Super-SUV Audi Pikes Peak

Super-SUV Audi Pikes Peak Super-SUV Audi Pikes Peak

Super-SUV Audi Pikes Peak

— 31.01.2003

Die optimistische Größe

Ja, sind sie denn jetzt total durchgeknallt? Audi will mit diesem Hightech-Koloss den Geländewagen-Gipfel stürmen. Pikes Peak heißt er. Und was er braucht, ist eine positive Sicht der Dinge; koste es, was es wolle ...

Audis US-Geschäft läuft wie geschmiert

Was unseren Fußballern nicht glückte, schaffte das deutsche Volk im Husarenritt. Wir sind wieder Weltmeister – Weltmeister der Pessimisten. Laut einer aktuellen Umfrage schaut kein anderes Volk so negativ in die Zukunft wie wir.

Zum Glück lassen sich die deutschen Automobilhersteller noch nicht von der neuen Volkskrankheit anstecken. Audi schon gar nicht. Warum auch? Zum siebten Mal in Folge konnten die Ingolstädter ihr Ergebnis in Deutschland verbessern, und auch das US-Geschäft läuft wie geschmiert (plus 2,9 Prozent).

Depressionen sollen andere haben. Audi dagegen hat Großes vor. Im wahrsten Sinne des Wortes. Mit dem Showcar Pikes Peak quattro demonstrierte die VW-Tochter jüngst in Detroit ihr neues Selbstbewusstsein. Im frühlingshaften Kalifornien rollte Projektleiter Josef Maier jetzt den Messe-Star für AUTO BILD erstmals an die frische Luft.

Satte 21 Zentimeter länger als der Touareg

Dass dieses erste Roll-out kaum mehr als eine kurze Showeinlage unter freiem Himmel werden konnte, war klar. Schließlich handelt es sich bei dem Pikes Peak um ein Millionen Euro teures, in Handarbeit gefertigtes Einzelstück, das in Rekordzeit von nur knapp sechs Monaten auf die gewaltigen 20-Zöller gestellt wurde.

Statt aus Blech – oder, wie angedacht, später aus Alu – besteht der zittrige Körper des Prototyps noch aus teurer, nicht gerade verwindungssteifer Kohlefaser. Mehr als Tempo 50 auf schnurgeraden, topfebenen Straßen ließ Projektleiter Maier nicht zu. Das ist verständlich, schließlich hat Audis Tourer noch einige Messeauftritte vor sich.

Einen ersten Eindruck von dem, was da ab Mitte 2005 auf uns zurollen könnte, bekamen wir dennoch. Und eine Überraschung obendrein: Der Bursche ist gar nicht so riesig, wie er in Detroit wirkte. Obwohl mit 5,03 Metern nochmals satte 21 Zentimeter länger als der Konzern-Bruder VW Touareg, von dem er einige Komponenten erbte, wirkt er eher kompakt als monströs.

Warnung vor dem Straßengraben inklusive

Imposant, ohne Frage, aber nicht erschlagend. Modern ja, aber nicht überdreht abgefahren. Aus allen Blickwinkeln stimmig. Durch seine Rundungen und das flache, gedrungene, nach hinten abfallende, Coupé-artige Glasdach gelang es, die wahren Dimensionen geschickt zu kaschieren. Man kann nur hoffen, dass der Pikes Peak – oder Magellan oder A7 oder wie immer dieser Gipfelstürmer später mal heißen wird – möglichst viel seines ursprünglichen Charakters in die Serie retten darf. So wie einst der TT oder der allroad.

Von einigen Ideen wird sich Audi verabschieden müssen. Schon um Gewicht zu sparen. Um rund 200 Kilo soll die spätere Serienversion leichter sein. Die Advanced-Key-Funktion, bei der die bündig anliegenden Bügelgriffe elektrisch ausfahren, sobald man einsteigen will, dürften wir so schnell nicht wieder sehen – zu anfällig, zu teuer.

Die kleine Kamera im rechten Spiegel, die auch den letzten toten Winkel entschärft, eher auch nicht. Zuversichtlicher ist Josef Maier da schon, was die vier im hinteren Stoßfänger integrierten fetten Auspuffrohre oder das PAX-Reifensystem angeht, das auch nach völligem Luftverlust noch 200 Kilometer durchhalten soll. Auch das Lane-Departure-System (im Prototyp nicht aktiviert), bei dem optische Sensoren das Verlassen der Fahrbahn erkennen und den Fahrer akustisch oder durch Vibrationen am Lenkrad warnen, hat Chancen, sich durchzusetzen.

Sitzreihen lassen sich elektrisch umklappen

Ebenfalls die elektrisch umlegbaren Sitzreihen zwei und drei. Maier: "Das muss man schon bieten, um später gegen einen Mercedes GST mithalten zu können." Seine anschließende "Sesam, öffne dich!"-Demonstration macht Eindruck.

Zunächst schwingt per Fernbedienung elektrisch die Heckklappe hoch, dann legen sich auf Knopfdruck die beiden hinteren Sitzlehnen um. Anschließend fährt nun die Mittelkonsole ein Stockwerk tiefer, die beiden Lehnen der mittleren Sitzreihe legen sich flach – fertig ist ein ebener Laderaum. Genial einfach, einfach genial, aber sicher nicht billig. Immerhin acht Stellmotoren sind hier am Werk. Und ob das wohl später immer so reibungslos funktioniert?

Alles andere als billig präsentiert sich auch der Innenraum. Gebürstetes und poliertes Alu, kuscheliges Nappaleder, japanisches Eschenholz, das aussieht wie matte IKEA-Kiefer, nur eben in schnieke – so ein Prototyp darf aus dem Vollen schöpfen.

Kerniger Biturbo-Achtzylinder mit 500 PS

Trotz seiner üppigen Dimensionen und seines zum Touareg um 115 Millimeter längeren Radstands geht der Pikes Peak innen nicht verschwenderisch mit dem Platz um. Man meint, eher in einem luftigen Kombi als in einem riesigen SUV zu sitzen. Mit Absicht. Audi wollte bewusst das Beste aus zwei Welten – Pkw und SUV – verbinden. Im Marketing-Deutsch heißt so ein Mischling dann Crossover-Modell. Das Revier des Pikes Peak soll vor allem die Straße sein, seine Mobilitätsgarantie ein permanenter Allradantrieb mit variabler Kraftverteilung, auf zusätzliche Sperren oder ein Reduktionsgetriebe verzichten die Ingolstädter.

Bei der Motorisierung des Showcars öffnet Audi schon mal das Fenster zur Zukunft. Unter der wuchtigen, lang gezogenen Haube sitzt der bekannte und herrlich vor sich hin brabbelnde Bi-Turbo-Achtzylinder aus dem RS6 – hier allerdings mit Benzin-Direkteinspritzung FSI und 500 PS. Entscheidender aber das bärenstarke Drehmoment von 630 Newtonmetern, das den Pikes Peak schon ab 2000 Umdrehungen so vehement nach vorn katapultiert, dass man Angst hat, es werde den fragilen Prototyp zerreißen.

Laut Audi soll die 100-km/h-Marke bereits nach fünf Sekunden fallen und die Spitze bei 250 km/h liegen. Elektronisch abgeregelt.

Spätestens angesichts solcher Leistungsdaten stellt sich erneut die Frage nach dem Sinn dieser rasenden, spritfressenden Hochsitze. US-Kunden, die Audi in erster Linie mit dem Pikes Peak anvisiert, plagen derartige Zweifel sicherlich weniger. Vielleicht sehen wir Deutschen das Ganze ja auch nur zu pessimistisch.

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.