von seinen Verpflichtungen freikaufen wird. Die Fiat-Verhandlungspartner sollen dafr eine Summe zwischen 600 Millionen und 1,2 Milliarden Dollar gefordert haben. Derweil haben die Angestellten des sizilianischen Fiat-Werkes Termini Imerese fr Freitag einen vierstndigen Streik angekndigt, um unter anderem von der Region Hilfe fr den Erhalt ihrer Arbeitspltze zu fordern.

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