Suzuki Liana 1.6 4WD

Suzuki Liana 1.6 4WD Suzuki Liana 1.6 4WD

Suzuki Liana 1.6 4WD

— 20.02.2002

Neu im Van-Dschungel: der Liana

Der größte Suzuki-Pkw, den es je gab. Liana rollt jetzt auf den deutschen Markt, will sich ins Van-Segment quetschen. Hat er dafür die Größe?

Kleiner Preis, aber zäher Motor

Suzuki holt auf. Hierzulande immer noch mit dem Ruf des Motorrad- und Geländewagen-Anbieters, entert der Importeur zielstrebig die Pkw-Basis. Wunschgegner: natürlich der Golf. Den übertrifft Liana schon um acht Zentimeter in der Länge, bleibt aber 5,4 Zentimeter schmaler. Mit dem Höhen-Plus von elf Zentimetern streckt er sich dafür in Van-Dimensionen von Space Star & Co.

Preislich macht sich der Liana 1.6 4WD eher klein: 33.600 Mark kostet er mit serienmäßiger Klimaanlage - ein vergleichbarer Golf 4motion mit 115 PS (und damit zwölf PS mehr) kommt auf über 41.800 Mark - immerhin 8200 Mark Unterschied, also Vorteil Liana. Dessen Name steht in Langversion übrigens für "Life in a new age", also "Leben im neuen Zeitalter". Sinn oder Unsinn mag jeder für sich bewerten. Marketing-Menschen finden so was wohl toll. Satzhülsen wie "Zu Beginn des neuen Jahrtausends soll der Autofahrer dazu inspiriert werden, etwas Neues zu wagen" wabern durch die Pressemappe vom Genfer Autosalon, wo Liana im Frühjahr 2001 seine Europa-Premiere hatte.

Im Sommer freut man sich über die serienmäßige Klimaanlage (im Liana 1.3 1690 Mark Aufpreis), die sich aber auch nach Blick in die Betriebsanleitung nicht abstellen ließ. Der Anruf beim Importeur ergab: Sobald der Drehschalter auf Scheibenbelüftung steht wird zwangsgekühlt, damit die Scheibe nicht beschlagen kann. Im Winter der Vorteil: Klimaanlagen-Luft ist immer entfeuchtet. Klingt klug. Obwohl: Eine Klimaanlage kostet Leistung. Und die hat der Liana 1.6 nicht so üppig.

Ein Teil der 76 kW (103 PS) wird wohl von den Antriebswellen (die Hinterachse wird bei Bedarf über Visco-Kupplung mit angetrieben) und der großen Stirnfläche verbraucht, die Höchstgeschwindigkeit von 170 km/h auch erst nach langem Anlauf erreicht. Wobei der Motor akustisch gefällt, die Schaltung japanisch-exakt ist, nur die Synchronisation des zweiten Gangs meldet sich beim schnellen Runterschalten mit lautem Kratzen.

Gutes Fahrverhalten, aber kein ABS

Dafür juckt es Liana überhaupt nicht, wie kräftig der Wadenmuskel des rechten Beins zutritt. In schnellen Kurven zeigt die Plattform (Basis ist Baleno) bestes Benehmen, beim Gaslupfen kommt sie hinten angenehm leicht herum. Auch die Elchdressur besteht Liana bestens, leer wie beladen wirbelt er behende um die künstlichen Hindernisse, mit der Servolenkung lässt es sich genaustens peilen und rangieren. Dazu die nur manchmal etwas knochige Federung - der Suzuki-Neuling zeigt sich untenrum von der besten Seite.

Oben gibt es auch wenig zu meckern. Die Sitze gerieten etwas haltlos und mit ihrer (fahrerseitigen) Einzel-Rändelrad-Höhenverstellung recht billig. Dafür lassen sich die Rücksitzlehnen in der Neigung verstellen und geben hinter sich einen geräumigen Kofferraum mit niedriger (65 cm) Ladekante frei. Vorn fällt das Fahrerauge erst mal auf eine nicht sehr elegante Kunststoff-Wüste, aus der in der Mitte das Radio (gibt es nur beim Händler) ragt. Links davon blinzelt ein schlitzäugiges Instrument. Die digitale Tempoanzeige mochten wir schon beim E-Kadett GSi nicht leiden, sein Drehzahlmesser-Bogen folgte originell dem Drehmomentverlauf. Beim Liana nerven die wechselnden Zahlen, gerät der Tourenzähler mehr zur Zierde, und die winzigen Anzeigen für Temperatur und Tank sollten eine Lupe aufgesetzt bekommen.

Eher kleinwagenmäßig liest sich auch die Liste der Sicherheits-Features. ABS ist heute so selbstverständlich wie Gurtstraffer mit Kraftbegrenzer und zwei Airbags vorn. Noch nicht die Regel: zweimal Isofix für perfekte Kindersitz-Befestigung sowie Seitenairbags vorn (nur 1.6). Auf das elektronische Stabilitätsprogramm ESP oder weitergehende Sicherheitsmerkmale müssen Liana-Leute verzichten.

Fazit und Zeugnis

Fazit Dafür, dass Suzuki eigentlich aus dem Geländewagenbau kommt, schwingt sich der Liana 1.6 4WD auf Anhieb zu befriedigender Form auf. Das Auto muss ernst genommen werden, überrascht mit solider Karosserie und gutem, manchmal etwas knochig federndem Fahrwerk. Die Übersicht aufgrund der höheren Sitzpostion gefällt, das Geräuschniveau liegt auf Normalmaß. Die Konkurrenz sollte auf der Hut sein.

Punktewertung

Minivan, Kobi oder Kompaktwagen? Der Liana passt theoretisch in keineSchublade. Seine ungewöhnliche Karosserieform, entwickelt auf der Plattform des Baleno, bietet jedenfalls allen Insassen ein großzügiges Raumgefühl.

Technische Daten

Für einen Allradler dieser Größe ist der Suzuki fast schon ein Leichtgewicht. Die Zuladung ist völlig ausreichend, die Anhängelast von 1200 Kilogramm genügt für die meisten Wohnwagen.

Preise und Kosten

Von Preis und Größe her gehört der Liana noch am ehesten in die Kompaktklasse. Im Normalfall ist der mit 2700 Mark recht günstige Allradantrieb nicht zwingend nötig. Doch besonders in Alpenländern macht er den neuen Suzuki zu einem günstigen Allzweckfahrzeug.

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