Supertest VW Golf, 1. Folge: Der Kauf

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Supertest VW Golf, 1. Folge: Der Kauf

— 19.08.2004

Golf, wie gut bist du wirklich?

Bisher gewann der Golf V bei uns jeden Vergleich. Nun muss er sich dem großen Langzeit-Supertest über 100.000 Kilometer stellen.

Im Schnitt zahlen Golf-Käufer 21.000 Euro

Deutschland im Herbst 2003: der automobile Ausnahmezustand. Grund: Der Golf V erscheint. Das wichtigste Auto der Nation, der Bestseller, der Maßstab. Daher fällt in unserer Redaktion spontan die Entscheidung: Wir wollen unter den ersten Käufern sein. Um so schnell wie möglich buchstäblich zu "erfahren": Was ist dran an Deutschlands Nr. 1, was macht die Klasse wirklich aus?

Also ab zum Händler, ganz normal wie Hermann Müller. Und genauso wie jedes normale Kundenauto soll unser Golf Kilometer fressen – bei Hitze, bei Frost, bei Regen oder Schnee. In Madrid und Malmö, in Rom und Recklinghausen. Das volle Programm. Doch welchen nehmen? Zur Auswahl stehen immerhin sieben Motoren. Für uns ist klar: Wir wollen den meistverkauften Benziner. Und der heißt: 1,4-Liter, 75 PS. Jeder fünfte Kunde verlangt nach diesem Motor. Weitere Merkmale: zwei Türen, Modell Trendline. Listenpreis: 15.220 Euro.

Solch ein Einfach-Golf müsste eigentlich an jeder Ecke zu bekommen sein, dachten wir. Von wegen! Durchschnittlich schiebt der Golf-V-Kunde 21.000 Euro über den Verkaufstresen. Theoretisch, denn die meisten werden nicht bar bezahlt, sondern finanziert. Wir wollen uns indes nicht aufs Konto gucken lassen, stecken Geld in die Tasche und klappern im November 2003 diverse Händler ab.

Aufpreis zahlen für weniger Stauraum?

Erster Versuch bei Volkswagen Grimm in Hamburg: Freundlich erklärt der Verkäufer die Vorzüge des Golf V. Beim Wunsch nach einem Reserverad statt Tirefit wird er unsicher. "Dann kriegen Sie eine andere Bodenabdeckung im Kofferraum", erklärt er. Was er nicht sagt: Das Rad kostet 55 Euro extra. Außerdem verlieren wir 75 Liter Stauvolumen. Nun denn: Wer gibt schon gern Schwächen zu? Unser Berater konzentriert sich lieber auf die Stärken. So spare die elektromechanische Lenkung Sprit. Und die Schaltung sei so überragend, dass eine Automatik überflüssig sei. Aha!

Alles andere als überflüssig seien jedoch Klimaanlage und Radio. "Das müssen Sie nehmen, sonst ist er in ein paar Jahren unverkäuflich." Wir geben ihm Recht. Letzte Frage: Wann können wir unser Wunschauto übernehmen? Der Volkswagen-Profi schaut in seinen Computer. "Lieferfrist 14 Wochen, wir haben aber Autos hier, die Sie sofort mitnehmen können." Farbe Schwarz oder Silber mit Klima zum Stückpreis von 18.935 Euro. "Zu teuer", wenden wir ein, und der Mann im Nadelstreifen lässt sich erweichen. "Bei Barzahlung 17.900. Plus Freikarte für die Autostadt".

Zweiter Versuch: Lüneburg. Auch hier könnten wir einen viertürigen Golf V in Schwarz mit Klima sofort mitnehmen. Dieses Modell, das uns bereits in Hamburg angeboten wurde, gehört zur Sonderserie "First Edition". Bei Barzahlung macht uns der Verkäufer einen Preis von 18.000 Euro – 100 mehr als in Hamburg.

