Sitzprobe im Formel-E-Auto

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Team Abt gewinnt Formel-E-Auftakt

— 13.09.2014

Sitzprobe im Siegerauto

AUTO BILD MOTORSPORT-Reporterin Bianca Garloff durfte Probe sitzen im Formel-E-Auto des deutschen Abt-Teams: So funktioniert der Gewinner-Renner!

Abt-Pilot Lucas di Grassi ist seiner Favoritenrolle gerecht geworden und hat das Premierenrennen der Formel E in Peking gewonnen. Neun Stunden vor der Zieldurchfahrt als Sieger durfte unsere Reporterin in seinem Auto Platz nehmen. Der Inside-Report aus dem Cockpit des ersten Formel-E-Gewinners der Geschichte. Vorsicht, Hochspannung! Bevor ich einsteige in den Formel E des Abt-Teams, ein kurzer, aber wichtiger Blick zum Sicherheits-Lämpchen. Leuchtet es rot, geht hier gar nichts. Stromschlag-Gefahr! Ich muss mir aber keine Sorgen machen: Die Lampe blinkt grün. Jetzt bloß nicht mit den Kabeln verheddern, anschließend ist alles wie in jedem anderen Formel-Auto auch. Rechts das Gaspedal, links die Bremse. "Und im Cockpit ist sogar relativ viel Platz", sagt mir Abt-Pilot Daniel Abt. "Wenn ich vom Formel E zurück in meinen GP2 wechsle, denke ich jedes Mal: Ist das eng hier!"

Pilot Daniel Abt (l.) erklärt Reporterin Bianca Garloff (r.) sein Auto

Hier ist alles anders. Die Elektro-Formel ist nicht nur leiser als die Formel 1. Sie ist auch weit entfernt von der Geheimnistuerei in der Königsklasse. Motor, Getriebe, Lenkrad – alles dürfen wir fotografieren. Die einzelnen Bauelemente für den Spark-Renault SRT_01E kommen aus unterschiedlicher Hand. Für Idee und Design des Rennwagens zeichnet die französische Firma Spark Racing Technologies von ART-Chef Frederic Vasseur verantwortlich. McLaren baut den Elektromotor (ca. 25 Kilo) und liefert die Einheits-Elektronik. Die Formel-1-Kollegen von Williams entwarfen die rund 200 Kilogramm schweren Hochleistungsbatterien. Das Fünfgang-Getriebe kommt von der britischen Firma Hewland. Renault ist für die Integration des ganzen Systems im Chassis von Dallara verantwortlich. Ein Formel E sieht zwar kleiner aus als ein Formel-1-Auto, ist mit mindestens 888 Kilo inklusive Fahrer aber mehr als 200 Kilogramm schwerer.
Video-Kostrprobe: Der Sound der Formel-E

Meine Hände umklammern das Lenkrad, das von drei roten Drehreglern dominiert wird. Alle drei dienen dem Energiemanagement. Der linke bestimmt, wie viel Energie beim Bremsen zurückgewonnen wird. Der mittlere regelt Motorbremse. Der rechte mit der Aufschrift "Torque" (Drehmoment) entscheidet, so der deutsche Pilot Daniel Abt, "ob ich volle Leistung habe oder nur cruisen kann". Effizienz ist das Zauberwort. Derjenige Fahrer gewinnt, der Strom spart und trotzdem schnell ist. Nur im Qualifying bewegen sich die Piloten an ihrem persönlichen Limit und dem der gutmütig zu fahrenden Autos. Danach ist Haushalten angesagt statt hemmungsloses Rasen. Wenn die Batterien permanent an ihrem Leistungslimit von 150 kW liefern müssten, würden sie keine halbe Stunde halten.

Das Herzstück des futuristischen Strom-Flitzers ist der Elektromotor

Daniel Abt erklärt: "Deshalb musst du ständig lupfen und dir immer wieder neue Wege einfallen lassen, wie du das Auto durch eine Kurve rollen lässt statt es durchzuprügeln." Sein Teamkollege Lucas di Grassi ist im Vorteil. Er kennt das strategische Fahren von seinem Hybrid-Audi in Le Mans. Die Fahrzeugfront kann ich nicht sehen, zu tief sitze ich im Auto. Rechts und links bilden die riesigen Pneus den Abschluss des Formel E. Die Niederquerschnittsreifen mit 18-Zoll-Felgen kommen von Michelin. Sie tragen Rillen und können sowohl unter trockenen Bedingungen als auch bei leichtem Regen eingesetzt werden. Das spart Kosten. Die Reifenanzahl ist auf fünf Vorder- und fünf Hinterreifen pro Team begrenzt. Formel öko eben. Gleiches gilt für die Aerodynamik. Sie ist auf wenig Luftwiderstand ausgelegt, weil die Leistung mit 272 PS im Qualifying und 202,5 im Rennen begrenzt ist. Ein zu hoher Luftwiderstand würde dafür sorgen, dass die Batterien sich zu schnell entleeren. Die Akkus sind das Heiligtum der Formel E. Alles dreht sich um ihr Wohlbefinden. Bei Abt kümmert man sich zwar auch um die Abstimmung des Renners, mehr noch aber um die Wärmeempfindlichkeit der Speicherelemente. Werden sie zu heiß, entleeren sie sich schneller. Abt-Technikchef Jacky Eckelaert verrät das Geheimnis der Stromserie: „Wer die Batterien im Griff hat, der gewinnt.“ Der Mann weiß, wovon er spricht.

Alle Bilder der Sitzprobe und einen genauen Einblick in die faszinierende Technik des Formel-E-Renners finden Sie oben in unserer Bildergalerie!

Autor: Bianca Garloff

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