Supertest VW Golf, 3. Folge

Supertest VW Golf 1.4, 3. Folge Supertest VW Golf 1.4, 3. Folge

Supertest VW Golf, 3. Folge

— 13.12.2004

Wann geht VW ein Licht auf?

Zwischenbilanz im Supertest: Wie eine Warnleuchte die Werkstätten narrt. Dazu: Reifen-, Heizungs- und Abgastest.

Eine Lampe kann "alles mögliche bedeuten"

Zuerst die gute Nachricht: Auch nach 82.000 Kilometern wirkt unser Supertest-Golf so frisch wie am ersten Tag. Nichts klappert oder knirscht. Lenkung, Schaltung, Fahrwerk, Sitze könnten kaum besser sein. Und nun die schlechte: Der erschreckend hilflose Volkswagen-Service treibt das eigentlich zuverlässige Auto immer wieder unnötig in die Werkstatt – und unseren Testern Tränen in die Augen.

Rückblende. Bereits die erste Inspektion bei Kilometerstand 28.000 entwickelte sich zur Geduldsprobe. Weil Standardteile wie der Pollenfilter nicht auf Lager waren und die Mechniker eine lose Sitzverkleidung nicht in den Griff bekamen, mußten wir insgesamt viermal in der Werkstatt vorfahren. Eine Zumutung! Dabei fühlte man sich anfangs bestens umsorgt, denn bei dem Hamburger VW-Raffay-Betrieb waren alle überaus nett und um den Kunden bemüht. "Stets bemüht" – in der Arbeitswelt heißt das: viel versucht, nichts erreicht. Ein Urteil, das den VW-Werkstattprofis nicht schmecken dürfte.

Das Verhängnis nimmt seinen Lauf, als nach etwa 30.000 Kilometern die gelbe Warnlampe mit dem Motorsymbol aufleuchtet. Laut Betriebsanleitung eine "Störung im Abgassystem". Ein Kundendienstler meint hingegen am Telefon, die Leuchte könne "alles Mögliche bedeuten", sei aber "nicht gefährlich". Der Wagen muß also in die Werkstatt. Und siehe da: Nach dem Termin ist die Warnlampe aus. Wo das Problem lag, kann uns niemand sagen, als wir den Wagen an einem Freitag nachmittag abholen. Es ist kein Meister mehr im Haus.

Der Golf wird zum Werkstatt-Dauergast

Ein paar Tage später brennt die gelbe Leuchte erneut. Wieder fahren wir zu Raffay. Dort wird der Fehlerspeicher ausgelesen. Diagnose: irgend etwas mit der Tankentlüftung. Eine Sofortreparatur sei allerdings nicht möglich. Statt dessen bekommen wir einen neuen Termin, um das Problem beheben zu lassen. Danach, so sagt man, werde alles gut. So ist es dann auch – allerdings nur für einige Tage. Dann leuchtet die Warnlampe zum dritten Mal.

Wir fahren abermals in die Werkstatt, wo man wieder das Diagnosegerät ans Auto stöpselt, wieder den Fehlerspeicher ausliest und wieder zum Ergebnis kommt: Fehler in der Tankentlüftung. Wer hätte das gedacht ... Nun wird es auch den Mechanikern zu bunt. Man müsse sich Zeit nehmen für die Reparatur, meint der Meister. So etwa zwei Tage. Ob man für diese Zeit einen kostenlosen Ersatzwagen anbieten kann, müsse man allerdings erst mit Wolfsburg absprechen. Entnervt fahren wir vom Hof. Einige Tage später ruft Raffay an: Der Ersatzwagen werde gestellt, man könne einen neuen Termin machen. Gern doch! Denn inzwischen will der CD-Player die Silberlinge nicht mehr ausspucken.

Als wir den Golf abholen, erklärt der Meister, es wären Teile der Tankentlüftung getauscht worden, die Lampe würde nun nicht mehr brennen. Eine neue Audioanlage sei auch schon bestellt. Um die einzubauen, brauche man – na klar – einen neuen Termin. Termin? Kein Problem. Man gehört ja fast zur Familie. Wir halten inne, atmen tief durch und inhalieren die Botschaft von der VW-Homepage: Ihr Volkswagen ist ein Stück Zuhause – und mit dem VW Service steht Ihnen ein kompetenter Partner zur Seite. Als hätten wir es geahnt: Es wird familiär beim nächsten Termin.

Kühlerlüfter muß ersetzt werden

Nur eine Stunde dauert der Radiotausch. Wir können warten, bekommen Kaffee, Brötchen, Apfelsaft und eine BILD-Zeitung. Die Warnlampe gibt jetzt Ruhe. Dafür steht die zweite Inspektion an. Wieder ist – wie beim ersten Wartungstermin – kein Pollenfilter vorrätig. Wir zahlen das Teil im voraus. Man werde in den nächten Tagen anrufen, verspricht Raffay. Dann könnten wir vorbeikommen, und der Filter werde in zirka zehn Minuten gewechselt.

