Studie Audi A1

Studie Audi A1 Studie Audi A1

Studie Audi A1

— 13.11.2007

Kurz und Knackig

Der Erfolg des Mini lässt die Konkurrenz nicht ruhen: Audi präsentierte jüngst die A1-Studie. AUTO BILD hat schon mal im kleinen Ingolstädter Hybriden Platz genommen.

A1, das sind 728 Kilometer Autobahn von der Ostsee bis nach Saarbücken. A1, das ist aber auch Audis Kleinster, der spätestens in drei Jahren den maximalen Mini-Erfolg von BMW bremsen soll. Ich stelle mir jetzt schon vor, wie mein erster Fahrbericht "Mit dem A1 auf der A 1" in drei Jahren lauten könnte: Frühjahr 2010. Der erste A1 rollt auf den Redaktionshof. Die einhellige Meinung aller Kollegen: Super, was der einstige Audi-Chef Martin Winterkorn (heute im Aufsichtsrat) da vor vier Jahren angeschoben hat. Eine knackig-rundliche und nur 3,91 Meter kurze Coupé-Silhouette duckt sich hinreißend auf der Plattform des VW Polo. Nichts wirkt abgekupfert, die von Styling-Chef Stefan Sielaff gezeichnete Form bedient sich, wenn überhaupt, nur bei Elementen, die bereits frühere Audi-Studien trugen. Lediglich das gierige Kühlermaul lässt heute noch die Geschmäcker streiten (siehe auch Kommentar im letzten Absatz). Vorn fällt der lidähnliche Fahrlicht-Strich auf – die Scheinwerfer bestehen aus raffiniert angeordneten LED-Pünktchen –, und der große Grill ähnelt einer schwarzweiß-karierten Zielflagge. Dieses Motiv findet sich in vielen kleinen Details wieder. Der Heckspoiler wirft sein integriertes Stopplicht senkrecht auf das Rückfenster, das die Diodenstrahlen rechtwinklig reflektiert.

Velvet-(Samt-)Leder umschmeichelt den Fahrer

Umhüllt auch Lenkrad, Feststellbremse und Schalthebel: samtiges Velvetleder.

Schön, dass der neue VW-Konzernchef Wiedeking am A1 äußerlich nichts verändert hat. Kein Wunder, hat er doch schon bei Porsche gelernt, dass die Form genauso wichtig wie die Fahrleistung ist. Nur dann sind die Kunden bereit, dem legendären Mini-Kitzel zu verfallen und ihre Konten höher zu belasten. Start zur ersten Fahrt quer durch Deutschland. Das herausnehmbare "Mobile Device" habe ich bereits im Büro programmiert. Die A1-Fahrstrecke ist eingegeben (geht sogar per Handschrift), aktuelle Satellitenbilder weisen den Weg. Die neuesten Hits der gerade populären Jugendband Honolulu Hilton sind auf den integrierten MP5-Player geladen, die Telefonnummern aktualisiert. Das Universalgerät speichert sogar die Bilder meiner möglichen Gesprächspartner. Nur das Konterfei von Testchef Gunnar habe ich ausgeblendet. Es genügt mir, seine Anweisungen zu hören. Ich kuschel' mich in den Velvetleder-Sitz. Samtiges Leder umhüllt ebenfalls Lenkrad, Feststellbremse und den Schalthebel. Den Begriff "Velvetleder" hat Audi sich geschickterweise schützen lassen, wie Projektleiter Uwe Haller weiß. Mir egal, ich bekomme jedenfalls Herzklopfen. Denn jeder Handgriff fühlt sich an wie das Streicheln begehrenswerter Zonen.

Der A1 nimmt Stadtstraßen erst elektrisch unter die Räder

Aus einem Guss: Die runden Linien (Motorhaube) setzen sich um den ganzen Wagen fort.

