Supercars treffen Superstars

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Supercars treffen Superstars

— 23.03.2006

Tiefflug an der Hohen Acht

Von 507 bis 612 PS. Von Kristensen bis Röhrl. Zwischen Hatzenbach und Hoher Acht: Vier Superstars mit fünf Supercars auf der Nordschleife.

Bentley Continental GT

Tom Kristensen hat sichtlich Spaß. Der dänische DTM-Pilot und siebenfache Le-Mans-Sieger kann sich ein Lächeln nicht verkneifen, als er den Bentley Continental GT an die wartenden Mechaniker übergibt: "Auf einer Bodenwelle ist eine Champagnerflasche aus der Mittelkonsole geflogen. Ist aber kein Problem, ich hatte sowieso Durst." Als einer von fünf Supersportlern hat der Continental GT bei den vier Rennprofis Tom Kristensen, Prinz Leopold von Bayern, Walter Röhrl und Klaus Ludwig einen schweren Stand. Trotz 560 PS und Allradantriebs – die 2,4 Tonnen Leergewicht des Briten bleiben auf der Nordschleife nicht unbemerkt.

Mit wimmernden Reifen legt sich das noble Coupé in die Kurven der grünen Hölle. Schon nach einer Runde bitten die heißgefahrenen Bremsen um Gnade. Doch die Bentley Boys – vier Mechaniker und ein Renn-Ingenieur – sind perfekt vorbereitet. Jeder der Piloten kann auf einen neuen Satz Reifen sowie auf neue Bremsscheiben und -beläge zurückgreifen. Und das, obwohl das Team aus dem britischen Crewe schon vorher weiß, daß ihr Schützling mit der reinrassigen Supersport-Konkurrenz nicht mithalten kann. Bentley-Boy Keith zeigt dennoch britischen Sportsgeist: "Wir wollten unbedingt dabeisein. Jeder weiß, daß ein Bentley luxuriös ist. Hier wollen wir zeigen, wie schnell er sein kann."

Am Ende des Tages dann doch ein bißchen Ernüchterung. Mit einer Zeit von 8:40,30 Minuten markiert der Bentley den letzten Platz unter den fünf Konkurrenten. Was aber niemanden wirklich überrascht. Denn edle Ledersessel und polierte Walnuß sind eben doch eher was für den Boulevard als für die Rennstrecke. Rallye-As Walter Röhrl bringt es fließend bayrisch auf den Punkt: "Des IS richtig gemütlich mit dem Bentley, da kannscht links und rechts naus schauen, während du die Runden drehscht."

Technische Daten Bentley Continental GT: W12, vorn längs • zwei Turbolader • vier Ventile pro Zylinder • Hubraum 5998 cm³ • Leistung 412 kW (560 PS) bei 6100/ min • max. Drehmoment 650 Nm bei 1600–6000/min • Allradantrieb • Sechsstufenautomatik mit Tiptronic • Leergewicht 2385 kg • Scheibenbremsen geriffelt, gelocht • Reifen rundum 275/40 R19 • Länge/Breite/Höhe 4805/1920/1390 mm • 0–100 km/h in 4,8 s • Höchstgeschwindigkeit 318 km/h • Grundpreis: 166.000 Euro

BMW M6



Mehr als eine halbe Minute schneller als der Bentley ist der BMW M6. Nach genau 8:07,76 Minuten bleibt die Uhr für den stärksten Serien-BMW stehen. Und das, obwohl das unauffällige Coupé mit 507 PS genau 53 PS weniger Leistung besitzt als der Brite. Doch Kraft ist bekanntlich nicht alles, und mit einem Leergewicht von 1755 Kilo ist der Bayer nicht gerade leicht – wiegt aber eben doch gute zwölf Zentner weniger als der Bentley. Verantwortlich ist der großzügige Einsatz von Carbon. Dach, Kofferraumdeckel und Stoßfänger bestehen aus dem Formel-1-erprobten Material.

Auch der Rest des Coupés muß sich vor der Königsklasse des Motorsports nicht verstecken. Je nach Bedarf steigt die Leistung des hochdrehenden V10-Saugmotors von 400 PS auf 507 PS – natürlich absolviert keiner der Profi-Piloten eine Runde ohne entsprechenden Knopfdruck ... Soviel High-Tech – wozu auch das SMG-Siebenganggetriebe gehört – kommt bei den vier Rennprofis gut an, insbesondere weil der BMW mit einem Grundpreis von 108.500 Euro das günstigste Fahrzeug im Vergleich Vergleich ist. Prinz Leopold von Bayern bringt es auf den Punkt: "Die Kombination aus Preis, Leistung und Alltagstauglichkeit ist beim M6 nicht zu schlagen." Nur der Bentley und BMW bieten Platz für vier Personen.

