Polizei sucht Todesfahrer von Gernrode

Suche nach dem Todesfahrer Suche nach dem Todesfahrer Suche nach dem Todesfahrer

Suche nach dem Todesfahrer von Gernrode

— 24.04.2014

Polizei bittet um Hilfe

Thüringens Ermittler brauchen die Unterstützung der AUTO BILD-Leser: Ein Plastikteil soll den Unfallfahrer überführen, der auf einer Straße in Gernrode einen Jungen sterben ließ.

Am schlimmsten, sagt Marie H., sei das Kopfkino. Immer wieder springe es an, in Gang gesetzt durch neue Ermittlungsergebnisse oder, viel schlimmer, durch Gerüchte, die in dem kleinen thüringischen Ort Gernrode die Runde machen. Die 40-jährige Verkäuferin quält die Ungewissheit, wie ihr Sohn Matthias-Paul nachts auf einer Landstraße gestorben ist. Und ob er vor seinem Tod gelitten hat. Alle Hoffnungen, Antworten auf diese Fragen zu bekommen, liegen auf einem Stück Plastik. Das unscheinbare Teil gehört zu jenem Auto, das Matthias-Paul gerammt hat und dessen Fahrer seither unfallflüchtig ist.
Aktuell: Gesuchtes Teil ist identifiziert
Die Suche ist beendet: Das gefundene Stück Plastik ist Teil einer Kabelabdeckung im Honda Accord der Baujahre 2004 bis 2008. Nach der Veröffentlichung in AUTO BILD und auf autobild.de gingen zahlreiche Hinweise bei der Polizei ein. Der entscheidende kam aus den USA, nachdem das Blog "Jalopnik" auf Basis der AUTO BILD-Geschichte ebenfalls über den Fall berichtete.
Leider ist die Erkenntnis ein Rückschlag für die Ermittlungen – das Teil gehört zu dem Honda Accord, der Matthias-Paul überrollte, nachdem der 16-Jährige bereits angefahren worden war und dessen Fahrer sich bereits gestellt hat. Das Fehlen des Teiles wurde bei der Begutachtung des Unfallwagens nicht bemerkt. Als einziger Hinweis auf das erste Unfallauto bleibt nun der an der Kleidung des Jungen gefundene rote Lackpartikel (siehe Bildergalerie oben).
In der Nacht vom 24. auf den 25. Januar macht sich der 16-Jährige gegen zwei Uhr zu Fuß auf den Weg ins benachbarte Breitenworbis. Hier wohnen viele seiner Freunde. Der Junge benutzt die Fahrbahn, vermutlich weil der Gehweg verschneit ist. Auf Höhe der Autobahnüberquerung endet seine Spur. Um 4.15 Uhr wählt ein Mann den Notruf, nachdem er mit seinem Fahrzeug gerade noch dem auf der Straße liegenden Körper des Jugendlichen ausweichen konnte. Matthias-Paul ist tot.

Wer kann dieses Autoteil identifizieren?

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Hinweise unter Telefon (03606) 6510 oder per E-Mail an kontakt@autobild.de (Stichwort: Fahndung)

An der Unfallstelle findet die Polizei Teile eines Honda. Der Fahrer stellt sich einige Tage später; er gibt an, den Jungen aus Versehen überrollt zu haben. Doch zu diesem Zeitpunkt, um 3.35 Uhr, ist Matthias-Paul durch einen anderen Aufprall bereits verletzt. Die Beamten finden Hinweise auf ein weiteres Unfallauto. 

Matthias stehend überfahren

Auf dieser Autobahnquerung starb Matthias-Paul. Der Unglücksfahrer beging Fahrerflucht.

