SUVs mit Diesel im Vergleich
— 10.10.2011Wer ist hier der Chef im Ring?
Im dritten Anlauf will der Mercedes ML endlich an die Spitze. Aber nie war das schwerer als heute. Die Entscheidung fällt im Vergleich mit BMW X5 und VW Touareg – ein SUV-Vergleich mit starken Dieseln.
Überblick: Alle News und Test zur Mercedes M-Klasse
Schon die Papierform macht klar: Der neue Benz übertrifft seine Widersacher in der Leistung (258 PS statt 245), vor allem aber im Preis. Nackt kostet der 350er bereits knapp 59.000 Euro, 6500 mehr als der (keineswegs lumpige) Touareg. Mit den wichtigsten Extras des Testautos (Luftfederung, Wankstabilisierung, 19-Zoll-Räder) kommen 65.396 Euro zusammen. Dafür erhält der Kunde freilich einen Wagen, der optisch hohen Respekt gebietet. Da sichert das größere Maul die Position im oberen Bereich der Machoskala. Auch innen leuchtet ein, warum ein ML so viel Geld kostet: Es sieht richtig nobel aus. Die Stilisten haben sich diesmal Mühe gegeben, was angesichts der Innenräume bei BMW und VW ja auch geboten war. Der Trend geht in diesem SUV-Segment sichtlich in Richtung Luxusklasse, alle möchten inzwischen Range Rover spielen.Überblick: Alle News und Tests zu Mercedes
Sachlich gesehen überzeugt im ML besonders das Platzangebot. Vier Personen sitzen sehr entspannt in luftiger Höhe auf bequemen Polstern. Diese Raumfülle unterscheidet die großen SUV auch deutlich von ihren Geschwistern eine Klasse tiefer, die diesbezüglich oft enttäuschen. Wobei es im X5 und im Touareg aber nicht weniger kommod zugeht als im ML. Sein Trumpf ist die Größe des Laderaums: Wenn anspruchsvolle Transportaufgaben anstehen, dann sollte es der Mercedes sein. Das passt auch bestens zum Charakter, denn seine Kür ist das Reisen, und zwar das entspannte. Das V6-Triebwerk stemmt das schwere Gefährt (leer 2,3 Tonnen, voll beladen 2,95) ohne große Mühe und akustisch dezent auf bis zu 224 km/h. Wind- und Reifengeräusche bleiben dezent im Hintergrund, und die Luftfederung bügelt die Unebenheiten der Autobahnen und Fernstraßen sauber weg. Sehr angenehm, dieser Komfort.Gleichwohl zeigen sich auf schlechten Fahrbahnen die Grenzen des Fortschritts: Nun kommt der Mercedes plötzlich nicht mehr zur Ruhe, verteilt auch mal heftige Stöße. Ein Trost: Die neue, leider extrem teure (3689 Euro) Wankstabilisierung lindert das Übel (sie hält die Karosserie im Lot) und nützt obendrein dem Handling. Wechselkurven nimmt der neue ML viel leichtfüßiger und kursstabiler als der Vorgänger. Nur das grob zupackende ESP stört bisweilen. Für die Freude am Fahren – gemeint ist die forcierte Gangart – bleibt indessen immer noch BMW zuständig.
