Studie: Umweltzonen nutzlos

— 22.03.2013

Sinnloser Plakettensalat

Die Umweltzonen in zahlreichen Städten sind nahezu nutzlos. Eine neue Studie bestätigt das. Mehr neue Autos kaufen die Bürger wegen der grünen Plakette ebenfalls nicht.

Seit 2008 wollen immer mehr deutsche Stadte die Feinstaubbelastung durch den Straßenverkehr mit der Einrichtung von Umweltzonen senken. Nur wer eine grüne Plakette auf dem Auto hat, darf in den Umweltzonen fahren. Jetzt belegt eine Studie der Europäischen Forschungsvereinigung für Umwelt und Gesundheit im Transportwesen (EUGT), dass die Effekte für die Umwelt allenfalls gering sind. In München wurde exemplarisch mit einer neuen Messmethode die Feinstaubbelastung gemessen und das Ergebnis mit früheren Messungen von 2007 verglichen. Nur an einer Messstation gab es faktisch geringgradige Feinstaubreduktionen. "Das Ergebnis ist ernüchternd", resümiert Studienleiter Dr. Peter Morfeld. "Entgegen bisherigen öffentlichen Darstellungen lassen sich keine überzeugenden Wirkungen erkennen."

Lesen Sie auch: Fahrverbot für Oldtimer in Umweltzonen

Ein weiteres Argument für die Umweltzonen hat der ADAC gerade widerlegt: Die Einführung von Umweltzonen hat keinen positiven Einfluss auf das Kaufverhalten von Pkw-Kunden. "Wie die Auswertung aktueller Zulassungszahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) verdeutlicht, ergibt der Vergleich verschiedener deutscher Städte mit bzw. ohne Umweltzone nur minimale Unterschiede hinsichtlich der Plakettenverteilung", so der ADAC. Der Verkehrsclub verglich dafür die Plakettenverteilung der Städte München (mit Umweltzone) und Hamburg (ohne Umweltzone). Die Analyse der beiden Städte zeigte, dass der Anteil der Pkw mit grüner Plakette mit 89,7 Prozent in Hamburg sogar geringfügig größer ist als der in München mit 88,9 Prozent. Auch bei den Fahrzeugen, denen keine Plakette zugeteilt wird, erweist sich Hamburg als die "grünere" Stadt. 3,2 Prozent der Hamburger Pkw erhalten laut der KBA-Zahlen keine Umweltplakette, 4,3 Prozent sind es in München.

Lesen Sie auch: Noch mehr Umweltzonen

Die Untersuchung belegen laut ADAC auch, dass nicht die Einführung der Umweltzonen ab dem Jahr 2008 zu einem spürbaren Rückgang der Fahrzeuge ohne Plakette führte, sondern in erster Linie eine Umstellung des KBA bei der Erfassung der zugelassenen Autos. Dort wird die Kategorie der vorübergehend stillgelegten Fahrzeuge nicht mehr in der Bestandsstatistik geführt. Bei diesen Fahrzeugen handelte es sich meist um ältere und unsaubere Autos – dies erkläre den markanten Rückgang in der Statistik bei Fahrzeugen ohne Plakette zum Jahreswechsel 2007/2008. Die tatsächlichen Veränderungen hin zu schadstoffärmeren Autos sind demnach vor allem dem üblichen Flottenwechsel geschuldet. Jedes Jahr werden in Deutschland rund drei Millionen Pkw mit schadstoffarmen Motoren neu zugelassen. Derzeit gibt es in Deutschland mehr als 60 Städte mit einer Umweltzone, nach den Ergebnissen der Studien von EUGT und ADAC ist es fraglich, ob sie weiter bestehen bleiben sollten.

Diesen Beitrag empfehlen

Artikel bewerten

Bewerte diesen Artikel

Fremde Bewertungen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare zum Artikel (5)

Erstellt

Inhalt

Melden

Turbo-Rolf
25.03.2013, 10:54Uhr

Siehe: leipzig de/umweltzone

B.
25.03.2013, 08:56Uhr

Umweltzonen sind der größte Schwachsinn, solange öffentliche Verkehrsmittel nicht Schadstoffarm unterwegs sind wird sich keine merkliche reduzierung ergeben. Auch eine entsprechende Verkehrsführung ist sinnvoller als ein Pickerl. Stop & Go in den Städten und immer weniger Grün, daß ist das Problem. Es ist erwiesen das mehr Bäume und Grünflächen die Feinstaubkonzentration reduzieren. Im übrigen bin ich dafür in Städten nur noch E-Busse einzusetzten und für LKW eine Anliegerfrei regelung zu schaffen.

DubYa
23.03.2013, 13:06Uhr

Wer jemals einen Kinderwagen mit Kleinkind auf "Nasenhöhe" zum Auspuff über Deutsche Bürgersteige in Städten geschoben hat, ist um die Plaketten froh. Mag ja sein, bzw. ist es auch wenig verwunderlich, dass dies für die Gesamtlage in Städten nicht so zwingend zu messbaren Ergebnissen führt.

42
22.03.2013, 20:26Uhr

Gratuliere! Selten so einen Stuss gelesen! Und das vom ersten bis zum letzten Satz!

Spartacus13
22.03.2013, 19:44Uhr

"In München wurde exemplarisch mit einer neuen Messmethode die Feinstaubbelastung gemessen und das Ergebnis mit früheren Messungen von 2007 verglichen." - Wer kommt denn auf die Idee, Ergebnisse verschiedener Messmethoden zu vergleichen? Sinn macht es doch nur, die aktuelle Messung mit der gleichen Methode durchzuführen wie 2007.

Seite 1

Kommentar verfassen

  • Anmelden
  • Registrieren
Sie haben noch 800 Zeichen übrig
Anzeige

Versicherungsvergleich

Neuwagen

Porsche 911

Neuwagen deutlich
unter Listenpreis

Porsche 911 Neuwagen-Angebote

Gebrauchtwagen

Günstige Gebrauchtwagen-Angebote

Finden Sie Ihren Gebrauchtwagen.

Gebrauchtwagen-Angebote
Anzeige