ADAC: Mangelnder Schutz vor Tacho-Betrug

Tachomanipulation

— 28.10.2013

Milliardenschaden durch Tachotrickser

Laut ADAC entsteht durch Tachomanipulation jährlich ein Schaden von sechs Milliarden Euro. Die Hersteller trügen sogar eine Mitschuld an dieser Bilanz.

(dpa/lhp) Es geht um einen Milliardenschaden: Der ADAC wirft der Autoindustrie vor, ihre Fahrzeuge zu wenig vor einer Tachomanipulation zu schützen. Jeder dritte Gebrauchtwagen ist in Deutschland nach Schätzungen des Automobilklubs mit einem gefälschten Kilometerstand unterwegs. Viele Autos seien schon ab Werk für solch einen Betrug "vorbereitet", kritisierte der Automobilclub am 28. Oktober 2013 bei der Präsentation einer gemeinsamen Studie mit der Universität Magdeburg. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) wies den Vorwurf zurück und sprach von einem Wettlauf mit den Hackern und Entwicklern der Geräte zur Manipulation.
Gewusst wie: So schützen Sie sich vor Tachotricksern

Tacho-Trickser heimlich gefilmt

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Alter und neuer Kilometerstand: So einfach ist Tachobetrug.

Nach Angaben des ADAC sorgt Tachomanipulation jährlich für einen Schaden von sechs Milliarden Euro. Dieser entsteht den Käufern dadurch, dass sie für ein gebrauchtes Auto einen unangemessenen höheren Preis zahlen. Wissenschaftler der Arbeitsgruppe "Multimedia and Security" der Uni Magdeburg untersuchten die Fahrzeugelektronik dreier gängiger deutscher Autos. Sie entdeckten mangelhaft geschützte Software-Funktionen, die von Betrügern genutzt werden können. "Tacho-Trickser" sei es mit frei erhältlichen Manipulationsgeräten einfach und schnell möglich, den Kilometerstand eines Autos zu verändern. "Im Fokus sind bei uns heute auch die Hersteller, die das Thema kennen, an dem Thema arbeiten, aber den Verbrauchern noch keine schlüssige Lösung angeboten haben", so Thomas Burkhardt, ADAC-Vizepräsident für Technik. Aktuelle Sicherheitstechniken seien in den Steuergeräten der neuesten Fahrzeuge zwar teils schon vorhanden, aber nicht aktiviert. Dabei würde die Umstellung nach Schätzungen nur ein Euro pro Fahrzeug kosten. Bei einem geschätzten Schaden von 3000 Euro pro manipuliertem Auto sei das ein kleiner Obulus.

ADAC: "30 Prozent aller Gebrauchten sind manipuliert"

Je weniger Kilometer, desto wertvoller das Auto (vergrößern durch Klick aufs Bild).

Der VDA betonte dagegen, die Maßnahmen gegen Manipulation des Kilometerstandes würden kontinuierlich verbessert. Die Hersteller arbeiteten eng mit der Polizei, dem Bundeskriminalamt und den Landeskriminalämtern zusammen. Ulrich Eichhorn, Geschäftsführer Technik und Umwelt des VDA, sagte der Nachrichtenagentur dpa: "Wir müssen sorgfältig entwickeln. Wir haben es mit erheblicher krimineller Energie zu tun." Gänzlich verhindern werde man den Betrug aber auch künftig nicht. Der ADAC geht – vor allem auf Grundlage eines Verfahrens gegen rund 100 Beschuldigte in München – davon aus, dass 30 Prozent aller Gebrauchtwagen manipuliert sind. Eichhorn schätzt die Zahl auf maximal zehn Prozent. Einig sind sich ADAC und Hersteller, dass Tachobetrug lückenlos verfolgt und bestraft werden muss. Die Geräte zur Manipulation der Kilometerstände müssten verboten werden, forderte Eichhorn.
Tachomanipulation ist seit 2005 strafbar
Die jursitische Lage: Die Manipulation von Tachos ist laut ADAC seit August 2005 gesetzlich verboten. Paragraf 22 b regelt diesen Fall im Straßenverkehrsgesetz.
Wer macht sich schuldig und welche Strafen sind zu erwarten? Wer "die Messung eines Wegstreckenzählers (...) verfälscht" wird mit einer Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft. Strafbar macht sich auch, wer "Computerprogramme, deren Zweck die Begehung einer solchen Tat ist, herstellt oder sich oder einem anderen verschafft, feilhält oder einem anderen überlässt".
Problematisch: Werbung für Tacho-Manipulationen in Zeitungen und im Internet ist zwar ebenfalls verboten. Das Verbot wird aber laut ADAC oft unterlaufen.
Das Bundesverfassungsgericht hatte sich mit der Frage bereits befasst, aber keine Handhabe gesehen. Die Geräte erlaubten schließlich auch ein Auslesen von Fehlern und die Korrektur des Tachos auf den richtigen Wert, zitierte Ulrich May, Leiter der juristischen Zentrale des ADAC, die Argumentation aus Karlsruhe. Strafbar ist Tachobetrug laut May überhaupt erst seit 2005. Das Strafmaß liegt bei maximal einem Jahr Haft.

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