Suzuki SJ Samurai (1988-2000)

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Suzuki SJ Samurai (1988-2000)

— 25.02.2002

Der erste wird der letzte sein

Anfänger lieben den Suzuki SJ Samurai. Doch nur selten endet die erste Liebe zu dem kultigen Gelände-Cabrio glücklich

Karosserie und Technik

Was wünschen sich Fahr-Anfänger vom ersten Auto? Billig muß es sein. Ein Maximum an Fahrspaß bieten. Dazu vier Plätze, damit die Kumpels mitgenießen können. Wenn es sich dann noch oben öffnen läßt, ist das Autoglück vollkommen. Der Suzuki SJ Samurai liefert alles. Der rumpelt mit Allrad und freiem Blick zum Himmel putzig über Pisten und Promenaden, ist zudem neu wie gebraucht sehr günstig.

Leider plagen den Samurai wie seine Vorgänger LJ, SJ 410 und 413 viele Wehwehchen, der Komfort tendiert gegen null, und harter Einsatz zwingt auch diesen japanischen Krieger in die Knie. Das kostet – und dann ist auch für Fahrneulinge der erste Samurai ganz schnell der letzte. Morsche Knochen kann dem Samurai keiner vorwerfen: Der Rahmen aus Stahl-Längsträgern garantiert hohe Verwindungssteife, Flugrost läßt sich per Drahtbürste rückstandslos entfernen. Weniger gut sehen dafür alle anderen Bleche aus, vor allem Türkanten und Stoßfänger.

Ebenfalls gammelig: der Fußraum, weil sich unter den Matten oft Spritzwasser sammelt. Lüftung, Heizung, Windschutzscheibe oder die sehr unterschiedliche Verdeckqualität - irgendwo läuft immer mal was rein. Steht das Wasser knöchelhoch, hilft nur noch: Ablaufstopfen ziehen. Auch ein Allrad-Differential hat kein langes Leben, wenn sich Pistenrowdies auf Papas Wiese eine Geländeschlacht liefern. Erst leckt es, dann verreckt es. Weil die zwei Ausgleichsgetriebe aber sowieso nie ganz dicht sind, empfiehlt sich zudem ein regelmäßiger Ölwechsel, um den Schmutz rauszuspülen. Wenn Dreck am Unterboden auf harten Einsatz hindeutet, unbedingt Kupplung und Bremsen checken. Die leiden am meisten – und werden vorm Verkauf nur selten ausgetauscht.

Motor und Fahrwerk

Wenig Auswahl gibt es beim Antrieb. Wahlweise den 60-PS-Vergaser oder seit 90 einen 69-PS-Einspritzer. Beide laufen kaum schneller als ihre deutlich schwächeren Vorgänger im LJ und SJ (39/40 und 45 PS), gelten aber als unverwüstlich. Typisch ist nur der Ölverlust. Suzuki-Fans wissen: Wenn er nicht tropft, ist er kaputt. Verantwortlich dafür ist vor allem die Ölwanne, die sich mit Silikon nachträglich abdichten läßt. Eine weitere SJ-Krankheit sind häufig durchgebrannte Zündkontakte. Abhilfe gibt es nicht, Übung beim Austausch macht den wahren Meister.

Wer den Innenraum spartanisch nennt, hat schon geprahlt. Nacktes Blech, kantige Instrumente, billiges Plastik. Dazu kommen so schwache Sitze, daß schon der Zweitbesitzer Ersatz braucht. Gefühllos arbeitet auch die stufenlose Heizung, die nur drei Stellungen kennt: an, aus oder kaputt. Auf Airbag oder gar eine Wegfahrsperre müssen Samurai bis heute verzichten. Von Platz kann bei dem 3,43-Meter-Auto kaum die Rede sein. Selbst mit umklappbarer Rücksitzbank wird der Mini-Kofferraum nur mal gerade so einkaufstauglich. Und wer hinten sitzt, sollte die Füße einziehen, bevor die Vorderleute ihre Plätze wieder zurechtschieben.

