Benzin statt Diesel

Täglich Hunderte Fehlbetankungen

— 31.05.2013

Vertankt noch mal!

Täglich tanken Hunderte Autofahrer versehentlich Super statt Diesel. Fantasienamen für Spritsorten und träge Autobauer begünstigen das teure Missgeschick.

Erst denken, dann tanken: Der Griff zur falschen Pistole kann teuer werden.

Nur ein unachtsamer Griff zur falschen Zapfpistole – und schon läuft der falsche Sprit in den Tank. In der Regel Benzin statt Diesel, weil die dünnere Benzin-Zapfpistole leicht in den größeren Diesel-Stutzen passt. Allein 4400 Falschbetankungen zählte der ADAC von Januar bis März 2013. Auf das ganze Jahr gerechnet also rund 18.000 Fälle – nur für die Gelben Engel. Die Dunkelziffer dürfte um ein Vielfaches höher liegen.

So hoch, dass sich längst Unternehmen auf das Absaugen von falsch betankten Autos spezialisiert haben. Rund 300-mal im Monat klingelt bei Alexander Hilz das Telefon. Seit 17 Jahren hilft er mit seinem mobilen Service Falschtankern in Berlin, pumpt Tanks leer, tauscht Dichtungen, spült und entlüftet Kraftstoffleitungen. Fehlbetankungen sind ein sicheres Geschäft für Hilz und seine Kollegen. Zwar statten die Hersteller ihre Autos mittlerweile mit Unmengen elektronischer Helfer aus, lassen es aber gleichzeitig noch immer bei vielen Modellen zu, den falschen Sprit zu tanken. Muss das sein?

ADAC fordert besseren Schutz vor Fehlbetankung

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'Haben Sie sich schon mal vertankt?'

Nein, sagt der ADAC. Schon seit Jahren fordert er einen serienmäßigen Schutz vor Fehlbetankungen. Dass dies technisch kein Problem ist, zeigt Ford. Dort passt bei inzwischen allen Modellen, mit Ausnahme des Ford Ka, nur die Dieselpistole in den Dieseltank. Eine einfache mechanische Sperre verhindert das Malheur, das nicht nur Nerven und Zeit, sondern ab 200 Euro aufwärts kostet. Selbst wenn der Motor noch gar nicht gestartet wurde. Denn jede Diesel-Benzin-Mischung ist Sondermüll, dessen Entsorgung 2,50 bis drei Euro pro Liter kostet.

Richtig teuer wird es, wenn die inzwischen hochempfindlichen Dieselmotoren mit der falschen Spritsorte laufen. "Dann ist die Einspritzanlage hin, das kostet ein paar Tausend", sagt Günter Knölke von der Firma Koopmann Fahrzeuge und Service in Hatten (Niedersachsen). So wie im Fall eines Volvo XC70: falsch getankt – 7000 Euro.

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Ein anderer Umstand begünstige Falschbetankungen zusätzlich, so Knölke. So gäben viele seiner Kunden an, den Aral-Edeldiesel Ultimate mit dem gleichnamigen Super verwechselt zu haben. Auch der ADAC sieht die Ölkonzerne in der Pflicht und fordert eine deutlichere Kennzeichnung der Sorten an Pistolen und Säulen. Bei Aral sei das bereits erfolgt, so ein Sprecher. Ob das etwas bringt, wird allerdings im Verborgenen bleiben. Denn die Zahl der Fehlbetankungen werde nicht zentral erfasst.

Autor: Roland Kontny

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