Teams testen V8-Triebwerke

Probleme mit neuen F1-Motoren

Teams testen V8-Triebwerke

— 28.09.2005

Die Probleme mit den neuen Motoren

Die Zukunft in der Formel 1 naht. Eine Zukunft mit weniger Zylindern und Pferdestärken. Gefragt ist künftig vor allem Zuverlässigkeit.

Vibrationen fordern neuen Fahrstil

Die Formel 1 schaltet einen Gang zurück und zieht im kommenden Jahr deutlich langsamer ihre Bahnen. Wenn die Boliden ihre Kraft nur noch aus Aggregaten mit acht Zylindern beziehen, werden die Rundenzeiten um drei bis vier Sekunden fallen, schätzen die Experten des Internationale Automobilweltverbandes FIA, der das neue Motorenreglement gegen den Widerstand der deutschen Hersteller Mercedes und BMW durchgedrückt hatte.

"Der Leistungsabfall fordert von den Fahrern einen veränderten Fahrstil. Es fehlen im Vergleich zu unseren jetzigen Motoren zirka 200 PS. Deshalb muß man viel mehr Speed beim Kurvenausgang mitnehmen, um so die Beschleunigung zu optimieren", berichtete McLaren-Mercedes-Testfahrer Pedro de la Rosa, der den neuen Achtzylinder in der vorvergangenen Woche zum ersten Mal in Silverstone getestet hatte.

Die Rennfahrer werden sich ein dickes Fell zulegen müssen. Nachdem Ferrari-Testfahrer Marc Gene Anfang August den ersten Achtzylinder der Scuderia auf der Strecke in Fiorano ausgeführt hatte, klagte der Spanier nach 38 Runden über üble Kopfschmerzen, denn die Fahrt hatte ihn kräftig durchgeschüttelt. Die Unruhe ist in der Konstruktion des Motors begründet. Je mehr Zylinder ein Triebwerk hat, desto besser ist es ausbalanciert. Auch Zehnzylinder vibrieren, allerdings bei Drehzahlen, die nicht über 19.000 Umdrehungen pro Minute steigen. Die Anordnung der Achtzylinder fördert das Auftreten von Vibrationen. Sie werden bei hohen Drehzahlen von über 20.000 Umdrehungen äußerst unangenehm.

Der Rütteleffekt bei den Achtzylinder-Rennmotoren war schon bei der Premiere 1967 charakteristisch und wird sich, vor allem in der gegenwärtigen Entwicklungsphase des Motors, für alle Konstrukteure wieder einstellen.

Cosworth garantiert Zuverlässigkeit

Pioniere dieser Aggregate sind die Cosworth-Ingenieure. 1967 traten die Firmeninhaber Mike Costin und Keith Duckworth erstmals mit einem Dreiliter-Achtzylinder-Triebwerk beim Großen Preis von Holland in Zandvoort an. Jim Clark gewann auf Anhieb, fortan schrieb die Rennschmiede aus Northampton Geschichte und kam als Partner verschiedener Teams, darunter McLaren, Williams, Matra, Ligier, Lotus, Tyrrell und Brabham, zu insgesamt 155 Siegen. Vor allem in den siebziger Jahren galt der Cosworth V8-Zylinder als der dominierende Motor. Von 1968 bis 1982 gewann er zwölfmal den WM-Titel.

Die Erfahrung mit den charakteristischen Problemen ist auch jetzt das große Plus für Cosworth – und damit für Williams, das nächstes Jahr als einziges Formel-1-Team mit Cosworth kooperiert. Die Briten testeten auch jetzt als erstes Unternehmen den V8-Prototyp, Mercedes und Ferrari schalten für erste Fahrversuche in aktuellen Modellen zwei Zylinder ab. Honda ließ als erstes Team überhaupt schon im April einen V8 kreischen. Renault verzichtet auf Probefahrten und läßt seine neuen Kraftquellen lediglich auf dem Prüfständen röhren.

BMW und Mercedes werden dank höherer Budgets mehr PS aus ihren Motoren herauskitzeln können, das große Plus von Cosworth aber ist die hohe Zuverlässigkeit. Cosworth-Kunde Minardi ist in dieser Saison das einzige Team, das den Motor nicht außerplanmäßig wechseln mußte, und bei Red Bull war bisher nur ein einziger Motorschaden zu beklagen. Am anfälligsten war das Honda-Triebwerk von BAR, es mußte 2005 siebenmal gewechselt werden. "Es geht nicht allein um PS", ahnt Cosworth-Geschäftsführer Tim Routsis, "es geht vor allem um die Zuverlässigkeit."

Autor: Burkhard Nuppeney

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.