Tankwart-Comeback

Tankwart unerwünscht?

Tankwart-Comeback

— 23.01.2007

Service unerwünscht?

Sind die neuen Tankwarte ein Flop? Viele Kunden wollen an der Tanke offenbar nur einen schnellen Stopp machen. Doch Shell gibt nicht auf.

Die Anforderungen sind nicht besonders hoch. "Sie müssen schon wissen, wo der Tank ist. Und ein wenig Ahnung von Autos schadet nicht", beschreibt der junge Mann im Tankstellenshop die erwünschte Qualifikation. Für 7,30 Euro die Stunde sucht Shell in der Fruchtallee in Hamburg einen Tankwart. Wenn der neue Angestellte noch Kunden dazu überredet, Frostschutzmittel, Öl oder Wischerwasserzusatz zu kaufen, gibt es Provision. Der 40-Stunden-Job inklusive Samstagsarbeit bringt so vielleicht 1400 Euro im Monat ein. Seit vergangenem Frühjahr versucht der Mineralölkonzern Shell, den Beruf des Tankwarts wiederzubeleben. Doch das niederländisch-britische Unternehmen tut sich schwer damit. An rund 500 Zapfstationen warten derzeit die Servicekräfte darauf, den Autofahrern zu helfen. Eigentlich sollten es 720 sein.

Shell macht jetzt die Erfahrungen anderer Unternehmen, die den Deutschen auch zusätzlichen Service bringen wollten. Die Jobs sind schwer zu besetzen. Vor allem aber: Oftmals wollen die Kunden sie gar nicht. Insofern führt der Tankwart von Shell einen Kampf gegen die Servicewüste in den Köpfen. Die Idee mit dem roten Teppich zum Beispiel hat Shell gleich wieder begraben. Eigentlich sollten die Stationen, an denen Tankwarte eingesetzt werden, mit einer Extra-Fahrspur und rotem Belag auf der Zufahrt aufgewertet werden. Wer sich bedienen lassen will, der soll auch getrennt von anderen Kunden an die Zapfsäule vorfahren. Daraus wird nichts.

Wissen, wo der Tank ist: Bei Aral helfen Servicekräfte den Kunden.

Es gibt an den Tankstellen einfach viele "Boxenstopper", die schnell wieder weg möchten. Das Servicekonzept des Tankwarts ist jedoch eher auf ein längeres Verweilen ausgerichtet. Das hat auch Aral erkennen müssen: Ein Test, die Tankstelle als Minipostamt anzubieten, schlug beim Publikum glatt durch und wurde schnell wieder eingestellt. Den Tankwart hat Aral auch schon getestet. Das war bereits in den 90er-Jahren, und der Probelauf fiel so ernüchternd aus, dass der Versuch sang- und klanglos wieder eingestellt wurde. Übrig geblieben sind 250 Stationen, vornehmlich in größeren Wohngebieten, die einen Service ohne Extra-Bezahlung anbieten.

Bei Shell denkt man noch nicht ans Aufgeben. "Bei Shell bieten bereits heute 1000 Tankwarte einer Dreiviertel Million Kunden im Monat an rund 500 Tankstellen einen umfassenden Tankwartservice an. Das sind 500 Stationen mehr als beispielsweise Aral", sagt Michael Dopheide, Leiter des Tankstellengeschäfts von Shell. Für diesen Service zahlt der Kunde an der Kasse – den Bezahlvorgang nimmt ihm der Tankwart leider nicht ab – später einen Euro extra. Oder auch nicht. Denn der Euro ist freiwillig, was an den Tankstellen gelegentlich zu Irritationen und auch Verärgerung führt. Der Kunde kann, muss aber nicht zahlen.

Autor: Birger Nicolai

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