Laut, rauh und holpernd arbeitet der Samurai im Fahr-Dienst. Die uralte Blattfeder-Technik ist robust, aber nichts für schwache Bandscheiben, der Geradeauslauf bescheiden. Und wenn Tuning-Fans XXL-Pneus aufziehen, leiden nicht nur die Spurstangen, sondern auch die Lenkfähigkeit. Und bei einer Bremsung rutscht das Auto sonstwohin. Deswegen: Unverbastelte Samurai bevorzugen, auch wenn dafür so um 10.000 Mark investiert werden müssen. Und unbedingt eine stille Reserve einkalkulieren, denn für Überraschungen ist der SJ immer gut.

Historie, Schwächen, Kosten

Modellgeschichte 9/79 Vorstellung des Suzuki als LJ 80 mit 40, später 39 PS 8/83 Neues Blech, alte Technik, neuer Name: SJ 410 1/85 Zweite SJ-Version, genannt 413, als Cabrio und Van mit neuem 1,3-Liter-Vergaser (64 PS) 3/88 Namensänderung zum SJ Samurai, leichtes Facelift, neues Bremskreissystem (Handbremse auf die Hinterräder statt auf Kardanwelle), 1,3-Liter-Motor (60 PS) 1/90 Neuer 1,3-Liter-Einspritzer (69 PS) und geregelter Kat 3/94 weicher abgestimmte Blattfedern und Stoßdämpfer 4/97 Sondermodelle "Schlumpf" und "Dschungelbuch" 1998 In Japan Ablösung durch den Jimny 1.3 mit 80 PS; der Samurai kommt jedoch weiterhin von Santana/Spanien nach Deutschland 1999 zusätzlich 1,9-Liter-Turbodiesel (von Peugeot), 63 PS 2000 Ende des offiziellen Deutschland-Imports; Lieferung über freie Importeure nach Deutschland möglich; inzwischen mit Jimny-Motor

Schwachstellen • Tank leckt oft aus dem Falz. Abhilfe: austrocknen und mit Kaltmetall abdichten • Kontaktgeber für Rückfahrlampen ist schnell verschlissen. Das Plastikteil kostet nur 30 Mark, aber der Austausch ist Fummelarbeit am Getriebe • Cabrioverdeck mit Nässegarantie - es gibt einfach zu viele Ecken und Kanten. Ersatz kostet 1600 Mark plus Einbau • Ölverlust gibt es beim Samurai (fast) serienmäßig aus allen Teilen: Motor, Ölwanne, Getriebe und Differentialen • Zahnriemen sicherheitshalber alle 60.000 Kilometer tauschen, sonst droht böser Motorsalat • Rost darf SJ-Fahrer nicht schrecken. An den kräftigen Stahlträgern passiert nicht viel, aber an Kanten, Scharnieren und Falzen hilft nur regelmäßiges Ausbessern

Reparaturkosten Preise inklusive Lohn und Mehrwertsteuer am Beispiel Suzuki SJ Samurai, 51 kW/69 PS, Bj. 1991. Positiv: Die Preise bewegen sich auf akzeptablem Niveau.

Fazit und Expertentipp

Fazit "Der SJ ist Auto pur. Gebaut wie vor 100 Jahren: Blattfedern, Stahlrahmen, Nähmaschinenmotor. Einfach zu reparieren, das gehört für Suzi-Freunde dazu. Denn Ärger gibt es immer. Zum Beispiel den lecken Tank, Ölverlust an Motor und Getriebe oder streikende Kontaktgeber der Rückfahrlichter. Und das Verdeck ist echte Glückssache - mal ist es dicht, mal nicht. Wer trotzdem vom Allrad-Cabrio-Kult nicht die Finger lassen will: Alle 60.000 Kilometer sollte der Zahnriemen getauscht werden, das Öl in den schnell verdreckten Differentialen öfter mal wechseln - und immer wieder entrosten. Die schlappen Sitze? In alten Golf GTI gibt es bessere, die auch in den SJ passen. Noch ein Tip: Wer öfter ins Gelände will, sollte sich eine Sportkupplung gönnen - die hält immerhin doppelt so lange wie die normale. Beim Schrott ist der SJ Mangelware, deshalb nur für Insider noch meine Quelle für gebrauchte Teile: BBK Offroad, Telefon 0 43 27-147 00." Tom Winter, Suzuki-Offroad-Club Hamburg

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