Autounfall auf einer Allee

Studie zur Verkehrssicherheit

— 03.09.2009

Gefährliches Landleben

Viele Bäume: Wer auf dem Land lebt, riskiert einiges – ergab eine Uni-Studie zur Unfallhäufigkeit. Danach ist das Leben im Grünen bis zu dreimal so gefährlich wie in der Stadt. Eine Altersgruppe ist laut Statistik geradezu totgeweiht.

Arme Landbewohner: Nicht genug, dass sie zum Bäcker und ins Kino lange Fahrten auf sich nehmen müssen; sie riskieren dabei auch noch ihr Leben. Diese Vermutung jedenfalls legt eine Statistik der TU Dortmund nahe, die das Unfallrisiko von Land- und Stadtbevölkerung analysiert hat. Danach droht Bewohnern von ländlichen Gebieten eine wesentlich höhere Gefahr, bei Verkehrsunfällen schwer verletzt oder sogar getötet zu werden, als Städtern. Die Wissenschaftler des Fachbereichs Verkehrsforschung haben speziell für das Bundesland Niedersachsen Unfalldaten unter die Lupe genommen. Hierfür lagen rund 140.000 Datensätze aller polizeilich aufgenommenen Unfälle zwischen 2006 und 2008 vor. Dabei berücksichtigten sie auch den Wohnort des Unfallopfers. "Allein die Betrachtung der Unfallorte lässt nicht unbedingt einen Rückschluss darauf zu, ob die dortige Bevölkerung mehr oder weniger gefährdet ist," so Professor Christian Holz-Rau, einer der beteiligten Wissenschaftler. Schließlich bewegen sich die Bewohner des Umlandes auch in die Städte hinein, etwa Pendler – und es kommt mitunter ganz woanders zum Crash. Die Studie war nicht ohne Weiteres möglich, weil der Wohnort der Unfallteilnehmer unter Datenschutz steht und für statistische Zwecke nicht zugänglich ist. Nur in Niedersachsen war man für das Anliegen der Wissenschaftler zugänglich und gab die Daten frei.

Gefahr eines Unfalltodes ist auf dem Land 40 Prozent höher

Die Ergebnisse der Analysen zeigten, dass das Risiko, tödlich zu verunglücken, bereits für die Bevölkerung der dicht besiedelten Umlandkreise großer Städte rund 40 Prozent höher liegt als für die Stadtbevölkerung. Bewohner des ländlichen Raums leben sogar in ein doppelt bis dreimal so hohen Risiko im Straßenverkehr zu sterben. Ähnlich, wenn auch nicht ganz so stark, verhält es sich bei Unfällen mit schweren Verletzungen. Als Schwerverletzte zählen in der Unfallstatistik alle Personen, bei denen eine stationäre Behandlung im Krankenhaus erforderlich war. Das Risiko einer schweren Verletzung ist in ländlichen Kreisen rund 70 bis 100 Prozent höher als in Großstädten. Umgekehrt verhält sich die Situation hingegen bei leichten Unfällen; hier sind Städter etwas mehr gefährdet als Landbewohner.

Risikogruppe jüngere Erwachsene

Bei jungen Erwachsenen explodiert das Unfallrisiko im ländlichen Raum förmlich und liegt in den ländlichen Kreisen um das Zehn- bis 20-fache höher als in Großstädten. Die Wissenschaftler erklären das mit der verbreiteten Mobilität unter jungen Leuten auf dem Lande, während ihre Altersgenossen in der Stadt eher auf die vorhandenen Nahverkehrsangebote zurückgreifen würden. So weit, so gut. Die Konsequenz der Studie hingegen wirkt ausgesprochen schrullig: "Aus der Perspektive der Verkehrssicherheit ist Haushalten anzuraten, besser in der Stadt zu bleiben. Für Familien gilt dies in besonderem Maße." Anders gesagt: Erhöhte Mobilität bezahlt man mit einem höheren Unfallrisiko. Überraschend ist das nicht gerade – wer schön im Haus bleibt, kann auch nicht auf dem Gehsteig ausrutschen...

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