Superformance S1

Superformance S1 Superformance S1

Superformance S1

— 30.04.2002

Die Lotusblüte

Den Anbietern von Repliken weht ein harter Wind ins Gesicht. Superformance aus Port Elizabeth zeigt, wie hoch die Messlatte liegt. Wir fuhren den Super Seven-Nachfolger S1.

Wenn man erst die Stimmen hört, ist es schon fast zu spät. Unentwegt und ganz, ganz leise säuseln sie einem ins Ohr: "Beschleunigung, Leistungsgewicht, Driften..." Wenn sich diese Art von automobilem Tinnitus anbahnt, dann muss man sich sputen, schnelle Hilfe ist von Nöten. Doch wer jetzt nicht aufpasst, den bestraft der Griff zum falschen Kit-Car mit voller Härte. Nicht richtig schlau gemacht und für Jahre parkt überteuerter und mies verarbeiteter Müll ohne jegliche Kilometerleistung in der heimischen Garage. Wer sich also frei von Nebenwirkungen für einen Seven-Nachbau entscheiden will, sollte bei seiner Suche den Superformance S1 mit in die engere Wahl nehmen - das Leistungsgewicht 4 kg/PS lässt einiges erwarten. Schon beim Lesen dieses bei Sportwagen einzig relevanten Parameters macht sich der Placebo-Effekt bemerkbar: die Stimmen werden leiser.

Nachwuchs für den Super Seven

Ein blitzblanker Motorraum, wohlsortiert und liebevoll gestaltet - das Tüpfelchen auf dem S1.

Die Grundidee des S1 stammt aus England. Colin Chapman zeichnete in den Sechzigern den Vater aller Seven-Derivate, den Lotus Super Seven. Chapman hörte zwar keine Stimmen, nahm aber des Volkes Unmut wahr. Dieser war aufgrund der hohen Besteuerung von Neufahrzeugen aufgekommen, ein Serienfahrzeug war fast unerschwinglich. Doch die Briten wussten sich zu helfen. So bauten sie fahrbare Untersätze einfach selbst zusammen, da die Bausätze nicht steuerlich belastet waren. Die Kit-Cars bahnten sich ihren Weg erfolgreich auf der Insel, später dann bei uns auf dem Festland. Eines ging den Seven-Nachbauten der ersten Stunde allerdings ab: Leistung. Die hat der S1 jedoch im Überfluss: 160 PS.

Knapp 650 Kilo Kampfgewicht

Aus zwei Litern Hubraum 160 PS - das mag sich noch verträglich anhören, zusammen mit der Fahrzeugmasse von nur 650 Kilogramm ergeben sich aber dramatische Fahreindrücke. Da ist auch Fliegen nicht schöner, wenn das Gewicht von acht Hufeisen auf je eine Pferdestärke trifft. Der Grund für die äußerst erfolgreiche automobile Diät liegt in den verbauten Komponenten begründet: ein mit Aluminium und einem Mix aus Kohlefaser, GfK und Kevlar beplankter Stahlrahmen, rundum Einzelradaufhängung, dazu einstellbare Feder- und Dämpfereinheiten für die Motorradjagd – eine Wirkstoffgruppe vom Feinsten. Negative Wechselwirkungen zwischen Fahrer und dem perfekt verarbeiteten Roadster gibt es somit nicht. Alles passt wie angegossen. Bereits beim Einsteigen fallen die nicht verstellbaren Sitze auf. Wie in einem Formel-Rennwagen wird der richtige Abstand zur Pedalerie über diese vorgenommen – sie ist in der Länge verstellbar.

Klassische Rundinstrumente für die wichtigsten Motordaten und ein knackiges Lenkrad.

Mit den Vierpunktgurten verzurrt man sich zu einer Einheit mit der Flunder, alle Bewegungen des Autos werden direkt an den Popometer weitergeleitet. Nach links und rechts gibt es kein Entkommen, die Seitenwand und der verkleidete Mitteltunnel fungieren konzeptionell bedingt als willkommener Rutsch-Stopp. Doch es bedarf keiner Jockey-Maße, um den Innenraum zu entern. Selbst Personen bis zu 125 Kilogramm Körpergewicht finden locker Platz. Doch der S1 ist zum Fahren und nicht zum Sitzen gebaut worden - also los! Der erste Gang des eng gestuften Fünfgang-Getriebes wird nicht mit einem Schalthebel eingelegt. So klein wie er ist, ist es eher ein Knopf. Kupplung kommen lassen und ab auf die Landstraße. Die direkte Lenkung mit nur drei Umdrehungen von Anschlag zu Anschlag hilft beim Ausloten des Grenzbereiches. Die frei stehenden Räder vorn ermöglichen ein punktgenaues Anpeilen der Scheitelpunkte.

Sauber und schnell - S1

Jetzt tritt die medikamentöse Wirkung des Sportwagens in ihrer Ganzheit ein, die Stimmen sind verstummt. Doch was sollten sie auch noch erzählen? Der Zetec-Motor von Ford mit zwei Litern Hubraum schafft den Spurt von null auf hundert in 5,3 Sekunden - Vollbremsen dauert halb so lange.

Doch so sehr die reinen Fahrwerte für Verzückung sorgen - wer nur einen Milliliter Benzin im Blut hat, bekommt beim Anblick des Motorraums feuchte Augen. Der Trockensumpfbehälter blitzt von der Spritzwand herüber, die Leitungen sind perfekt verlegt, alles wirkt aufgeräumt. Vielleicht ist es der Respekt der mehr als 800 Angestellten von Superformance vor ihrem eigenen Produkt, die den S1 so makellos erscheinen lassen: In der Montagehalle dürfen weder Armbanduhren noch Handys benutzt werden!

Den größten Clou bewahrt sich der S1 jedoch für die Schlechtwetterfront auf. Das Verdeck kann nach vorheriger Montage des Dachsteges im Sitzen geschlossen werden - und das angeschnallt. Die Summe der positiven Eigenschaften zeigt sich so erst auf den zweiten Blick.

Technische Daten und Ausstattung

Für die Interessenten gilt: Je mehr man sich informiert, umso mehr drängt sich der S1 als Alternative im Heer der Nachbauten auf. Und mal Hand aufs Herz: Ein nutzbarer Kofferraum und ein Verdeck, die diese Bezeichnung auch verdienen, sind Attribute, die den Sinn des Lotus nicht verwässern. Im Gegenteil: sie werten das gesamte Konzept auf. Da können die Stimmen erzählen, was sie wollen.

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