Tagebuch "2000 km durch Deutschland"

Tagebuch "2000 km durch Deutschland"

— 17.07.2002

17.07.: Wir sind schon auf Platz 97!

Von Mnchen nach Leipzig. Wenn es so gut luft wie gestern, gehrt der Osten uns. Trotz Unwetter-Warnung.

Die Aufholjagd ist erffnet!

Mittwoch, 8.00 Uhr "berflutungen in Leipzig", meldet das Radio. Das fngt ja gut an. Tischnachbarn erzhlen Enrico die wstesten Geschichten von der ostdeutschen Landunterwelt. Ganz bleich wird er, der Arme. Sieht sich vermutlich schon bis zu den Knien im Wasser stehen, durchtrnkt bis auf die Knochen und verzweifelt unsere Verteiler-Notabdicht-Kappe (Plastiktte, Ihr erinnert Euch?) mit den Hnden abdichten, whrend ich jauchzend durch die Fluten jage. Und Enrico zur Emily mache. Kleiner Scherz

8.45 Uhr Jetzt ist es an uns. Im 30-Sekunden-Takt verlsst das Feld den Vorplatz des Deutschen Museums. 208 Oldtimer auf eigener Achse, einer auf dem Hnger des AvD: Nr. 61, den 1939er DKW, hats gerissen. Heute Abend beim Essen klre ich, was dem Kleinen fehlt (morgen mehr dazu). Wir, die Startnummer 204, sind eigentlich bester Dinge: Gestern und vorgestern hatten wir keinerlei Probleme. Und das Beste: Unsere Anfangsplatzierung 119., hem haben wir gestern auf zwei Zhler herunter geschraubt. Jetzt sind wir im Gesamtklassement schon 97.! Und warum? HA! Weil wir gestern bei den drei Prfungen insgesamt 65. geworden sind. 65! Das ist ganz schn gut schlielich lagen wir damit deutlich im vorderen Drittel. Heute knnen wir also Anschluss an die Spitze finden. "Unter die ersten 50, ist ja wohl klar", grinse ich Enrico ins Gesicht. Der stapelt erfahrungsgem tief: "Lass uns den Wagen heil wieder nach Hause bringen, dann haben wir viel erreicht". Mnner. Sagte ich glaube ich schon.

9.12 Uhr 160, Wahnsinn! Enrico fhrt wie ein junger Gott, unser 02er-Baby rennt wie Schumis Dienstwagen. Reihenweise lassen wir die Konkurrenz stehen: Karmann Ghia (Nr. 203) versgt, Mercedes 190 SL (Nr. 114) elegant abgehngt, die Autobahn ist unser Revier. 100 PS, damit sind wir hier die Knige. Deutlich frher als erwartet laufen wir in Hohenlinden ein, holen uns bei der Durchfahrtskontrolle den ersten Tagesstempel ab. Der Kirchplatz ist voll mit Kindern. Hunderte heilfroher Hndchen mssen wir abklatschen. Zu und zu niedlich.

10 Uhr Nchster Stempel, der zweite von 15, die wir auf dem Weg nach Leipzig auf der Startkarte sammeln mssen. Heute ist das Din-A4-groe Teil grn (genau genommen sind es sogar zwei, weil die Etappe so lang ist 533 km). Gestern war sie Schnitzel-farben, morgen gibt es eine hellblaue.

Weizenbier zur Feier der Heimkehr

10.50 Uhr Die Tanknadel verschwindet langsam, aber sicher im Nirvana. Wir fahren seit 15 Minuten auf Reserve. Enrico wird nervs. "An jeder Ecke steht 'ne Brauerei, aber weit und breit keine Tankstelle", grummelt er in seinen Bart. "Gemach, ho, Brauner", beruhige ich ihn. Laut Bordbuch kommt in drei Kilometer Entfernung auf der linken Seite eine BP. Das schaffen wir schon. In einer Gegend, wo die Jeansladen "Jeans-Stadl" und die Boutiquen "Gewandhaus" heien, bleiben BMW-Fahrer nicht liegen. Kurze Zeit spter reihen wir uns ein: An der einzigen Super-Plus-Sule der Dorftanke stehen acht Autos. Alles Teilnehmer der Rallye. Hinter uns stauen sich die Einheimischen. In Momenten wie diesen haben die eigentlich begeisterungsfhigen Bayern wenig brig fr alte Autos mit groen Tanks. "Wollen sie etwa auch noch tanken?", nrgelt eine Blondine hinter uns. Sehen wir aus wie Deko oder was?

