Suzuki Vitara (1991-1998)

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Suzuki Vitara (1991-1998)

— 25.02.2002

Alles nur Show?

Unter harten Offroadern gilt der Suzuki Vitara als verweichlichte Schickimicki-Schaukel. Ein Vorurteil, denn die Technik erweist sich als dauerhaft - mit kleinen Abstrichen

Karosserie und Technik

Eigentlich begann die Karriere des Vitara bereits im Regensommer 80, als Suzuki die Marktnische preiswerter, kleiner Allradler mit dem LJ 80 erschloß. Aber vielen Interessenten waren die 40 PS des Eljot und auch die bis zu 69 PS der nachfolgenden Samurai-Baureihe zuwenig, auch ließ das Ambiente im betont zweckmäßigen Interieur Raum für Verbesserungen. Also verpaßte Suzuki der eckigen Karosse ein paar putzige Pausbäckchen, installierte eine gutgemeinte, aber wenig wirkungsvolle Geräuschdämmung und nannte das Ganze Vitara – fertig war der Boulevard-Rider für die Neunziger.

Leichtgewichtige Türen und die recht blecherne Anmutung bemühen sich erfolgreich, einen klapprigen Eindruck zu erzeugen. Tatsächlich aber sitzt das Gehäuse auf einem üppig dimensionierten Leiterrahmen – eine Bauweise, die auch schweren Nutzfahrzeugen zu Stabilität verhilft. Lediglich um die Bodenfreiheit ist es nicht so gut bestellt, deshalb gehört eine Kontrolle der Unterseite nach den tiefschürfenden Folgen dilettantischer Kletterversuche unbedingt dazu. Ansonsten ist Rost noch kein Thema, abgesehen von der korrosionsfreudigen Auspuffanlage.

Häufiger sind Wassereinbrüche – bei den geschlossenen Vitara durch undichte Türgummis, beim Cabrio durch die flattrige Dachplane. Bei diesen Modellen sollte unbedingt geprüft werden, ob Verdeck und Gestänge nirgends klemmen (probeweise öffnen). Der rote Bereich auf dem Drehzahlmesser beginnt bei 7000/min – wer bis dort dreht, merkt überhaupt nichts mehr. Der am meisten verkaufte 1,6-Liter benötigt nur 5300 Touren für seine 80 oder 82 PS und flaut darüber schnell ab. Kraft findet sich vor allem in der Mitte, ganz unten ist auch nicht viel los.

Ausstattung und Fahrverhalten

Probleme sind dem 1,6-Liter-Motor (wie auch den stärkeren Kollegen) ziemlich fremd, nur die Kraftübertragung zickt mitunter – vor allem, wenn Experten den Allradantrieb auf trockener Straße zuschalten. Lagerschäden und abgedrehte Halbwellen sind die teure Folge.

Die Sitze sind für erwachsene Mitteleuropäer zu schmal und zu kurz, die Kopfstützen zu niedrig. Auch sonst sieht es dünn aus mit der Sicherheit, Airbags kamen je nach Modell und Ausstattung ab 6/95, ABS ist meist gar nicht oder zu Aufpreisen jenseits 2000 Mark zu bestellen – bei Gebrauchten also so häufig zu finden wie Bernsteine am Ostseestrand. Nicht vergessen: die Elektrik prüfen – besonders bei Cabrios. Ein Gewitterschauer in die offene Luke, und der Strom geht neue Wege.

Der Vitara ist nicht ganz so handlich, wie die Kürze vermuten läßt. Vor allem, wenn es sich um eines der Magermodelle ohne Servolenkung handelt. Kurzer Radstand und hoher Schwerpunkt verlangen außerdem Mäßigung in Kurven. Allergisch reagiert der Vitara auf superbreite Show-Bereifung. Der ohnehin miese Geradeauslauf leidet spürbar, Lenkung und Gestänge quittieren die höhere Belastung mit baldigem Exitus. Delikat: Je nach Haftvermögen der breiten Socken ist sich der Suzuki in Kurven nicht mehr zum Kippen zu schade. Dann braucht es viel Talent am Volant und noch mehr Platz zum Ausweichen.

Grob lassen sich gebrauchte Vitara in zwei Gruppen einordnen: gewerblich genutzte mit Baustellenerfahrung oder verhätschelte Zweitwagen, mit allem möglichen Tand geschmückt. Letztere haben meist den Vorteil geringer Kilometerstände und sind schon deshalb in engere Wahl zu ziehen. Solange nicht Überbereifung oder Schäden aufgrund verunglückter Geländeeinsätze zur Weitersuche anraten. Denn soviel steht fest: Auch wenn "kein Gelände" in der Verkaufsannonce stand – irgendwann wollte jeder Vorbesitzer mal wissen, wozu Allrad gut ist.

Historie, Schwächen, Kosten

Modellgeschichte 9/88 Modelleinführung des dreitürigen Geländewagens mit Heckantrieb, Vorderräder zuschaltbar, mit festem Dach oder als Cabrio. 1,6-l-Benziner, 59 kW/80 PS 2/90 automatische Freilaufnaben statt manueller 6/91 fünftürige Langversion Vitara Long mit verbesserter Ausstattung, 1,6 l, 71 kW/97 PS 3/95 2,0-l-V6, 100 kW/136 PS für Vitara Long 10/95 2,0-l-Turbodiesel, 52 kW/71 PS 6/98 Ablösung durch Grand Vitara

Schwachstellen • Schäden am Unterboden durch unsachgemäßen Geländeeinsatz • Lenkgetriebe und -gelenke ausgeschlagen • Ölverlust an Motor und Getriebe • Getriebeschäden • Bremswirkung ungenügend • Trommelbremsen defektanfällig • Pumpe der Servolenkung undicht • Auspuff rostanfällig • Elektrikprobleme wegen Feuchtigkeit im Wagen • Verdeck beschädigt

Reparaturkosten Für einen Geländewagen ist die Preisgestaltung moderat. Daß das Getriebe eines Allradlers teurer kommt, dürfte klar sein. Dafür ist der rostfreudige Auspuff einigermaßen billig zu haben. Nur die Bremsklötze fallen sehr teuer aus.

Fazit und Expertentipp

Fazit "Eigentlich sitzt der Suzuki Vitara zwischen allen Stühlen: In der Stadt stört der große Wendekreis, auf Strecke die Hoppelbewegungen, und im Gelände sieht er mit der geringen Bodenfreiheit und ganz ohne Differentialsperren auch nicht gut aus. Aber er bringt bei jedem Anlassen Urlaubsatmosphäre in den grauen Alltag, ist technisch anspruchslos, und – was nicht vergessen werden darf – er gehört zu den preiswertesten Cabrios." Hendrik Dieckmann, AUTO Bild-Redakteur

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