Tagfahrlicht

Tagfahrlicht: Pro und Kontra

— 10.11.2010

Steigert Tagfahrlicht die Sicherheit?

Am Tagfahrlicht scheiden sich die Geister – dient es der Verkehrssicherheit oder ist es überflüssiger Design-Schnickschnack? Wie man auch dazu stehen mag, ab 2011 ist es Pflichtausstattung bei Neuwagen in der EU.

"Das Tagfahrlicht schaltet die Unterbelichteten am Steuer aus", findet Roland Bunke.

Jetzt rollen sie wieder, in grauen Wagen auf grauen Straßen durch die Dämmerung: die Unterbelichteten am Steuer. Ihr Motto: Ich sehe was, was du nicht siehst – und das bin ich. Die Schläfer, die am Steuer auch sonst dahindämmern und fahren, solange sie zehn Meter vor ihrem Bug noch Restlicht registrieren. Rechtzeitig Licht an? Och, nee, mal wieder verschlafen. Oder die Knicker, die ihr Licht ganz bewusst erst bei völliger Dunkelheit leuchten lassen – und damit Lampen und Geldbeutel schonen wollen.

Sparen an der Sicherheit?

Redakteur Roland Bunke.

Diese Leute gibt's tatsächlich. Schließlich verbraucht Licht Sprit, so 0,01 Liter auf 100 Kilometer. Ist viel mehr? Geschenkt, das Gipsbett im Krankenhaus kommt immer teurer, von den Opfern der Gegenseite nicht zu reden. Okay, Kollege, über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten (oder doch?). Aber schau mal aufs Foto – dezentes Tagfahrlicht als Sicherheitsplus, was ist dagegen zu sagen? Deshalb macht die EU jetzt auch Ernst: Ab 2011 müssen alle neuen Pkw und Transporter mit Tagfahrlicht ausgerüstet sein. Ab August 2012 sind auch Lkw und Busse dran. Für vorhandene Fahrzeuge besteht keine Nachrüstpflicht. Doch wer Tagfahrlicht nachrüstet, um nebenbei ein bisschen Show zu machen, der soll das auch dürfen. Früher war es das Paar Zusatz-Scheinwerfer auf der Stoßstange, heute sind es die LEDs darunter. Egal – solange hinter dem Steuer nur ein heller Kopf sitzt.

Redakteur Stefan Voswinkel.

"Tagfahrlicht ist peinlich, protzig – und vor allem überflüssig", sagt Stefan Voswinkel.

Da haben die Designer ja was Schönes angerichtet. Als Audi vor drei Jahren den A5 präsentierte, wähnte man sich – was das Leuchtendesign angeht – um Lichtjahre vor der Konkurrenz. Sichelförmige LEDs, auch am Tag gleißend hell, sollten dem Coupé ein Gesicht in der Menge geben. Seitdem kommt kaum ein neues Modell ohne Tagfahrlicht auf den Markt. Ob in Merkel-Manier mit heruntergezogenen Mundwinkeln bei der Mercedes E-Klasse, erstaunt hochgezogenen Augenbrauen beim Opel Insignia oder einfach nur protzig wie beim neuen Audi A8 – Designer versuchen, einfallsloses Design mit den weißen Kirmesleuchten zu überschminken. Inzwischen haben auch die Tuner Tagfahrlichter entdeckt und rüsten jetzt geschmacksbefreite Szenetypen damit aus. Zum Gruseln!

Zweifelhafte Sicherheit

So haben die Irrlichter den Spoiler oder die Tieferlegung als Statussymbol sogar weit unten in der 2000-Euro-Gebrauchtwagenklasse abgelöst – und das unter dem Deckmäntelchen der Verkehrssicherheit. Genau das ist aber Blödsinn: Noch hat niemand überzeugend beweisen können, dass das Tagfahrlicht wirklich der Sicherheit dient. In Österreich etwa haben sie die Lichtpflicht am Tag wieder aufgehoben. Weil zwar die Autos besser zu sehen sind – Fußgänger und Radfahrer dafür deutlich schlechter. Mein erster Griff in einem neuen Testwagen geht daher seit Neuestem sofort zum Schalter: Tagfahrlicht aus!

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