Supertest VW Golf, 2. Folge

Supertest VW Golf, 2. Folge: Europa-Tour und 1. Inspektion Supertest VW Golf, 2. Folge: Europa-Tour und 1. Inspektion

Supertest VW Golf, 2. Folge: Europa-Tour

— 21.09.2004

Kommt der Golf überall an?

Zweite Folge im Supertest. Nach dem Kauf wird es ernst: Wie bewährt sich der Golf im Alltag? AUTO BILD schickte ihn auf große Fahrt durch Europa und zur ersten Inspektion.

London: Opel Astra schlägt den VW Golf

Oft sind es die kleinen Dinge im Leben, die den größten Spaß machen. Beim ersten Teil unseres Supertests war es ein einzelner Buchstabe. Dutzende AUTO BILD-Leser meldeten: Man könne anhand der Fahrgestellnummer ermitteln, in welchem VW-Werk unser Golf zur Welt kam – Wolfsburg, Mosel, Brüssel oder Bratislava. Die meisten Leser lagen mit ihrem Tip richtig. Unser Supertest-Kandidat ist tatsächlich Belgier.

Der Golf hat also europäische Gene – aber kommt er auch international an? Wie schlägt sich die deutsche Nummer eins im Vergleich zum jeweiligen Marktführer in England, Frankreich, Italien, Tschechien und Polen? Um das herauszufinden, schickten wir Testfahrer Patrick Pannen und Fotograf Wolfgang Meier auf Hausbesuch zu unseren Schwesterblättern.

Erste Station: London. Kollege Owen Mildenhall von AUTO EXPRESS lobt Lenkung, Fahrwerk und Sitze des Golf. "Aber innen war der Vorgänger besser", meint der Brite. Im Vergleichstest mit dem Astra gab AUTO EXPRESS beiden dieselbe Punktzahl. Am Ende gewann der Opel, weil er 2000 Pfund günstiger ist.

Paris, Mailand, Prag – Golf hat's schwer

Weiterfahrt nach Paris. Laurent Chiapello, Chefredakteur von AUTO PLUS, hat einen Renault Mégane mitgebracht. Zum Golf fällt ihm spontan nicht viel Positives ein. Nur daß es die Klimaanlage jetzt wie in Deutschland gratis gibt. "Unser Mégane ist preiswerter und nicht so bieder wie euer Golf", meint der Franzose.

Das hat gesessen! Mit angeknackstem Nationalstolz geht's Richtung Italien. Und die Kollegen freuen sich, eben nicht im Mégane zu reisen. "Bei Lenkung, Schaltung und Komfort kommt Renault nicht mit", so urteilt Tester Pannen. Das findet auch Alessandro Ferrari, den unsere Crew in Mailand trifft. "Doch was nützt mir das", fragt der Chefredakteur von AUTO OGGI, "wenn der VW 2000 Euro teurer ist als ein Fiat Stilo? Italiener stehen auf Design und Innovation – Autos wie den Renault Scénic."

Weiterfahrt nach Prag. zu einem Treffen unter nahen Verwandten. "Ich würde den Skoda Octavia vorziehen", sagt Vitezslav Kodym, Chefredakteur von AUTO TIP. "Er ist größer, günstiger und ein tschechisches Auto. Was also spricht da noch für den Golf?"

Die Polen mögen den Toyota Corolla lieber

Vielleicht seine Klassenlosigkeit? Sein Wiederverkaufswert? Seine inneren Werte? Wer könnte das besser beurteilen als unsere polnischen Nachbarn, die deutsche Wertarbeit ja so schätzen ...

Andererseits: "Wer von Qualität redet, kommt an Toyota nicht vorbei", sagt Stanislaw Sewastianowicz, Chefredakteur bei AUTO SWIAT. "In der Pannenstatistik ist der Corolla einsame Spitze, die Wartungs- und Reparaturkosten sind niedriger als beim Golf, die Garantieleistungen besser."