Sachlicher Check der gebotenen Technik: Eine elektromechanische Lenkung mit tempoabhängiger Unterstützung liefert guten Fahrbahnkontakt und spart Benzin. Die "Magnetic Ride"-Stoßdämpfer sind wie in R8  und TT per elektromagnetischem Feld blitzartig beeinflussbar, arbeiten ganz nach Wunsch komfortabel oder sportlich-hart. In Notsituationen sorgt eine bissige Motorsport-Bremsanlage für kurze Anhaltewege. Nun endlich das "Mobile Device" in den Schlüsselschlitz gesteckt. Es erkennt meine Fahrberechtigung, mit leisem Summen wird das Universalgerät angesaugt. Dann den Knopf vor der Handbremse gedrückt. Was ist das? Kein Anlasser eiert sanft jaulend, es klickt nur mehrfach im Motorraum. Sollten die vielen integrierten Computer und andere Helferlein schon die Starterbatterie leergesaugt haben? Ach was! Ich brauche den TFSI-Motor und seine 150 PS doch gar nicht. Der A1 nimmt Stadtstraßen ja erst mal elektrisch unter die Räder. Eine Glasplatte im Kofferraum verrät: Wie in einem Mausoleum ruht hier ein 41 PS starker Elektromotor, der 100 Kilometer abgasfreie Reichweite per Heckantrieb garantiert. Rauf auf die Piste. Hinter den Elbbrücken ist Tempo 120 erlaubt, spätestens ab 100 km/h schaltet sich jetzt der Elektromotor aus, der Benziner in Fahrstufe D kaum spürbar hinzu. Ich erkenne das an den auf dem Display verlaufenden Kraftlinien – der Toyota Prius lässt grüßen. Sie zeigen, dass Audis Kompakten nun die Vorderräder ziehen. Das Direktschaltgetriebe S-tronic nimmt mir jegliche Fummelei ab. Wer will, kann natürlich per Schaltpaddel hinterm Lenkrad jederzeit ins Geschehen eingreifen. Die 150 TFSI-PS des A1 reichen für 201 km/h.

Ein Tempo-Traum, denn die Autobahn nach Bremen ist immer noch zweispurig und lasterhaft überfüllt. Ab und zu eine kleine Spurtlücke, die etwas Abwechslung verspricht, wenn zu den 240 Newtonmetern des Direkteinspritzers (schon ab 1600 Umdrehungen!) die 200 Nm des Elektromotors (schon ab Leerlauf!) aus dem Fronttriebler einen behenden quattro (null bis 100 km/h in 7,8 Sekunden) machen. Das schlechte Gewissen als Begleiter solcher Beschleunigungs-Orgien wird dadurch beruhigt, dass der Hybrid im Schubbetrieb verbrauchte Energie zum Teil ja wieder an die Lithium-Ionen-Akkus zurückgibt. Irgendwo im Rheinland werde ich dennoch tanken müssen. Da der Preis für Supersprit gerade die Drei-Euro-Marke durchbrochen hat, bin ich froh, weniger als fünf Liter verbraucht zu haben. Anno 2007 hätte ich noch auf die 112 g/km Kohlendioxid hinweisen müssen. Doch darüber reden wir jetzt im Jahre 2010 nicht mehr. Oder vielleicht doch? Zurück ins Jetzt. Nach der ersten Ölkrise, nach der Furcht vor dem sauren Regen, nach der Aufregung um Feinstaub und Kohlendioxid wird 2010 das Automobil vermutlich noch immer im Klima-Fokus stehen. Für Verbesserungen sind die Ingenieure zuständig und, wie wir hier sehen, sich der Verantwortung auch sehr bewusst. Der A1 wird garantiert nicht so aufwendig gebaut, wie wir ihn hier zeigen. Das wäre dann wohl doch zu teuer. Aber die großen Audi profitieren sicher allesamt sehr bald von den Ideen. Somit hat sich der A1-Aufwand bereits jetzt gelohnt.

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Diether Rodatz

Das Auto von morgen muss kompakt sein, Platz bieten – und sollte Herzklopfen verursachen. Der A1 wird die Mini-Klasse aufmischen, da bin ich ganz sicher. Nur eine Bitte habe ich, liebe Audianer: Denkt beim Preis nicht immer nur an Premium, sondern auch an Normalverdiener!

Kommentar von AUTO BILD-Redakteur Joachim Staat

"Ein Gesicht darf nicht nur aus Nase bestehen", findet AUTO BILD-Redakteur Joachim Staat.

Allmählich geht mir auf den Trichter, wie Audi das Maul aufreißt. Der neue A1 zeigt hier einen traurigen Auswuchs: einen Grill, so groß wie eine U-Bahn-Entlüftung oder wie das schlürfende Absauggitter im Wellenbad. Muss Sportlichkeit unbedingt so dicke rüberkommen? Dazu noch der böse Blick, diese abgenutzte Drohgebärde aus der Tuning-Ecke – fällt Audi wirklich nichts Smarteres ein als diese Boxer-Visage? Ich verstehe ja: Audi sucht Profil, sucht sein Markenzeichen. Das passt auch an große Autos, aber ein Gesicht darf nicht nur aus Nase bestehen! Am A1 muss der Grill unbedingt kleiner ausfallen. Sonst bekomme ich mit diesem Audi im Rückspiegel noch Angst, dass das Rüsselschwein mich von der Straße saugt. Ein gelungener Mini-Jäger, baut ihn, Audi – aber ohne diesen Schwenkgrill vom Jahrmarkt.

Autor: Diether Rodatz

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