Ford Ka Produktion

Studie zur Autoindustrie

— 02.07.2009

Umbau vonnöten

Noch jubelt die Autobranche über Rekord-Zulassungszahlen. Doch der Absturz im kommenden Jahr wird laut einer Studie umso schlimmer. Vielen Herstellern und Zulieferern droht demnach das Aus.

Der Juni war der beste Verkaufsmonat aller Zeiten in Deutschland. Rund 40 Prozent Plus im Vergleich zum Vorjahr, besser gar als im Wendejahr 1989. Doch die Autobauer müssen sich auf eine lange Durststrecke einstellen. Das geht aus einer Studie der Unternehmungsberatung AlixPartners hervor, die eine Benchmark-Analyse von 275 Zulieferern, 45 Automobilherstellern und 23 Lkw-Herstellern ausgearbeit hat. Vinzenz Schwegmann, Managing Director bei den Beratern, sagt: "Die eigentliche Krise der Autoindustrie steht erst noch bevor – wenn die Anreiz-Programme der Regierungen auslaufen, ist die wahre Stunde Null." Die Zahlen sind alarmierend: Selbst unter günstigen Bedingungen wird der Neuwagenmarkt erst im Jahr 2014 wieder das Niveau vor der Krise erreichen und damit deutlich später als zunächst vermutet. Bis dahin werden statt 16 Millionen Autos pro Jahr nur 13 Millionen verkauft, die Branche kämpft zudem mit deutlichen Überkapazitäten und einem hohen Verschuldungsgrad. Das werden laut der Studie zahlreiche Hersteller und Zulieferer nicht überleben und zwangsläufig in der Insolvenz enden oder mit einer Übernahme.

Biiliges Geld verzerrt den Markt

Der dramatische Einbruch der Verkaufszahlen hat zwei Ursachen: Zum einen gibt es einen deutlichen Nachfrageüberhang aus den vergangenen Jahren, der vor allem durch die Zinspolitik der Notenbanken verursacht wurde. Günstige Kredite sogenanntes "billiges Geld" hätten eine Entkopplung der Fahrzeugmärkte von der allgemeinen Wirtschaftsentwicklung zur Folge, so die Studie. Zum anderen ändert sich aktuell das Käuferverhalten: Die Sparquote steigt, es werden weniger und kleinere Fahrzeuge gekauft. Das wird vor allem die Premiumhersteller wie Mercedes, BMW und Audi treffen, die bekanntlich in Deutschland sitzen. Dieses europäische Szenario trifft auch auf die USA zu. Nur für Asien errechnet die Studie Zuwächse. Hier soll der Automobilabsatz von 20 Millionen Fahrzeugen im Jahr 2009 auf 28,2 Millionen Fahrzeuge im Jahr 2014 steigen.

Pro verkauftem Auto 1800 Euro Verlust

Vor allem haben die Autobauer wegen des sinkenden Absatzes ihre Finanzreserven aufgebraucht. Hatte die Branche laut AlixPartners 2007 noch 30 Milliarden Euro auf der Kante, wird sie im Jahr 2010 etwa 40 Milliarden Euro Minus machen. Das bedeutet: Pro Fahrzeug 1800 Euro Verlust. Die Krise trifft auch die Zulieferer knallhart. Laut den Analysten befanden sich bereits 2008 etwa 22 Prozent aller europäischen Automobilzulieferer in Insolvenzgefahr. Bei einem prognostizierten Rückgang der Wirtschaft um zehn bis 20 Prozent wird diese Zahl im Jahr 2009 auf 30 bis 50 Prozent steigen. Folge: Die Großen werden die Krise überstehen, die Kleinen gehen unter.

Massive Überkapazitäten

Grund der Krise ist laut der Studie aber auch die Automobilindustrie selbst: Die Auslastung der Produktionslinien lag bereits vor der Krise bei lediglich 80 Prozent – nun sind es vielfach weniger als 65 Prozent. Die Folgen der Überkapazitäten waren indes bereits vor der Wirtschaftskrise sichtbar: Während in anderen Wirtschaftsbereichen die Preise stiegen, stagnierten sie in der Autobranche, zusätzlich locken die Hersteller mit Rabatten: Vinzenz Schwegmann: "Rabattprogramme oder stille Rabatte in Form von gehobener Ausstattung zum Nulltarif sind keine langfristige Lösung. Die globale Wirtschaftskrise hat einige Unternehmen der Autoindustrie nur schneller in das Ende der Sackgasse geführt – falsch abgebogen sind sie schon vorher." Am Ende sehen die Analysten aber doch einen Hoffnungsschimmer: "Sobald sich das gesunkene Potenzial des Markts auch in den Unternehmensbewertungen widerspiegelt, wird neues Kapital in die Automobilbranche fließen – Mobilität bleibt ein Grundbedürfnis und wird daher auch realistische Renditen erwirtschaften."

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