Nach sechs Tagen und 5000 Kilometern sind wir um einige Erkenntnisse reicher. Etwa daß der Golf auch mit Basismotor und 75 PS langstreckentauglich ist. Aber auch, daß er die Herzen der Europäer nicht gerade im Sturm erobert. Trotzdem verkauft er sich erstaunlich gut: Mehr als 230.000 Golf hat Volkswagen im ersten Halbjahr 2004 in Westeuropa abgesetzt – damit ist Deutschlands Nummer eins auch in Europa wieder die Nummer eins.

1. Inspektion in Hamburg: eine Odyssee

Zurück in Hamburg, wird es bei Kilometerstand 28.000 Zeit für die erste Inspektion. Kurzfristig einen Termin zu bekommen ist nicht einfach. Wir rufen diverse Werkstätten an. Die Wahl fällt schließlich auf die Firma Raffay, einen Hamburger Traditionsbetrieb mit 100jähriger Geschichte.

Dort angekommen, wundern sich die Mitarbeiter, daß schon ein neuer Golf zur Inspektion erscheint. Unsere Frage nach den voraussichtlichen Kosten kann niemand beantworten, denn der Computer kennt den Golf V noch nicht. Dafür bieten die freundlichen Raffay-Mitarbeiter einen Mobilitätsservice an: Wahlweise können wir während der Durchsicht auf ein Leihfahrrad umsteigen oder uns einen Taxigutschein holen.

Bei der Annahme des Wagens wirkt Servicemeister Michael Müller* sehr bemüht. Wir erklären, was bislang kaputtging: Auf der Fahrerseite hat sich das Sitzpolster vom Gestell gelöst, bei der Hutablagenhalterung ist eine Plastiknase gebrochen, und an der Fahrertür steht das Blech deutlich ab. Grund: Eine von innen befestigte Schraube hat sich losgerüttelt, möglicherweise auf den 1000 Kilometern Landstraße in Polen. Alles kein Problem, meint Meister Müller. Die Mängel werden selbstverständlich auf Garantie behoben.

*Name von der Red. geändert

Die Motorwarnleuchte brennt permanent

Wir fühlen uns bestens aufgehoben – bis wir den Golf abholen wollen: Der Pollenfilter, ein Standardverschleißteil, muß erst bestellt werden. Auch die Hutablagenhalterung und die Schraube für die Tür sind nicht auf Lager. Wir müssen einen neuen Termin vereinbaren. Auf der Heimfahrt löst sich nach wenigen Kilometern erneut das gerade reparierte Sitzpolster vom Gestell. Doch damit nicht genug: Ein paar Tage später signalisiert die Motor-Warnleuchte: "Fehler im Abgassystem." Der neue Termin wird's richten, verspricht man am Telefon. Allerdings habe Meister Müller Raffay verlassen. Ansprechpartner sei nun ein Herr Schröder*.

Also auf zum zweiten Versuch. Der Meister will anrufen, sobald der Job erledigt ist. Wir warten vergebens. Um 16.30 Uhr melden wir uns. Ja, das Auto sei fertig, heißt es. Seit wann, kann keiner sagen. "Dann soll sich der Meister morgen mal melden", bitten wir die Dame am Empfang. Dies sei nicht möglich, erwidert sie. Auch Meister Schröder sei nicht mehr bei Raffay beschäftigt. Immerhin: Hutablage, Tür und Pollenfilter sind nun in Ordnung. Aber das Sitzpolster löst sich sofort wieder, und die Motorwarnleuchte brennt jetzt permanent.

Wir rufen an, verlangen einen neuen Termin. Dies sei nicht so einfach, heißt es. Damit sich die Experten den kaputten Sitz genauer anschauen können, sollen wir vorher noch einmal vorbeikommen. Man wolle schließlich keine Ferndiagnose stellen. Wir fahren ein drittes Mal vor, damit man uns einen vierten Termin gewährt. So langsam werden wir sauer ...

*Name von der Red. geändert

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