Studie Audi A1 — 13.11.2007
Kurz und Knackig
Der Erfolg des Mini lässt die Konkurrenz nicht ruhen: Audi präsentierte jüngst die A1-Studie. AUTO BILD hat schon mal im kleinen Ingolstädter Hybriden Platz genommen.
Velvet-(Samt-)Leder umschmeichelt den Fahrer
Schön, dass der neue VW-Konzernchef Wiedeking am A1 äußerlich nichts verändert hat. Kein Wunder, hat er doch schon bei Porsche gelernt, dass die Form genauso wichtig wie die Fahrleistung ist. Nur dann sind die Kunden bereit, dem legendären Mini-Kitzel zu verfallen und ihre Konten höher zu belasten. Start zur ersten Fahrt quer durch Deutschland. Das herausnehmbare "Mobile Device" habe ich bereits im Büro programmiert. Die A1-Fahrstrecke ist eingegeben (geht sogar per Handschrift), aktuelle Satellitenbilder weisen den Weg. Die neuesten Hits der gerade populären Jugendband Honolulu Hilton sind auf den integrierten MP5-Player geladen, die Telefonnummern aktualisiert. Das Universalgerät speichert sogar die Bilder meiner möglichen Gesprächspartner. Nur das Konterfei von Testchef Gunnar habe ich ausgeblendet. Es genügt mir, seine Anweisungen zu hören. Ich kuschel' mich in den Velvetleder-Sitz. Samtiges Leder umhüllt ebenfalls Lenkrad, Feststellbremse und den Schalthebel. Den Begriff "Velvetleder" hat Audi sich geschickterweise schützen lassen, wie Projektleiter Uwe Haller weiß. Mir egal, ich bekomme jedenfalls Herzklopfen. Denn jeder Handgriff fühlt sich an wie das Streicheln begehrenswerter Zonen.Der A1 nimmt Stadtstraßen erst elektrisch unter die Räder
Sachlicher Check der gebotenen Technik: Eine elektromechanische Lenkung mit tempoabhängiger Unterstützung liefert guten Fahrbahnkontakt und spart Benzin. Die "Magnetic Ride"-Stoßdämpfer sind wie in R8 und TT per elektromagnetischem Feld blitzartig beeinflussbar, arbeiten ganz nach Wunsch komfortabel oder sportlich-hart. In Notsituationen sorgt eine bissige Motorsport-Bremsanlage für kurze Anhaltewege. Nun endlich das "Mobile Device" in den Schlüsselschlitz gesteckt. Es erkennt meine Fahrberechtigung, mit leisem Summen wird das Universalgerät angesaugt. Dann den Knopf vor der Handbremse gedrückt. Was ist das? Kein Anlasser eiert sanft jaulend, es klickt nur mehrfach im Motorraum. Sollten die vielen integrierten Computer und andere Helferlein schon die Starterbatterie leergesaugt haben? Ach was! Ich brauche den TFSI-Motor und seine 150 PS doch gar nicht. Der A1 nimmt Stadtstraßen ja erst mal elektrisch unter die Räder. Eine Glasplatte im Kofferraum verrät: Wie in einem Mausoleum ruht hier ein 41 PS starker Elektromotor, der 100 Kilometer abgasfreie Reichweite per Heckantrieb garantiert. Rauf auf die Piste. Hinter den Elbbrücken ist Tempo 120 erlaubt, spätestens ab 100 km/h schaltet sich jetzt der Elektromotor aus, der Benziner in Fahrstufe D kaum spürbar hinzu. Ich erkenne das an den auf dem Display verlaufenden Kraftlinien – der Toyota Prius lässt grüßen. Sie zeigen, dass Audis Kompakten nun die Vorderräder ziehen. Das Direktschaltgetriebe S-tronic nimmt mir jegliche Fummelei ab. Wer will, kann natürlich per Schaltpaddel hinterm Lenkrad jederzeit ins Geschehen eingreifen. Die 150 TFSI-PS des A1 reichen für 201 km/h.Ein Tempo-Traum, denn die Autobahn nach Bremen ist immer noch zweispurig und lasterhaft überfüllt. Ab und zu eine kleine Spurtlücke, die etwas Abwechslung verspricht, wenn zu den 240 Newtonmetern des Direkteinspritzers (schon ab 1600 Umdrehungen!) die 200 Nm des Elektromotors (schon ab Leerlauf!) aus dem Fronttriebler einen behenden quattro (null bis 100 km/h in 7,8 Sekunden) machen. Das schlechte Gewissen als Begleiter solcher Beschleunigungs-Orgien wird dadurch beruhigt, dass der Hybrid im Schubbetrieb verbrauchte Energie zum Teil ja wieder an die Lithium-Ionen-Akkus zurückgibt. Irgendwo im Rheinland werde ich dennoch tanken müssen. Da der Preis für Supersprit gerade die Drei-Euro-Marke durchbrochen hat, bin ich froh, weniger als fünf Liter verbraucht zu haben. Anno 2007 hätte ich noch auf die 112 g/km Kohlendioxid hinweisen müssen. Doch darüber reden wir jetzt im Jahre 2010 nicht mehr. Oder vielleicht doch? Zurück ins Jetzt. Nach der ersten Ölkrise, nach der Furcht vor dem sauren Regen, nach der Aufregung um Feinstaub und Kohlendioxid wird 2010 das Automobil vermutlich noch immer im Klima-Fokus stehen. Für Verbesserungen sind die Ingenieure zuständig und, wie wir hier sehen, sich der Verantwortung auch sehr bewusst. Der A1 wird garantiert nicht so aufwendig gebaut, wie wir ihn hier zeigen. Das wäre dann wohl doch zu teuer. Aber die großen Audi profitieren sicher allesamt sehr bald von den Ideen. Somit hat sich der A1-Aufwand bereits jetzt gelohnt.

