Schade, daß BMW seinen Kunden den serienmäßigen 300-km/h-Rausch vorenthält. Nur wer 2350 Euro für das "M-Driver's-Package" inklusive Fahrerlehrgang bezahlt, kann bei seinem Vertragshändler das elektronische Limit aufheben lassen. Dann rennt er nicht viel langsamer als der Lamborghini Gallardo SE.

Technische Daten BMW M6: V10, vorn längs • vier Ventile pro Zylinder • Hubraum 4999 cm³ • Leistung 373 kW (507 PS) bei 7750/min • max. Drehmoment 520 Nm bei 6100/ min • Heckantrieb • Siebengang-SMG-Getriebe • Leergewicht 1755 kg • Scheibenbremsen belüftet, gelocht • Reifen vorn 255/40 ZR 19, hinten 285/35 ZR 19 • Länge/Breite/Höhe 4871/1855/1377 mm • 0–100 km/h in 4,4 s • Höchstgeschwindigkeit 250 km/h (elektronisch begrenzt) • Grundpreis: 108.500 Euro

Lamborghini Gallardo SE

Das Sondermodell des ersten unter Audi entwickelten Lamborghini schafft stolze 315 km/h. Genau wie der BMW wird der italienische Stier von einem hochdrehenden V10 befeuert, überträgt seine Leistung jedoch über alle vier Räder auf den Asphalt. Kein Wunder also, daß Allradliebhaber Walter Röhrl seine ersten Runden auf der Nordschleife mit dem gelben Keil aus Sant' Agata dreht. Und mit 288 km/h prompt die schnellste gemessene Geschwindigkeit des Tages erreicht.

Sichtlich angetan übergibt Röhrl nach drei Runden die Schlüssel an den nächsten Piloten. "Der Gallardo ist sehr schnell und handlich, ein perfekter Sportler. Nur die Schaltpausen des automatisierten Getriebes sind mir zu lang." Doch gerade dieses, per Schaltwippen hinter dem Lenkrad betätigte und 9280 Euro teure "E-Gear" läßt die Ohren aller Anwesenden wohltuend klingeln. Bei jedem Herunterschalten reagiert der 520 PS starke Motor mit Zwischengas und sorgt für eine atemberaubende Klangkulisse. Die fällt selbst den soundverwöhnten Rennprofis positiv auf.

Die legen mit dem nur 1560 Kilo schweren Renner eine schnelle Runde nach der anderen hin. Die Tagesbestzeit liegt bei beeindruckenden 7:56,65 Minuten. Kenner wissen: Wer auf der Nordschleife unter den magischen acht Minuten bleibt, ist richtig schnell. Immerhin mehr als 3000 Gallardo-Kunden könnten das ausprobieren: So oft wurde der kleine Lambo inzwischen bereits verkauft. Eine Stückzahl, die der Mercedes CLK DTM AMG nie erreichen wird.

Technische Daten Lamborghini Gallardo SE: V10-Mittelmotor, längs eingebaut • vier Ventile pro Zylinder • Hubraum 4961cm³ • Leistung 382 kW (520 PS) bei 8000/ min • max. Drehmoment 510 Nm bei 4500/min • Allradantrieb • Sechsgang-E-Gear • Leergewicht 1560 kg • Scheibenbremsen belüftet, gelocht • Reifen vorn 235/35 ZR 19 Y, hinten 295/30 ZR 19 Y • Räder vorn 8,5 J x19, hinten 11 J x19 • Länge/Breite/Höhe 4300/1900/1165 • 0–100 km/h in 4,2 s • Höchstgeschwindigkeit 315 km/h • Grundpreis: 173.420 Euro

Mercedes CLK DTM AMG

Mit einer Auflage von gerade einmal 100 Stück gehört die zivile Version des erfolgreichen DTM-Mercedes zu den seltensten Straßenautos dieser Welt. Und zu den schnellsten. Der kompressoraufgeladene und 5,5 Liter große V8 leistet satte 582 PS, das Drehmoment liegt mit 800 Nm fast schon auf Lastwagen-Niveau.

