Taxifahrer

Eine Branche kämpft um ihren Ruf

Taxifahrer in der Kritik

— 29.11.2002

Eine Branche kämpft um ihren Ruf

Klagen über Taxifahrer nehmen zu: kein Service, keine Ahnung. Strenge Kontrollen werden gefordert.

Die Kundenklagen nehmen bedenklich zu

Grantig, stinkig, zickig. So fahren die Taxifahrer ihr Image immer tiefer in den Keller. Sie benehmen sich wie Rüpel, kennen sich nicht aus, öffnen weder Türen noch Kofferraum. Der Fahrgast gilt als Störenfried. Klar, so werden die Taxifahrer ziemlich pauschal über einen Kamm geschoren. Nicht alle sind so. Tatsache ist aber, dass die Klagen der Kunden bedenklich zugenommen haben. Man muss schon viel fahren, um wieder einmal ein Wohlfühl-Taxi zu finden.

Klar ist auch, dass Taxifahrer ein hartes Brot essen. Zu viele Droschken kämpfen um zu wenig Kunden. In Berlin z. B. gibt es über 7000 Taxen, in Hamburg über 4000. Der Verdrängungswettbewerb sorgt für Stress und Aggressivität. Aber muss man deshalb, wie in Celle geschehen, eine 70-jährige Witwe aus dem Auto schubsen? Muss man deshalb, wie in Hamburg geschehen, einer Kundin trotz Trinkgeld verärgert den Koffer nachschmeißen? Oder in einer Schritttempo-Zone mit überhöhter Geschwindigkeit eine junge Frau vom Fahrrad schießen? So geschehen vor dem Hauptbahnhof in Hannover. Dieser Taxi-Rüpel wurde letzte Woche zu Schadenersatz und Schmerzensgeld verurteilt.

Immerhin hat die Branche jetzt erkannt, dass sie um ihren Ruf kämpfen muss. So setzen die Hamburger Taxiverbände eigene Kontrolleure ein, "um schärfer gegen schwarze Schafe vorgehen zu können". Ob's hilft? Eine im Sommer 1998 gestartete "Servicekontrolle für Taxen" hat keine Besserung gebracht. Der verkehrspolitische Sprecher der Hamburger CDU-Fraktion, Bernd Reinert: "Es kommt immer wieder zu Beschwerden, die zeigen, dass manche Fahrer weder freundlich noch hilfsbereit sind, dass ihre Ortskundigkeit und ihre Kenntnisse der deutschen Sprache zu wünschen übrig lassen."

Das Gütesiegel "Service-Taxi" soll helfen

Täglich erhält die für Taxen zuständige Hamburger Baubehörde bis zu 40 Beschwerden allein über Taxifahrer am Flughafen. Sündern droht eine 220-Euro-Strafe. Keine Abschreckung: 2001 mussten nur 48 Fahrer dass Bußgeld bezahlen. In Berlin ist seit zwei Jahren ein "Taxi-Wächter" unterwegs, um die Fahrer zu kontrollieren. Trotzdem nehmen auch hier die Kundenklagen zu.

Ab 1. Februar 2003 soll nun das Gütesiegel "Service-Taxi" helfen. Bedingung: Sauberkeit, Kindersitze, Kreditkartenleser, Regenschirm. Die Fahrer sollen beim Ein- und Aussteigen helfen, beim Koffertragen ebenfalls, sichere Ortskenntnisse haben, gut Deutsch sprechen. Uwe Gawehn von der Taxi-Innung: "Es darf nicht sein, dass die Berliner Taxifahrer immer öfter in die Kritik geraten."

Vielleicht hilft ein gründliches Ausmisten in eigenen Reihen? Das Müncher Taxi-Magazin "Ventil" schlägt Alarm: "Die Wurzel der Probleme ist das vollständige Fehlen einer Dienstleistung." Die Erkenntnis von "Ventil": "Mit uns fährt nur, wer nicht anders kann." Das wird sich so lange nicht bessern, wie sich die Taxifahrer nicht bessern.

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