Saab Phoenix

Studien: Pro und Kontra

— 04.05.2011

Sind Studien überflüssig?

Messe-Studien haben mit der Realität wenig zu tun, sind aber ein Blick in die Auto-Zukunft. Doch wie viel verraten sie wirklich über das, was kommt? Zwei Redakteure streiten über Sinn und Unsinn der Zukunftsvisionen.

"Für mich zählen nur Autos, die man kaufen kann",
sagt Alex Cohrs.

Die besten Autos stehen bei Messen immer ein bisschen im Abseits. Weiter hinten, wo die Scheinwerfer gerade noch so hinleuchten und wo statt zauberhafter Hostessen allenfalls der Schülerpraktikant des Autoherstellers herumlungert. In diesen Ecken, den No-go-Areas der meisten Autojournalisten, stehen die Exponate, die mich interessieren: Autos, die man kaufen kann.

Redakteur Alex Cohrs.

Was hingegen vorn im Rampenlicht abgeht, das weiß ich ohnehin schon: künstlicher Nebel, dramatische Musik, große Gesten, absurde Studien. Die Konzeptautos tragen meistens Flügel- oder Selbstmördertüren, stehen auf aberwitzig großen Rädern und haben neuerdings auch gern mal Kameras anstatt Rückspiegeln. Mit der Wirklichkeit haben diese Showcars nichts zu tun: Während das erste Konzeptauto der Welt, der Buick Y-Job von 1938, wenigstens noch regelmäßig gefahren wurde, verschwinden die meisten Studien heute sofort nach der Messe im feuchten Keller der Geschichte. In Produktion gehen die Konzepte entweder nie (Jaguar B 99 von Bertone, Pininfarina 2uettottanta) – oder total weichgespült. Selbst der durchaus mutige Jaguar XF sieht mit seinen Glupschaugen und den serienmäßigen 18-Zoll-Rädern nicht ansatzweise so revolutionär aus wie die Studie C-XF von Detroit 2007. Nein, ich halte es wie Helmut Schmidt: Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen – aber bitte keine Fantasie-Autos präsentieren.

Redakteur Stefan Voswinkel.

"Warum nicht mal ein bisschen träumen dürfen?"
fragt Stefan Voswinkel.

So richtig toll fand ich Audi als Jugendlicher nicht. Spießige Autos, muffiges Image. Bis zur IAA 1991. Da hat mir Audi das erste Mal den Kopf verdreht. Mit einem Sportwagen, flach wie ein Ferrari. Ein betörend schöner Zweisitzer mit Alukarosserie und Mittelmotor. Was für ein Auto! Okay, gebaut haben sie den quattro Spider nie. Aber die Designer konnten mal unabhängig vom Tagesgeschäft herumspinnen und ausprobieren, was möglich wäre, wenn man die Rechnung ohne die Erbsenzähler vom Controlling macht. Denn dafür sind Studien gemacht, und dafür sollten wir sie lieben: als Inspiration. Stellen wir uns doch nur kurz vor, Alfa Romeo würde sich bei dem nächsten Spider nur ein ganz klein bisschen vom Pininfarina 2uettottanta beeinflussen lassen – schon allein dafür hätte er sich gelohnt. Oder der PhoeniX von Saab (siehe Foto oben). Gerade erst ins Rampenlicht gerollt und unrealistisch von den Flügeltüren bis zu den 22-Zoll-Rädern.

Trotzdem zeigt er, dass wir Saab noch nicht abschreiben sollten. Das ist jenseits von nüchternen Verkaufszahlen wichtig. Auch in der Mode-Branche funktioniert das Spiel mit den Studien schon seit Jahrzehnten. Dort gibt es Serienklamotten (Prêt-à-porter) und mutige, aber untragbare Fummel (Haute Couture). Warum auch nicht? Ein bisschen Träumen wird ja erlaubt sein. Denn oft findet die Haute Couture ihren Weg in den Alltag. Wie bei Audi: 2006 stellten die Ingolstädter mit dem R8 ihren ersten Supersportwagen vor. Dem quattro Spider sei Dank.

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