12.10 Uhr Gleichmigkeitsprfung bei Bruchhausen (kurz vor Regensburg). "1050 Meter in einer Minute und 40 Sekunden", lautet die Aufgabe. Macht 38 km/h, wie meine kongeniale Zeittabelle wei. Laut unserer Stoppuhr haben wir es ziemlich genau geschafft. Zwei Sekunden drber oder drunter, schtzen wir. Eine gute Toleranz. Die genaue Zeit erfahren wir wie blich abends beim Essen. Bei der Gelegenheit checke ich mal, wer eigentlich fhrt. War bislang ja nicht ganz so wichtig, aber jetzt, wo wir rankommen... "Welcher Tag ist eigentlich?", fragt Enrico nebenbei. Klare Folge der Aufgabenteilung: Ich kmmere mich um Details, er um unser Baby.

12.40 Uhr Guck mal, 02, hier bist du zur Welt gekommen. Wir sind im BMW-Werk Regensburg. Versptete Mittagspause, nur langsam trpfelt der Tross ein (liegt wohl an den Umleitungen). Weiwrste, ser Senf, Leberkse Enrico knnte darin baden, mir schnrt es den Magen zu. Darauf ein Weizenbier. Alkoholfrei, ist klar.

14.30 Uhr Kaum weg von Zuhause, fngt unser 02 an zu mucken. Das Standgas ist unruhig, das Anfahren ein Hoppelei. Komischerweise gibt sich das aber immer wieder nach einer Weile. So sind sie halt, die alten Autos. "Einer-Vergaser", erklrt Enrico verstndnisvoll. Nix von Bedeutung. Die leicht quietschenden Bremsen richten sich ja auch immer von selbst. Enrico will nachher trotzdem mal nachsehen.

Mit Lunchpaket nach Leipzig

15.35 Uhr Das Auto luft perfekt, trotzdem eiern wir mit 40 km/h ber die Landstrae. Es giet, wie es nur gieen kann. Vor uns schert ein 220er Mercedes auf den Seitenstreifen aus, sucht Schutz unter Bumen. Wir sitzen den Platzregen hinterm Steuer aus und schleichen vorsichtig weiter. "Unter die ersten 50", murmele ich leise.

16.35 Uhr Wunsiedel, Marktplatz. "Hallo, Margret", sagt der Mann mit dem Durchfahrts-Stempel zu mir. - ? "Ich kenne dich aus der AUTO BILD." Gute Fahrt wnscht er noch. Dann sind wir auch schon wieder on the road.

18 Uhr Vor uns drei Corvette, hinter uns ein Opel GT. Gute Gesellschaft. Ein Porsche 356 Carrera gesellt sich dazu. Enrico lsst ihn vorbeiziehen. Wie grozgig von ihm, denke ich. "Reiner Eigennutz", sagt er. "Ich finde den Sound sooo geil"

19.10 Uhr Durchfahrtskontrolle in Zwickau. Fr die Rest-Tour nach Leipzig gibt es ein Lunchpaket: Brtchen mit Wurst und Kse. Futter fr die letzten 120 Kilometer. Leipzig ist weit, die Begeisterung und Anteilnahme im Osten gro: Es schifft wie angekndigt, trotzdem stehen sie an jeder Ecke und winken uns zu. Wenn das mit dem Regen so weitergeht, buche ich um und nehme einen Schwimmwagen. Immerhin: Unsere Plastiktte unter der Haube scheint immer noch dicht zu sein. Geplante Ankunftzeit von Startnummer 204: 22 Uhr.

Das Tagesprogramm

So geht es weiter

Die Strecken im berblick www.2000kmdurchdeutschland.de

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