Überblick: Alle News und Tests zum BMW X5
Das beweist der X5 nachdrücklich. Sein Reihensechszylinder knurrt, röhrt und legt dabei los wie ein von der Leine gelassener Rottweiler. Und in Kurven scheint er eine Tonne leichter zu sein als seine Konkurrenten, so agil wetzt er hindurch. Leicht gängige, präzise Lenkung, subtile Elektronik, die beste Automatik im Vergleich, da stimmt alles. Im Gegensatz zu Mercedes und VW begnügt sich der BMW mit Stahlfedern (die hinteren Luftbälge dienen der Niveauregulierung), unser Testwagen verfügt aber zusätzlich über "adaptive Drive" (adaptive Stoßdämpfer, Wankausgleich). Dergestalt verkündet der X5 seine Botschaft dann laut und klar: BMW kann inzwischen auch Federung. Unsere stark gefurchte Komfortstrecke steckt keiner so gelassen weg wie der X5. Sehr beeindruckend. Dass wir am Ende vielleicht doch lieber im ML verreisen würden, hat andere Gründe: Der X5 ist lauter (mehr, als es die Messwerte verraten), und er bietet weniger Raum für Gepäck.Überblick: Alle News und Tests zum VW Touareg
Letzteres ist auch dem Touareg anzukreiden. Außen gibt er den Brummer, aber innen passen höchstens 1642 Liter Gepäck rein. Und die erlaubte Zuladung von 574 Kilogramm ist für ein Auto dieses Kalibers auch nicht berühmt. Wem das genügt, der genießt indessen das Gefühl, gut eingekauft zu haben. Der VW kommt deutlich günstiger als seine Kontrahenten, wirkt aber eher teurer. Jedenfalls strahlt er innen die Solidität eines Panzerkreuzers aus – als könne hier selbst eine Bombe keinen Schaden anrichten. Panzergefühle ziehen freilich auch beim Fahren auf, denn der Touareg gehört noch zu den SUV, die ihre Tonnage nicht verheimlichen können. Beim Kurswechsel spürt der Fahrer die Massenträgheit, während das Schiff die Schlagseiten wechselt. Das Steuer reagiert vergleichsweise träge, und auf schlechten Fahrbahnen geht es auf den Sitzen turbulent zu wie in stürmischer See. Auch auf der Autobahn bleibt der VW nicht immer gelassen: Seine Federung reagiert auf kurze Stöße unwirsch, raue Beläge sorgen für laute Abrollgeräusche.Leicht verstaubt wirkt er in dieser Gesellschaft, daran ändert auch die Start-Stopp-Automatik nichts (im BMW nicht erhältlich). Immerhin verhilft sie dem Touareg zu einem kleinen Verbrauchsvorteil. So ist der VW zwar ein hochwertiges Auto, aber eben kein Testsieger. Diese Position gebührt nun dem Mercedes ML. Hier ist er der Boss, auch weil er ein SUV ist, der versucht, politisch korrekt zu sein: Nur er bietet optimale Sicherheitsvorsorgen, nur er erfüllt die ultrastrenge EU-6-Abgasnorm. Na also.
Hintergrund: So testet AUTO BILD
| Fahrzeugdaten | BMW | Mercedes | VW |
|---|---|---|---|
| Motor | Reihensechszylinder, Turbo, vorn längs | V6, Turbo, vorn längs | V6, Turbo, vorn längs |
| Ventile/Nockenwellen | 4 pro Zylinder/2 | 4 pro Zylinder/2 | 4 pro Zylinder/2 |
| Nockenwellenantrieb | Kette | Kette | Kette |
| Hubraum | 2993 cm³ | 2987 cm³ | 2967 cm³ |
| kW (PS) bei 1/min | 180 (245)/4000 | 190 (258)/3600 | 180 (245)/3800 |
| Nm bei 1/min | 540/1750 | 620/1600 | 550/1750 |
| Vmax | 222 km/h | 224 km/h | 220 km/h |
| Getriebe | Achtstufenautomatik | Siebenstufenautomatik | Achtstufenautomatik |
| Antrieb | Allradantrieb | Allradantrieb | Allradantrieb |
| Bremsen vorn/hinten | Scheiben/Scheiben | Scheiben/Scheiben | Scheiben/Scheiben |
| Testwagenbereifung | 255/50 R 19 W | 255/50 R 19 W | 265/50 R 19 W |
| Hersteller | Continental Contact SSR | Continental SportContact 5 | Bridgestone Dueler HP Sport |
