Takata

Takata-Airbags: Neuer Treibsatz

— 02.06.2015

Airbag wird "entschärft"

Der Zulieferer Takata will künftig einen anderen Treibsatz für seine Airbags verwenden. Er soll helfen, die millionenfachen Rückrufe zu beenden.

(dpa/mas/sb) Der wegen defekter Airbags in die Kritik geratene Autozulieferer Takata hat weitere Maßnahmen zur Krisenbewältigung versprochen. Künftig solle bei den Airbags auf die Verwendung von Ammoniumnitrat verzichtet werden. Die Chemikalie wurde in Millionen von Fahrzeugen bei Airbag-Gasgeneratoren als Treibstoff eingesetzt und steht im Verdacht, ein Grund für erhebliche Sicherheitsrisiken zu sein. Takata-Airbags haben in der Vergangenheit in mehreren Fällen unvermittelt ausgelöst. Dabei kam es zu Explosionen, die Teile der Metallverkleidung sprengten. Diese Defekte werden mit sechs Toten und zahlreichen Verletzten in Zusammenhang gebracht. Vor allem in den USA steht das Unternehmen deshalb massiv unter Druck. Heute (2. Juni 2015) muss sich der für Nordamerika zuständige Takata-Manager Kevin Kennedy in Washington bei einer Anhörung Abgeordneten stellen. Vor etwa zwei Wochen hatte Takata auf Drängen der Verkehrsbehörde NHTSA der größten Rückrufaktion der US-Geschichte zugestimmt. Seit 2013 wurden bereits etwa 17 Millionen Fahrzeuge von Autoherstellern in die Werkstätten beordert, diese Zahl wird sich noch einmal fast verdoppeln.   In Notizen, die vorab veröffentlicht wurden, bemüht sich Manager Kennedy, das Ausmaß der Misere zu relativieren: "Wir sind stolz, dass Millionen von Takata-Airbags ordnungsgemäß funktioniert und Tausende von Todesfällen verhindert haben". In den letzten Monaten habe Takata ballistische Tests für mehr als 12.500 Airbags durchgeführt, von denen nur neun Mängel aufgewiesen hätten. Kennedy bezeichnete es aber als inakzeptabel, "wenn auch nur eines unserer Produkte nicht wie vorgesehen funktioniert und Menschen in Gefahr bringt". Deshalb habe Takata sich verpflichtet, die Produktion des Konstruktionstyps einzustellen, der bei allen bisherigen Unfällen mit Airbags auf der Fahrerseite aufgetreten sei, so Kennedy. Man arbeite mit den betroffenen Autobauern zusammen, um bei den Ersatzteilen neue Versionen ohne Ammoniumnitrat einzusetzen. Diese könnten auch von anderen Airbag-Herstellern kommen. Ob der Treibstoff für die Probleme verantwortlich ist, ist aber noch nicht abschließend geklärt. "Takata hat die Ursache des Defekts noch immer nicht identifiziert", kritisierte US-Verkehrsminister Anthony Foxx erst kürzlich. Takata hatte sich eine Machtprobe mit der Verkehrsbehörde geleistet und wegen mangelnder Kooperation eine Strafe von 14.000 Dollar pro Tag aufgebrummt bekommen. Stein des Anstoßes war vor allem gewesen, dass Takata Forderungen nach einem landesweiten Rückruf zunächst abgelehnt hatte. Die Firma vertritt den Standpunkt, die Unfälle stünden im Zusammenhang mit dem heißen und feuchten Klima in einigen US-Bundesstaaten. Sie würde die Rückrufe lieber auf diese Regionen beschränken. Ob die Sicherheit durch den Megarückruf rasch wieder hergestellt werden kann, ist ohnehin sehr zweifelhaft - das Vorhaben dürfte Jahre dauern und erfordert Ersatzteile, die Takata nicht aus dem Stand liefern kann.

Der Takata-Rückruf: Fragen und Antworten

Wo liegt das Problem bei den Takata-Airbags?
Fest steht: Ausgerechnet der als Lebensretter in Notfällen konzipierte Mechanismus kann sich wegen mangelhafter Verarbeitung in eine enorme Gefahr verwandeln. Bei Takatas Airbags besteht das Risiko, dass sie unvermittelt auslösen und Teile der Metallverkleidung sprengen. Die Folge ist eine regelrechte Explosion, bei der Splitter durch den Fahrzeugraum geschleudert werden, die zu schweren Verletzungen oder in einzelnen Fällen sogar zum Tod führen können. Unheimlich: "Takata hat die Ursache des Defekts noch immer nicht identifiziert", sagte US-Verkehrsminister Anthony Foxx am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Washington.

Müssen auch deutsche Autofahrer sich Sorgen machen?
Takata produziert etwa jeden fünften Airbag weltweit und betreibt auch mehrere Werke in Deutschland. Zuletzt riefen die japanischen Branchenriesen Toyota und Nissan in großem Stil Fahrzeuge mit Takata-Airbags zurück. Allein Toyota als weltgrößter Autobauer musste etwa fünf Millionen Wagen zurückholen, davon 1,26 Millionen in Europa und auch 152.940 in Deutschland. Die deutschen Autohersteller blieben bisher aber weitgehend verschont vom Takata-Problem. Laut Unternehmen stehen nur Fabriken in Nordamerika im Zusammenhang mit den defekten Teilen – allerdings ist das nur der letzte Stand der Untersuchungen.

Europas größter Autobauer Volkswagen ist von den Problemen des Zulieferers nach wie vor nicht betroffen. Das sagte ein Sprecher des Wolfsburger Zwölf-Marken-Konzerns, zu dem unter anderem Audi und Porsche gehören. Auch der Stuttgarter Autobauer Daimler ist nach eigenen Angaben nicht betroffen, ebenso wenig wie der Münchner Konkurrent BMW. Opel musste deswegen nach eigenen Angaben ebenfalls keine Autos zurückrufen.

Wie sind die Erfolgsaussichten der Massen-Rückrufaktion?
Ungewiss. Das Vorhaben ist ein logistischer Kraftakt, der zahlreiche Autohersteller – darunter BMW, Fiat Chrysler, Ford, General Motors, Honda, Mazda, Mitsubishi, Nissan, Subaru und Toyota – sowie etliche weitere Zulieferer betrifft. Takata hat zudem gar nicht die nötigen Ersatzteile parat, um die nötigen Reparaturen rasch zu ermöglichen. Zudem ist die genaue Ursache des Defekts noch immer nicht geklärt. Weiter erschwert wird das Unterfangen durch die von Kritikern als fahrlässig bemängelten US-Regeln beim Autohandel: Bislang können Gebrauchtwagen, die von Rückrufen betroffen sind, unrepariert weiterverkauft werden, ohne dass dies rechtliche Konsequenzen hätte. So erfahren die aktuellen Fahrzeughalter teilweise gar nichts davon.

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