Tagebuch "2000 km durch Deutschland"

Tagebuch "2000 km durch Deutschland" Tagebuch "2000 km durch Deutschland"

Tagebuch "2000 km durch Deutschland"

— 16.07.2002

16.07.: Wir holen auf!

Von Ulm geht es nach München, erstmals wieder durchs Allgäu bis nach Österreich. Der Oldie-Meute auf der Spur: das AUTO BILD-Team im BMW 2002.

1420 Meter mit 25 Stundenkilometern

Dienstag, 06.45 Uhr Hat jemand an der Uhr gedreht? Schon viertel vor sieben, höchste Zeit. Kurz frühstücken, dann ab zu unserem BMW 02, der mit den anderen Teilnehmerwagen auf dem Hotel-Vorplatz parkt. Autoschlüssel, Computer, Kamera? Alles dabei. Wirklich nichts vergessen? Unsere Klamottenkoffer nimmt der Rallye-Gepäckservice wie üblich mit ins nächste Hotel, diesmal also nach München, der Endstation der dritten Tages-Etappe. 384,35 Kilometer liegen heute an. Durchs Allgäu geht es nach Österreich. Die Zugspitze kriegen wir leider nicht zu sehen – völlig in Wolken getaucht, das gute Ding.

10.00 Uhr Kilometer 73. In Wolfegg am Bodensee erwartet uns die erste Gleichmäßigkeitsprüfung der Tour. Diesmal geht es also nicht darum, eine vorgeschriebene Strecke in einer vorgeschriebenen Zeit zu fahren. Sondern eine festgelegte Strecke mit festgelegtem Tempo: 1420 Meter mit 25 km/h. Kein Problem. Oder doch? Unser Tacho zeigt die Geschwindigkeit nur in Zehner-Schritten an. 25er wären natürlich besser, dann käme es genau hin. Unsere leicht schwänzelnde Tachonadel mag sich nicht auf die imaginäre Viertelgröße einpendeln. "Wir müssen rechnen", schlussfolgert Enrico. Falsch. Lesen tut's auch. Ich habe eine Zeittabelle eingepackt (sehr praktisch, da stehen die Zeiten umgerechnet auf Stundenkilometer drauf). 1420 Meter mit 25 km/h dauern demnach 3,22 Minuten. Das heißt: ersten Gang einlegen und kriechen. Wir schaffen 3,20 Minuten. Einen Tick zu schnell, sagt zumindest unsere Stoppuhr. Die genauen Zeiten hängen erst heute Abend aus, im Forum-Hotel München, unserem Nachtlager.

12.16 Uhr Grüß Gott, Cannheimer Tal. Wir sind in Österreich. Umzingelt von Bergen, umgeben von Kühen. Umrunden ist angesagt, und zwar die fetten Felsformationen. Rechts, links, rechts, links, ich liebe Serpentinen. Ein großer Spaß für den am Steuer, also mich. Weniger für den daneben, also Enrico: Bei dem dreht sich der Magen. Männer.

AUTO BILD-Grüße aus dem Radio

13.30 Uhr Kilometer 256, Mittagspause in Ehrwald (Österreich). Auf dem Dorfplatz versorgen uns Frauen und Kinder mit Schweinebraten, Salat und Getränken. Schade nur, dass es fürchterlich regnet. Der Dorfplatz versinkt in einer gigantischen Pfütze. Wir suchen Zuflucht unter der notdürftigen Plane der Essensausgabe, zusammen mit 15 anderen. Neben uns kaut Jean Pütz. "Lecker, wirklich sehr lecker dat Schwein." Ich mampfe Salat. Fein, dass man auch an uns Vegetarier denkt.

15.10 Uhr Abfahrt Richtung München. Es regnet immer noch. Hoffentlich hält unsere selbstgebastelte Plastikhaube den Verteiler trocken. Rund 130 Kilometer bis ins Ziel. Daumen drücken!

15.59 Uhr B2, kurz vor Murnau. Es gießt aus allen Kübeln, die Petrus in Bayern gebunkert hat. Am Straßenrand steht ein Zitronen-gelber BMW 02, "unser" Pendant. Daneben, unter einem riesigen Sonnenschirm: eingefleischte 02-Fans, die uns wild zuwinken. Willkommen daheim. Sollten mal Bayern 3 einschalten, die Guten. Dann können sie unsere Hupe hören. Die haben Radioreporter vorhin in Garmisch-Partenkirchen aufgenommen. Am späten Nachmittag soll das Getröte laufen. Bin ja mal gespannt.

16.52 Uhr HA! Wir sind im Radio. Trööt, trööt. Enrico hat es sofort erkannt. Sind wir jetzt Tour-Promis? Auf jeden Fall bekannt, denn jeder Fünfte, mit dem wir uns unterwegs unterhalten, sagt, er hätte früher auch mal einen 02 gefahren. Und sei es nur als Fahrschulauto.

18.45 Uhr Noch drei Kilometer bis zum Deutschen Museum. Fetter Feierabend-Verkehr. Unser 02 leidet ein bisschen an der "Stop-and-go"-Krankheit, wie Enrico sagt. So 'ne Art Schnellkochtopfprinzip, erscheint es mir: Im Vergaser bilden sich Dampfblasen, weil es dem Sprit zu heiß wird. Dann kocht er ein bisschen über, weil Dampf ablassen ist ja nicht. Enrico grinst sich einen. Soll er doch. Bin ich Mechanikerin oder was? Obwohl: Lernen sollte ich es, das Schrauben. Immer auf den Rat und die Hilfe anderer (und sei es mein Kollege Enrico) angewiesen zu sein, macht für Rallye-Fanatiker wie mich wahrlich keinen Sinn.

Großes Hallo vorm Deutschen Museum

19.10 Uhr Vorm Deutschen Museum stößt ein kräftiger Kerl kräftig ins Horn. "Das ist 'ne Tuba", raunt einer neben mir. Auch gut. Jedenfalls trägt er Krachlederne und eine Feder am Hut, der Tuba-Bayer. In der Luftfahrt-Abteilung gibt es jetzt lecker Essen. Nix wie hin. War schließlich ein langer Tag. Ohne irgendwelche Pannen, was uns betrifft. Aber wo stecken eigentlich die smarten Karman-Ghia-Fahrer (Typ 14, Startnummer 203)? Die hatten schon gestern Probleme. Und heute haben wir sie den ganzen Tag nicht gesehen. Dafür steht Sonja neben mir. Gibt es doch nicht. Die hat früher bei uns im Layout gearbeitet – und ist jetzt im Deutschen Museum. Darauf müssen wir einen lüpfen. Muss ja auch mal sein. Nach so viel Fahrerei.

Das Tagesprogramm

So geht es weiter

Die Strecken im Überblick www.2000kmdurchdeutschland.de

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