| Radgröße | 9 x 19" | 8,5 x 19" | 8,5 x 19" |
| Abgas CO2 | 195 g/km | 179 g/km | 189 g/km |
| Verbrauch* | 8,7/6,7/7,4 l | 7,8/6,3/6,8 l | 8,4/6,5/7,2 l |
| Tankinhalt | 85 l/Diesel | 70 l/Diesel | 85 l/Diesel |
| Vorbeifahrgeräusch | 72 dB (A) | 72 dB (A) | 73 dB (A) |
| Anhängelast gebr./ungebr. | 3500/750 kg | 3500/750 kg | 3500/750 kg |
| Kofferraumvolumen | 620–1750 l | 690–2010 l | 580–1642 l |
| Läge/Breite/Höhe | 4857/1933/1776 mm | 4804/1926/1796 mm | 4795/1940/1709 mm |
| Preis (wird bewertet) | 60.920 Euro** | 65.396 Euro*** | 56.805 Euro**** |
| *innerorts/außerorts/gesamt auf 100 km; **inkl. Niveauregulierung für 790 €, 19-Zoll-Bereifung für 1210 €, Adaptive Drive für 3290 € und Aktivlenkung für 1130 €; ***inkl. Airmatic inkl. RDK 2386 €, 19-Zoll-Bereifung für 595 € und Active Curve System für 3689 €; ****inkl. Luftfederung für 2640 € und 19-Zoll-Bereifung für 1815 € | |||
| Messwerte | BMW | Mercedes | VW |
|---|---|---|---|
| Beschleunigung | |||
| 0–50 km/h | 2,4 s | 2,4 s | 2,5 s |
| 0–100 km/h | 7,4 s | 7,4 s | 7,5 s |
| 0–130 km/h | 11,9 s | 12,4 s | 12,3 s |
| Zwischenspurt | |||
| 60–100 km/h | 4,1 s | 4,3 s | 4,3 s |
| 80–120 km/h | 5,3 s | 5,3 s | 5,3 s |
| Leergewicht/Zuladung | 2250/590 kg | 2320/630 kg | 2266/574 kg |
| Gewichtsverteilung v./h. | 49/51 % | 55/45 % | 54/46 % |
| Wendekreis links/rechts | 12,7/12,6 m | 11,8/11,7 m | 11,8/11,8 m |
| Bremsweg | |||
| aus 100 km/h kalt | 38,2 m | 35,8 m | 37,2 m |
| aus 100 km/h warm | 36,9 m | 35,0 m | 36,2 m |
| Innengeräusch | |||
| bei 50 km/h | 57 dB (A) | 54 dB (A) | 55 dB (A) |
| bei 100 km/h | 63 dB (A) | 64 dB (A) | 63 dB (A) |
| bei 130 km/h | 69 dB (A) | 69 dB (A) | 68 dB (A) |
| Testverbrauch – CO2 | 8,7 l D – 231 g/km | 8,6 l D – 229 g/km | 8,2 l D – 217 g/km |
| Reichweite | 970 km | 810 km | 1030 km |
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Kommentare zum Artikel (90)
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Endlich mal ein fairer, realistischer Test. Danke Autobild!
Die neue M-Klasse ist da - ein "Feuerwerk an neuen Innovationen"?
Vielleicht. Geradezu lächerlich erscheint allerdings die Tatsache, dass erst ab Mitte 2012 ein Bixenon-Licht für den SUV erhältlich sein wird. Warum? Zuliefererprobleme.
Doch wer fährt nicht gerne ein neues Auto für mindestens 55.000 Euro, das zwar alle technischen Highlights bieten kann, außer Xenonlicht?
Ein späteres Nachrüsten von Halogen auf Xenon sei technisch nicht möglich (Kabelbäume, Voltzahlen, ...)
Es belibt also spannend, wie sich die Verkaufszahlen des ML bis Mitte 2012 entwickeln werden.
Wer mit seinem SUV ins Gelände will, kauft sich sicher keinen dieser 3 Kandidaten, sondern Jeep, Land/Range Rover oder Toyota.
Der VW ist der Einzige mit dem man ins Gelände gehen kann. In den USA glänzt der Mercedes-Stern mit nach einem Jahr erblindeten Hauptscheinwerfern und der Innenraum des Benz ist schnell abgwohnt.
Alle drei probiert (ML "alt"): Der Touareg ist sicher alles andere als ein schlechtes Auto, aber wenn ich dann aber in BMW oder gar Mercedes steig', dann weiß ich, warum der eine ein "Volkswagen" ist und man bei vielen Dingen heute noch "Der Mercedes unter den ..." sagt - auch wenn BMW (und Audi) da absolut auf einer Ebene sind und nur noch die Sympathie entscheidet.
Persönliche Wahl: der Touareg ist mir allein schon vom Ambiente her zu teuer für das, was er bietet. Der BMW ist sehr nüchtern und klar, was nicht ganz MEINEM Geschmack entspricht - ich steig in den Benz und fühl mich wohl