Cooles Extra sorgt für schlechtes Klima

Dritter Versuch: Stade. Dort steht beim Autohaus Spreckelsen der "Fast"-Wunschkandidat. In Metallic und noch keinem versprochen. "Den können Sie gleich mitnehmen", scherzt der freundliche Meister und agiert trotz auswärtigem Kunden in jeder Hinsicht professionell: Übergabedurchsicht, Anmeldung, Überführung erwünscht? Alles kein Problem. Sogar reichlich Rabatt ist noch drin: sieben Prozent. Nicht übel für ein gerade angelaufenes Modell, auf das die halbe Welt gewartet hat.

Ein bisschen Luxus ist dann doch an Bord. Auf Metallic (425 Euro) hätten wir gern verzichtet, doch die Klimaanlage ist ein absolutes Muss – eins, für das VW zu diesem Zeitpunkt cool 1225 Euro berechnet. 1225 Euro! Es gibt Leute, die kaufen dafür einen Gebrauchtwagen.

Und dann das: Ausgerechnet dieses Extra, mittlerweile sogar bei koreanischen Konkurrenten Serienstandard, sorgt nur wenige Wochen später für schlechtes Klima. In Panik geraten wegen des schleppenden Verkaufsstarts, spendiert die Wolfsburger Zentrale im Februar 2004 quasi über Nacht allen Golf-Kunden den Temperaturregler gratis. Erklärt wird die Abverkaufshilfe als "Jubiläumsgeschenk zum 30. Golf-Geburtstag", befristet bis September 2004. Angeschmiert sind Zigtausende Golf-Käufer der ersten Stunde. Mithin: die treuesten Kunden. Wundert es da Volkswagen, dass sich deren Gemüter am Wolfsburger Klima-Streich erhitzen?

Auf dem Prüfstand zeigen sich erste Mängel

Coolen wir runter und steigen ein: Unser Golf hat vier Türen (Aufpreis 995 Euro) und das Radiosystem RCD 300 inklusive CD-Spieler (520 Euro). Er kostet inklusive Überführung, Brief, Schilder und Zulassung 18.950 Euro. Abzüglich Rabatt von 1350 Euro macht das 17.600 Euro. Nächste Station: unser Prüfstand. Hier muss sich der Neuling einer umfangreichen Inspektion unterziehen, inklusive eines Blicks in die Hohlräume mit dem Endoskop. Unsere Neugier ist groß: Wie ist die Verarbeitung, wie sind die Materialien? Denn für den Premiumpreis verlangen wir auch Premiumqualität und damit Perfektion im Detail. An jener lassen es die Wolfsburger bisweilen mangeln.

Zwar erfüllt der Golf im Großen und Ganzen die Qualitätsansprüche, einige Macken zeigten sich jedoch am Blechkleid (Türen und Kotflügeln, siehe auch in der Galerie). Wir finden: mehr als Schönheitsfehler. Bleibt abzuwarten, welche Überraschungen noch auf uns zukommen. Denn der eigentliche Test fängt ja jetzt erst an ...

Die Motorenpalette des Golf im Überblick

Beim VW Golf stehen acht Motorisierungen zur Auswahl: fünf Benziner, drei Diesel. Nach dem 1,9-Liter-Diesel (105 PS) ist der 1,4-Liter-Benziner mit 75 PS der am meisten verlangte Motor.

Serienausstattung und Extras

Bis September 2004 ist beim VW Golf die Klimaanlage serienmäßig an Bord. Eine Klimaautomatik kostet 1525 Euro Aufpreis, bzw. den Differenzpreis zur Serien-Klimaanlage.

Hier ist Ihre Meinung gefragt

Ob ein Auto ankommt, wissen nur die Verbraucher selbst – also Sie. Deshalb ist Ihre Meinung wichtig. Vergeben Sie Noten für den VW Golf und lesen Sie den Zwischenstand direkt nach Ihrer Bewertung.

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