Tagebuch "2000 km durch Deutschland"

Tagebuch "2000 km durch Deutschland" Tagebuch "2000 km durch Deutschland"

Tagebuch "2000 km durch Deutschland"

— 15.07.2002

15.07.: Mit Plastikverband über die Alb

Tag drei der Oldie-Rallye durch Deutschland. Von Würzburg nach Ulm. 239 Kilometer. Mit der Angst im Nacken – bzw. vor Augen...

Montag, 9.30 Uhr Angst. Diese blöde Angst nach dem Aufstehen. Um sieben Uhr war Wecken. Seitdem martert uns nur ein Gedanke: Fährt er diesmal besser, unser 02? Dieses kleine bayrische Prachtstück, in das wir so viel Arbeit gesteckt haben? Den wir gehegt und gepflegt, lackiert und poliert haben? Den wir in die Obhut von Siggi Schöffler gaben, unseren begabten ehrenamtlichen Ruhrpottschrauber, diesen Luigi Colani der Technik, der nichts unversucht ließ und gestern fast einen Nervenzusammenbruch erlitt, als wir ihn von unterwegs anriefen, um seinen Rat einzuholen. Gleich müssen wir an den Start, seit 8.30 Uhr sind die ersten unterwegs. Was uns gestern noch gefreut hat, macht uns heute Sorge. Dieser verdammte Start, dieser defekte Verteiler, der nicht funktionieren will. In der Tiefgarage vom Maritim in Würzburg ist es stickig. Dicke Luft hier unten. Puh. Die Motoren der Oldies laufen heiß. Und wir fiebern und beten um unser Auto: Hoffentlich geht diesmal alles gut. Hoffentlich bockt der Kleine nicht wieder wie ein sturer Esel. Hoffentlich bleiben wir nicht wieder liegen oder kommen erst ins Ziel, wenn alle anderen schon beim Abendessen sitzen. Die Hoffnung bleibt. Und mein Vertrauen in Enricos Schrauberkünste.

10.45 Uhr Bloß nicht aufgeben. So ganz vorschnell und ohne selbst nochmal alle Bastler-Tricks auszuprobieren. Enrico baut an der Dea-Tankstelle Hohebuch bei Waldenburg aus einer Plastiktüte und einem Fitzel Isolierband eine Abdeckhaube für den Verteiler. Damit kein Tröpfchen Wasser unseren BMW 02 lahm legt. So wie gestern. Als selbst die AvD-Leute vor einem Rätsel standen. Vergaser? Zündung? Benzinzulauf? Oder eben die Verteilerkappe? Den Vergaser hat Enrico noch mal neu eingestellt, nachdem sich hilfreiche Hände daran zuschaffen gemacht hatten. Naja, und jetzt muss es eben die Tüte richten. "Ist halt so, alter 02er Krankheit", haben erfahrene 02-Fahrer zu uns gesagt. Glauben wir einfach mal. Auftanken, losfahren. Und alles wird gut. Ganz bestimmt.

12.10 Uhr Geht doch, alles läuft glatt. Der 02 rennt durch die Schwäbische Alb wie ein junger Hirsch. Berg rauf, Berg runter. Warum nicht gleich so? Nur die Bremsen quietschen ein bisschen. Mit dem Fuß hebt Enrico das Bremspedal immer wieder leicht an. "Die Bremsanlage ist ein bisschen träge", fachsimpelt er. Vor der morgigen Etappe wird er nochmal nachbessern müssen.

16.55 Uhr Wir sind im Ziel: pannenfrei! 119., daran müssen wir noch ein bisschen arbeiten. Am Vortag waren wir trotz Verteiler-Plitsch-Platsch immerhin 115. bei den Sprintprüfungen.

18.00 Uhr Enrico kümmert sich um die Bremsen. Nach einer Stunde hat er die hinteren Trommeln im Griff. "Die Handbremsseile waren ein bisschen straff eingestellt", diagnostiziert er. Jetzt ist wieder alles im Lot. Enrico strahlt. Siggi Schöffler, per Telefon bei der Reparatur zugeschaltet, auch. Das Baby läuft.

21.00 Uhr Ich schreibe auf meinem Zimmer, Enrico fachsimpelt vor unserem Nachtlager, dem Maritim-Hotel in Ulm, mit 58er-Corvette-Fahrern, BMW-507-Chauffeuren und einem russischen Journalisten, der den neuen Wolga Probe gefahren hat. "Tolles Auto", hat der in einer Tour geschwärmt. Pah, ist unser 02 auch.

Tag drei der "2000 km 2002"

So geht es heute weiter

Alle Tagestouren im Überblick: www.2000kmdurchdeutschland.de

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