Taxigewerbe: Berlin auf dem Weg zum Zwei-Klassen-Taxi?

Taxigewerbe: Konkurrenz durch Limousinen-Services

— 31.01.2014

Zwei-Klassen-Taxi in Berlin?

Für ein paar Euro mehr versprechen Limousinen-Vermittler besseren und verlässlichen Service. Die Taxi-Zunft reagiert mit eigenen Premium-Angeboten.

Manager auf dem Weg zum Business-Meeting, Senioren, die zum Arzt müssen, Partyvolk auf dem nächtlichen Heimweg: Jahrzehntelang war das Taxi ein Ort ohne Klassenunterschiede. Ein Ort, an dem sich Bauarbeiter und Bankiers buchstäblich die Klinke in die Hand gaben. Doch damit könnte bald Schluss sein. Gleich drei neue Limousinen-Vermittler drängen auf den Markt. Sie heißen Blacklane, Mydriver sowie Uber, wollen Geschäftsleute und gut betuchte Privatpersonen mit besserem Service zum Umsteigen in ihre schwarzen Limousinen bewegen.

Taxi-Test in Berlin: Was zahlt man vom Airport zum Alex?

Economy Class

23,10 Euro kostet der "Economy Class"-Trip vom Airport zum Alexanderplatz mit dem Taxi. Gebühr für bargeldlose Zahlung inklusive, ohne Trinkgeld. Im Chauffeur-Angebot von Mydriver würde man zum Beispiel mit einem Opel Zafira abgeholt und müsste 29,18 Euro bezahlen. Das Taxi steht am Straßenrand bereit, den Fahrerservice muss man vorbestellen und dementsprechend eventuell Wartezeit einplanen. Dafür sind Gebühren und Trinkgeld inklusive.

Test 1 von 3
Denn auch das ist das elfenbeinfarbene Taxi immer wieder: ein Ort unerfreulicher Erlebnisse. Essensreste auf den Sitzen, Zigarettengeruch in den Polstern, unfreundliche oder ortsunkundige Fahrer. Michael Müller, Präsident des Taxiverbandes BZP, spricht von "einigen wenigen", die aber "den Ruf des Gewerbes massiv belasten" – und damit den Limousinen-Services in die Hände spielen. "Wir schalten das Glücksspiel aus", verspricht Blacklanes Geschäftsführer Jens Wohltorf.

Der Trend kommt aus den USA

In einem Chauffeur-Knigge weist das Berliner Start-up seine Fahrer an, nie in Sichtweite der Fahrgäste zu rauchen, ihnen kein Gespräch aufzudrängen und defensiv zu fahren. Wer bei der Kundenbewertung weniger als vier von fünf Sternen erhält, wird zum Gespräch zitiert. Vorbild für die Vermittler, die eine Online-Plattform, aber keine eigenen Fahrzeuge besitzen, sind die USA. Dort hätten sich die Limousinenservices große Marktanteile gesichert und befänden sich auf Augenhöhe mit der Taxibranche, so Wohltorf. Dass das Geschäft hierzulande ebenfalls Fahrt aufnimmt, zeigte zuletzt die Millioneninvestition von Daimler bei Blacklane. Sie hat auch den Taxiverband alarmiert. BZP-Präsident Müller fordert von seinen Mitgliedern nun eine Qualitätsoffensive: "Tür aufhalten, Gepäck einladen und auch mal mit zur Haustür bringen – das sollte ganz normal sein." Kampflos will er das obere Segment nicht aufgeben: "Wir wollen kein Zwei-Klassen-Taxi."
Chauffeur unnötig: Diese S-Klasse fährt autonom

Doch in Berlin, wo die Limousinen-Vermittler am aktivsten sind, treibt das Gewerbe selbst die Zweiteilung voran. Die größte Zentrale Taxi Berlin bildet einen Teil ihrer Mitarbeiter zu sogenannten Premium-Fahrern aus. Wer den Kurs zu Themen wie Sauberkeit und angemessener Fahrweise bestanden hat, kann auf Spezialkunden wie Luxushotels hoffen. Im Umkehrschluss bedeutet das: Für normale Taxikunden bleiben ältere Fahrzeuge und schlechter ausgebildete Fahrer – bei gleichem Preis. BZP-Präsident Müller argumentiert, dass durch Premium-Initiativen die Qualität in einer Region insgesamt steige, weil andere Zentralen und Taxifahrer nachzögen. Bis der Servicegedanke in der kompletten Branche angekommen ist, könnte sich allerdings so mancher Taxikunde an den Komfort einer schwarzen Limousine mit Chauffeur gewöhnt haben.

Autor: Benjamin Gehrs

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