Leistungswerte, die man bereits beim Betrachten des silbernen Coupés erahnt. Breite Schweller, ein riesiger Heckflügel und ein Diffusor zeigen – genau wie die Recaro-Rennschalensitze inklusive Sechspunktgurte –was Sache ist. Mit tiefem, vom Jaulen des Kompressors unterlegten V8-Geballer jagt der Mercedes über die Nordschleife. Die 28,5 Zentimeter breiten Semi-Slicks haben trotz ESP alle Mühe, sich nicht vollständig in Rauch aufzulösen.

Schade nur, daß sich eben dieses Sicherheitssystem nicht vollständig abschalten läßt und einiges an Zeit kostet. Mit einer Rundenzeit von 7:56,50 ist der 1,7 Tonnen schwere AMG dann auch nur 15 Hundertstelsekunden schneller als der schwächere, jedoch um einiges leichtere Lamborghini.

Technische Daten Mercedes CLK DTM AMG: V8, vorn längs • Kompressor • drei Ventile pro Zylinder • Hubraum 5439 cm³ • Leistung 428 kW (582 PS) bei 6100/min • max. Drehmoment 800 Nm bei 3500/min • Hinterradantrieb • Fünfstufenautomatik • Leergewicht 1690 kg • Scheibenbremsen rundum belüftet, gelocht • Reifen vorn 255/35 ZR 19, hinten 285/30 ZR 20 • Länge/Breite/Höhe 4650/1840/1355 mm • 0–100 km/h in 4,1s • Höchstgeschwindigkeit 320 km/h • Grundpreis: 236.060 Euro

Porsche Carrera GT

Vielleicht hätten die Stuttgarter doch lieber mit ihrem deutsch-englischen Superstar an den Start gehen sollen, dem McLaren SLR. So wie Porsche. Die mögen keine halben Sachen und schickten den gewünschten Carrera GT, den derzeit schnellsten (330 km/h) und teuersten (452.690 Euro) Porsche, den man abseits einer Rennstrecke bewegen darf. So exklusiv, daß selbst bei Porsche nur 25 Werksangehörige die Lizenz besitzen, den Boliden zu bewegen.

Der Wagen ist so gekonnt in einen Mix aus Kohlefaser, Magnesium und Aluminium gehüllt, daß man die Augen kaum abwenden kann. Und das Anlassen des V10 sorgt erst recht für Gänsehaut. Der 612 PS starke Kraftprotz bellt beim Anlassen aggressiv auf und fällt danach in einen heiseren Gesang, der deutlich macht, wieviel Potential in dem Supersportler steckt.

Auf der Nordschleife läßt der Carrera GT seine Muskeln spielen: Mit einer Rundenzeit von 7:39,49 Minuten zeigt er eindeutig, wer Herr in diesem Hause ist – und bringt ein paar Piloten ans Limit. Klaus Ludwig steigt nach seinem Drei-Runden-Turn sichtlich abgekämpft aus dem Porsche: "Das hier ist das erste Straßenauto, daß mir auf der Nordschleife Angst gemacht hat. Zweimal ist der mir fast weggegangen! Das ist der Wahnsinn."

Walter Röhrl, der den Carrera GT kennt wie kein anderer, hat auf der Strecke logischerweise weniger Probleme mit dem von ihm abgestimmten Renner, wird dafür aber von einem schlechten Gewissen geplagt. "Ich hab' meiner Frau heute morgen noch versprochen, nicht wieder so schnell zu fahren. Wenn die das mitkriegt, wie ich hier wieder langgeknallt bin, bekomme ich heute Abend wahrscheinlich ein echtes Problem." Tom Kristensen dagegen hat am Ende des Tages immer noch gut lachen. Obwohl der Däne die Supersportler gegen einen gemieteten Golf getauscht hat, um ins Hotel zu fahren, weicht das Grinsen nicht aus seinem Gesicht ...

Technische Daten Porsche Carrera GT: V10-Mittelmotor, längs eingebaut • vier Ventile pro Zylinder • Hubraum 5733 cm³ • Leistung 450 kW (612 PS) bei 8000/ min • max. Drehmoment 590 Nm bei 5750/min • Hinterradantrieb • Sechsgang manuell • Leergewicht 1495 kg • Scheibenbremsen belüftet, gelocht • Reifen vorn 265/35 ZR19, hinten 335/30 ZR 20 • Länge/Breite/Höhe 4613/1921/1166 mm • Radstand 2730 mm • 0–100 km/h in 3,8 s • Höchstgeschwindigkeit 330 km/h • Grundpreis: 452.400 Euro

Autor: Lars Zühlke

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