Talbot Samba Cabrio

Talbot Samba Cabrio Talbot Samba Cabrio Talbot Samba Cabrio

Talbot Samba Cabrio

— 27.05.2014

Fescher Franzose

Im Spätherbst des Jahres 1982 wehte mit dem Talbot Samba Cabriolet ein frischer Wind auf dem fast stillen Cabrio-Markt, doch Mutter Peugeot beerdigte die glücklose Marke Talbot schnell wieder – bevor der Samba heiß wurde.

Sehen Sie bitte das Aufmacherfoto oben genau an. Es muss ein Trugbild sein: ein Talbot Samba Cabriolet im 21. Jahrhundert. Es existiert wirklich, obwohl das etwa so realistisch ist wie ein tiefgefrorenes Milchmischerzeugnis mit null Zucker und garantiert überhaupt keinen Kalorien. Aha. Kalorien haben Sie noch nie interessiert, Sie essen einfach, was Ihnen schmeckt? Na, dann werden Sie auch beim Samba Cabriolet anbeißen. Diesem kleinen verführerischen Oben-ohne- Happen aus besten „La Boum“-Zeiten: Anfang der 80er-Jahre, als französische Teenager in knusprigen Automobilen der etwas haltlosen Marke Talbot umherkutschiert wurden.

Ein kleiner, wendiger Flitzer mit französischem Charme und italienischem Design – richtig, ein Talbot Samba Cabrio.

©U. Sonntag

Später half auch extraviel Schminke nicht mehr: Talbot-Produkte galten als Synonym für Corrosion directe – zu Deutsch: Sie rosteten uns unter unseren damals noch faltenfreien Hintern weg. Einfach so, nach wenigen deutschen Wintern. C’est la vie. Lehnen wir uns im Jahr 2014 also entspannt im Lesesessel zurück. Das ist der wohl ungefährlichste Ort, dem kleinen Feind Samba Cabrio wieder zu begegnen. Denn Tränen der Wiedersehensfreude trocknen auf Papier und können damit nicht in die Hohlräume des charmanten Franzosen einsickern, den man im Prinzip gern ein Leben lang an seiner Seite behalten hätte. Heute ist das Samba Cabriolet fast so vergessen wie die Muttermarke Talbot: Die war ein glückloser Versuch, den Gemischtwarenhandel der europäischen Chrysler-Gruppe mit Simca, Matra und Sunbeam unter einem notdürftig gezimmerten Dach zusammenzuhalten. Peugeot und Citroën hatten 1979 dieses Experiment gewagt. Ach, es musste einfach misslingen.
Windiger Geselle: Peugeot 205 CTi Cabriolet

Von Pininfarina schlicht und formschön gezeichnet

Die wenigen Instrumente wurden so platziert, dass sie nicht spärlich wirken und nebenbei zweifelsfrei abzulesen sind.

©U. Sonntag

Was nämlich schon damals ziemlich schräg wirkte, nämlich ein Modellprogramm aus veralteten Modellen von diesseits und jenseits des Ärmelkanals wie Chrysler 180/Sunbeam Avenger, Simca 1100 und Individualisten wie Matra Bagheera und Rancho, geriet gleichzeitig zum Todesurteil der jungen Marke Talbot. Und fast hätte es auch die Mutter PSA mit in den Tod gerissen, hätte diese nicht mit dem Peugeot 205 einen Rettungsanker auf den Markt geworfen. Spätestens da war klar, dass auch frische Modelle wie der pfiffige Samba keine Chance mehr haben konnten. Umso interessanter sind heute die paar Talbot-Überlebenden, vor allem das seinerzeit kleinste Cabriolet der Welt, der von Meister Pininfarina schlicht und formschön gezeichnete Samba. Das Cabrio hätte was werden können, denn 1979, als Talbot aus der Asche von Chrysler-Simca auferstand, gab es weltweit noch zwei viersitzige Cabriolets zu kaufen: Rolls-Royce Corniche und VW Käfer 1303. Schlau also, aus den Ultrakurz-Typen Peugeot 104 Z und Citroën LNA nicht nur einen massentauglichen Talbot Samba mit verlängertem Radstand zu zaubern, sondern auch fix das Cabrio mit dem damals schwer angesagten Sicherheits-Überrollbügel auf den Markt zu schieben. Bis zu 79 PS verliehen dem Samba Flügel, jedenfalls gefühlt – wenn der Wind bei offenem Verdeck an der Glut der filterlosen Gitane im Mund des Fahrers wütete. Bei den Verkäufen herrschte bald Flaute, denn 1984 erging der Beschluss, Talbot sterben zu lassen. Vergießen Sie dennoch bitte keine Träne, wenn Sie mal einem Samba Cabrio gegenüberstehen – Sie wissen schon ...

Technische Daten

Angeboten wird der offene Samba ausschließlich als Vierzylinder mit 1360 Kubik und 79 PS.