Ein Schuh des Jungen liegt 40 Meter weit entfernt, zudem weist sein Oberschenkel einen keilförmigen Bruch auf – beides deutet auf einen Anprall im Stand hin. An der Jacke des Toten identifizieren die Polizisten ein winziges rotes Lackpartikel. Und sie finden eben jenes schwarze Plastikteil, das nicht zum Honda gehört und an dem Fasern der Kleidung des Jungen haften. "Wenn wir wüssten, von welchem Fahrzeugmodell das Teil stammt, könnten wir den Kreis der Verdächtigen eingrenzen", sagt der zuständige Hauptkommissar Matthias Hofmann.
Massenphänomen Fahrerflucht
Fahrerflucht ist in Deutschland weit verbreitet. 2012 entfernten sich mehr als 17.000 Autofahrer nach einem Unfall mit Personenschaden vom Ort des Geschehens – rund jeder Zwanzigste. Bei Unfällen mit Getöteten war die Quote der Unfallflüchtigen zwar niedriger. Doch auch hier registrierte das Statistische Bundesamt 50 Fälle. Die Aufklärungsquote wird nicht bundesweit erfasst. Beispiel NRW: Dort lag sie 2012 für Fahrerflucht nach Unfällen mit Personenschaden bei 67,4 Prozent. Das Gesetz sieht für das "unerlaubte Entfernen vom Unfallort" eine Haftstrafe von bis zu drei Jahren vor.
Doch auf dem abgebrochenen Stück fehlen Nummer und Herstellername. Das wichtigste Puzzleteil in einem Fall von feiger Fahrerflucht – bislang kann es die Polizei einfach nicht zuordnen. Die Ermittlungen ziehen sich hin: Über 100 Befragungen und Vernehmungen haben Hofmann und seine Kollegen durchgeführt. Sie haben die Videoüberwachung von Tankstellen gesichtet, vier Wochen lang Tag und Nacht die Unfallstelle observiert – vergeblich. Wegen des gefundenen Lackpartikels nimmt die Polizei derzeit alle roten Autos im Umkreis in Augenschein, eins nach dem anderen. Doch allein im Landkreis Eichsfeld sind das 5000 Fahrzeuge.

Auf der Jacke des Getöteten haftete ein mikroskopisch kleiner Farbpartikel.

"Im Fernsehen ist immer alles so einfach. Da sind die Verbrechen schnell aufgeklärt", sagt Thomas H., der Vater des Unfallopfers. Der 45-jährige Monteur kann nicht verstehen, dass ein Plastikteil heutzutage nicht identifizierbar ist. Ob der Todesfahrer alkoholisiert war oder keinen Führerschein hatte? Spekulationen. Dass er aus der Region kommt? Wahrscheinlich. "Vielleicht hat er uns auf der Beerdigung sogar die Hand gegeben", sagt H. 

Ein Notruf hätte den Jungen vielleicht gerettet

Die Polizei untersucht alle roten Autos im Landkreis Eichsfeld – bislang ohne Erfolg.

Hätte der Fahrer in jener Januarnacht einen Krankenwagen gerufen, wäre Matthias-Paul wohl noch am Leben. Laut Gerichtsmedizin waren die Verletzungen des ersten Aufpralls nicht tödlich. "Die Vorstellung, dass Paulchen stundenlang dort bei Bewusstsein lag, ist der Horror", sagt seine Mutter Marie. Ihr Sohn hatte große Zukunftspläne. Im August hatte er eine Ausbildung zum Versicherungskaufmann begonnen, träumte davon, Bezirksleiter zu werden. Im Dezember schloss er eine private Rentenversicherung ab. Und erst wenige Tage vor seinem Tod besuchte er das erste Mal die Fahrschule. Natürlich wünschen sich Matthias-Pauls Eltern, dass derjenige bestraft wird, der ihren Sohn totgefahren hat. Aber das sei nicht die Hauptsache, beteuern sie. Viel mehr noch wünschen sich Thomas und Marie H. Gewissheit, wie ihr Sohn starb. Damit sie endlich in Ruhe trauern können.

Hinweise unter Telefon (03606) 6510 oder per E-Mail an kontakt@autobild.de (Stichwort: Fahndung)

Polizei sucht Todesfahrer von Gernrode: Wer erkennt dieses Teil?

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Autor: Benjamin Gehrs

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