Vier Wochen später ist noch immer kein Anruf eingegangen. Wir beschweren uns. Inzwischen ist der Filter auf Lager. Wie lange schon, will man lieber nicht sagen. In Freiburg, bei Kilometerstand 65.769, kehrt das Grauen zurück: Die gelbe Warnlampe leuchtet! Wir lassen den Golf ans Diagnosegerät anschließen. Ergebnis: Diesmal könnte der Kühlerlüfter schuld sein. In den nächsten Wochen ist unser Golf Stammgast in der Werkstatt. Drei Hamburger VW-Betriebe – Raffay, Junge und Tiedtke – laborieren an dem Auto herum. Die Mechaniker schließen Diagnosegeräte an, löschen Fehlerspeicher und spekulieren, was nun zu tun sei. Die gelbe Warnleuchte indes will nicht erlöschen.

Bei Tiedtke möchte man das Auto für drei Tage einkassieren. Wir lehnen ab. Nach zwei Monaten haben wir die Faxen dicke. Bei Kilometerstand 79.095 fahren wir ins Werk nach Wolfsburg. Dort braucht man keine 15 Minuten, um den Fehler zu finden: Der Kühlerlüfter samt Steuereinheit muß ersetzt werden. Eine Prozedur, die maximal zwei Stunden dauert. Das Problem ist VW bekannt und im "Handbuch Service Technik" online dokumentiert – mit detaillierter Arbeitsanweisung. Die Werkstätten hätten nur mal nachschauen müssen.

Heizung und Abgasverhalten des Golf V

Im Hamburger Labor der Deutschen Shell AG mischen sich die Techniker das Klima, wie sie es gerade brauchen. Zur Heizungsprüfung kühlen sie das Labor mit dem dynamischen Rollenprüfstand auf eisige 15 Grad unter Null herunter. Nach einer durchfrorenen Nacht muß unser Golf am nächsten Morgen zeigen, ob er ein heißer Typ ist oder nur ein lauwarmer Bruder – so wie sein Vorgänger, der sogar noch schlechter heizte als einige Konkurrenten mit Dieselmotor.

Ergebnis nach dem 15minütigen Testlauf diesmal: Auch der Golf V wird uns nicht als Heißblut in Erinnerung bleiben. Vorn sind es bei Testende nur knapp 19 Grad. Da läßt man die Jacke gern noch an. Für den Fond empfehlen sich Mantel, Hut und Handschuhe. Hier ertasten die Meßfühler gerade mal 13 Grad. Immerhin: Das bißchen Wärme verteilt der Golf gleichmäßig nach oben und unten in der Kabine. Hinten messen wir sowohl im Kopf- als auch im Fußraum 13 Grad.

24 Stunden später der nächste Test. Bei plus 20 Grad Kammertemperatur soll das Abgasverhalten nach 80.000 Kilometern Dauertest überprüft werden. Um Meßfehler auszuschließen, fahren wir zwei Testzyklen. Diesmal kann der Wolfsburger punkten, schafft die Einhaltung der Euro-4-Grenzwerte in allen drei Testdisziplinen (Kohlenwasserstoff/Kohlenmonoxid/ Stickstoff) locker. Wermutstropfen: Die Werksangaben zum Verbrauch und zum CO2-Ausstoß nach EU-Mix übertrifft der Testkandidat um 0,8 Liter/100 km bzw. 13 Gramm/km. Fazit: Sauber ist der Golf. Aber auch ganz schön kühl.

Der beste Reifen für den Golf

Michelin, Goodyear, Continental oder Bridgestone – geht es um die Basisdimension 195/65 R 15, rollt jeder Golf auf einem dieser Reifen vom Band. Spezielle Erstausrüstungsreifen, die neben den üblichen Anforderungen auf nasser und trockener Straße zudem auch auf niedrigen Flottenverbrauch und leises Vorbeifahrgeräusch getrimmt wurden. Doch wie gut sind diese Original-Bereifungen, und wo liegen die Unterschiede?

Wir haben drei original Golf-Reifen (der Bridgestone B390 wurde zum Zeitpunkt des Tests überarbeitet) mit dem Pirelli P6 aus dem Ersatzgeschäft verglichen. Der P6 überzeugte bei einem der letzten Reifentests immerhin mit der Note "vorbildlich". Zusätzlich bestellten wir im Internet einen Billigreifen, der volle Leistung für das halbe Geld verspricht – den Trayal T300. In sechs besonders sicherheitsrelevanten Tests auf trockener wie nasser Fahrbahn sowie einer Komfortprüfung mußten die Testkandidaten gegeneinander antreten. Und nur zweimal kam der Golf ohne Ausrutscher ins Ziel.

Detaillierte Testeindrücke gibt es in unserer Fotogalerie.

Den kompletten Artikel samt Ergebnistabelle und Kaufempfehlung erhalten Sie zum Preis von 1,00 Euro über unser Heftarchiv. Klicken Sie auf diesen Link, und Sie gelangen zum Download-Bereich.

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.