©U. Sonntag

Talbot Samba Cabriolet Motor: Reihenvierzylinder, vorn quer • oben liegende Nockenwelle, über Zahnriemen angetrieben, zwei Ventile pro Zylinder, Vergaser • Hubraum 1360 ccm • Leistung 58 kW (79 PS) bei 5800/min • max. Drehmoment 109 Nm bei 2800/min • Antrieb/Fahrwerk: Fünfgang-Schaltgetriebe, Vorderradantrieb • Einzelradaufhängung vorn/hinten, vorn an MacPherson- Federbeinen, Schraubenfedern, hydraulischen Stoßdämpfern, hinten an gezogenen Längslenkern, Federbeinen, hydraulischen Stoßdämpfern • Reifen 165/70 SR 13 • Maße: Radstand 2340 mm • L/B/H 3506/1528/1362 mm • Leergewicht 850 kg • Fahrleistungen/Verbrauch: 0–100 km/h in 11,5 s • Spitze 162 km/h • Verbrauch 8,8 l Super pro 100 km • Neupreis: 19.990 Mark (1985).

Historie

"Kein Auto für alle. Aber das Auto für alle, die wissen, was sie wollen", schreiben die Werbetexter dem neuen Talbot Samba Cabriolet in die Werbebroschüre. Der nur dreieinhalb Meter kurze Flitzer debütiert Ende 1982, nachdem Pininfarina dem Basis-Samba kurzerhand das Dach abgeschnitten und ihm einen Überrollbügel verpasst hatte. Stammten schon bei der Limousine viele Komponenten aus den Regalen von Mutter PSA, hält man es auch bei der Verwandlung zum Oben-ohne-Sympathisanten mit Gleichteilen: Abgesehen von Verdeck und Heckklappe gleicht das Samba Cabrio seinem geschlossenen Bruder. Angeboten wird der offene Samba ausschließlich als Vierzylinder mit 1360 ccm und 79 PS. Das Fünfganggetriebe ist lang ausgelegt, dennoch ist für Fahrspaß gesorgt. Teppiche, Stoffsitze, Quarzuhr, Zigarettenanzünder und zweiter Außenspiegel sind serienmäßiger Luxus der frühen 1980er-Jahre. Bald jedoch tauchen dunkle Wolken am Samba-Himmel auf: Der PSA-Konzern verurteilt die sieche Marke Talbot zum Tod auf Raten, dem 1986 der Samba zum Opfer fällt. Legitimer Erbe wird das Peugeot 205 Cabrio.

Plus/Minus

Talbot Samba Cabriolets sind etwas für sympathische Spinner, die auch heute noch etwas fahren wollen, was nicht jeder hat.

©U. Sonntag

Ein kleiner, wendiger Flitzer mit französischem Charme und italienischem Design – richtig, Talbot Samba, was dachten Sie denn? Kompakt, in der kleinsten Garage unterstellbar, dazu Transistorzündung, sorgfältige Rostvorsorge (doch, das steht wirklich so im Prospekt!), Großserientechnik vom Mutterkonzern PSA. So weit die Theorie. Das Gute: Bei Design und Wendigkeit hat Talbot nicht gelogen, weshalb die wenigen Überlebenden der Spezies Samba Cabriolet noch heute mit ihren optischen Vorzügen verführen. Gevatter Rost hat jedoch fast alle Samba Cabriolets dahingerafft, und es sind wirklich alle Baugruppen vom braunen Fraß bedroht: Radhäuser, Schweller, Dome, Kotflügelauflagen, Achsaufnahmen, Traversen, Hauben, Türen, Heckklappe, Kotflügel, Holme – das pure Grauen kann einen erwarten. Dennoch: ein entzückendes Auto, dieses Talbot Samba Cabriolet.

Ersatzteile

Kennen Sie den schon? Kauft sich jemand ein desolates Samba Cabrio und will es restaurieren. Jetzt mal im Ernst: Das macht niemand, der noch alle fünf Sinne in der Garage hat. Samba Cabriolets sind etwas für sympathische Spinner, die auch heute noch etwas fahren wollen, was nicht jeder hat. Fahren? Gut, einigen wir uns auf "besitzen". Neu gibt es nur noch Verschleißteile aus dem einstigen PSA-Großserienregal, Interieurs sind so gut wie gar nicht erhältlich, Anbau- und Kleinteile in Sammler- und Liebhaberkreisen manchmal auf Nachfrage zu kriegen. Dort gibt es auch Tipps und andere Leidensgeschichten.

Marktlage

Anzahl und Charakter der Samba-Cabrio-Angebote auf dem Markt haben sich verändert. Es existieren kaum noch Schrottofferten, die Zeit der Grotten scheint vorbei. Realistisch, weil niemand so ein Auto restauriert. Preise ab ca. 2000 Euro, ein richtig gutes Samba Cabrio wie unser zum Verkauf stehendes Foto-Auto kostet zwischen 3500 und 5000 Euro.

Empfehlung

Vergessen Sie romantische "Den baue ich mir wieder auf!"-Träume, suchen Sie lieber gleich und ausschließlich nach unversehrten, gesunden Samba Cabrios, wenn Sie sich den seltenen kleinen Franzosen anlachen möchten. Das Angebot ist sehr überschaubar, meist befinden sich nicht mehr als fünf (!) akzeptable Exemplare auf dem Markt – ähnlich umfangreich ist auch die Fanszene des Samba.

Autor: Knut Simon

Fotos: U. Sonntag

Stichworte:

Cabrio

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