TechArt 911 Turbo vs. Geiger Corvette ZR1: Test

— 06.10.2010

Feuer und Flamme

TechArt und Geiger haben mächtig gezündelt – und auf Basis von Porsche 911 Turbo und Corvette ZR1 zwei höllisch heiße Fahrmaschinen erschaffen. AUTO BILD SPORTSCARS war mit den Raketen unterwegs.



Sie sind beide unvergleichlich: Porsche 911 und Corvette. Ein Blick zurück zu den Anfängen: Porsche führte 1963 den ersten 911er ein – mit bescheidenen 130 PS. Ein Boxermotor mit zwei Liter Hubraum schob die 1080 Kilogramm auf stolze 210 km/h Spitze. Die Wurzeln der Corvette reichen weitere zehn Jahre zurück: Sie debütierte 1953 – bestückt mit einem sechszylindrigen Lastwagenmotor mit 145 PS und einer Zweistufenautomatik. Damit beschleunigte das Auto in elf Sekunden auf 100 km/h. Sprung in die Jetztzeit: Im Lauf der letzten 50 Jahre hat sich eine Menge getan. Wenn Geld keine Rolle spielt, sind abnorme Motorleistungen realisierbar – den richtigen Tuner vorausgesetzt. Wir haben Geiger und TechArt auserwählt, gegeneinander anzutreten – ZR1 gegen 911 Turbo, 692 gegen 620 PS.

Überblick: Alle News und Tests zur Corvette

Brachial: Geiger schraubt die Leistung der Corvette ZR1 auf 692 PS hoch.

Wir wollen jedoch nicht einfach Spitzenleistungen ermitteln, sondern die Fahrzeuge auf Herz und Nieren testen – auf Rennstrecke, Landstraße, Autobahn. Alltagstaugliche und haltbare Performance ist also gefragt. Geiger packt auf die 647 PS der Serien-ZR1 45 PS drauf – mittels minimaler Ladedruckerhöhung und Sportkats. 692 PS genügen ihm fürs Erste: "Der Kompressor dreht am Limit, die Abgastemperatur liegt im kritischen Bereich", erklärt Karl Geiger. "Zwar arbeiten wir momentan an einer stärkeren Variante. Jedes PS will jedoch hart erkämpft werden – und teuer bezahlt." Auch sonst setzt er nur Akzente, wo wirklich Handlungsbedarf besteht: Die serienmäßigen Anbauteile der Corvette in Sichtkarbon ergänzt er um einen Kohlefaser-Heckflügel. Den Klappenauspuff erweitert er um eine Druckknopffunktion am Schaltknauf – für "laut" und "leise". Die ZR1-Dämpfer tauscht er gegen strammere Exemplare. Die Blattfedern fasst er dagegen nicht an. Gleiches gilt für die Räder: "Kein anderes Modell ist so leicht und schultert eine derartige Traglast." Eine Schönheit ist das Auto nicht. Mit seinen vielen Ein- und Auslassöffnungen wirkt es zweckmäßig und weniger elegant als eine Z06.

Überblick: Alle News und Tests zum Porsche 911 Turbo

Stimmiges Gesamtkonzept: Der 911 Turbo von Techart wirkt wie aus einem Guss.

Ganz anders der Porsche: In seiner Gesamtheit steht das fast 50.000 Euro teurere Auto bildschön und stimmig da. Tuner TechArt legt allumfassend Hand an – behutsam, aber konsequent. Das Exterieur ziert ein hübsches Spoilerkit. Das Interieur schmücken andere Sitze, Instrumente, Lenkrad und Schaltknauf. Weiße Nähte und eingefärbte Zierteile verleihen den letzten Schliff. Dem Veredler stehen ab Werk nur 500 PS zur Verfügung. Daraus macht der schwäbische Tuner 620. Ein gewaltiger Sprung, der aber nur ein paar Korrekturen erfordert: modifizierte Elektronik, Fächerkrümmer, Sportauspuff. Ausgereizt ist der Motor damit nicht: TechArt spekuliert langfristig auf bis zu 700 PS. Der technische Leiter Martin Schmidt erklärt: "Die Anlagen – Ladeluftkühlung, Abgasstrang, Turbolader – sind erheblich besser als beim Vorgänger." Eingeschnürt in enge Sportsitze, startet der Pilot freudig erregt den Motor. Und wundert sich über den verhaltenen Sound, der in keinem Verhältnis zum spektakulären Geschehen steht: Erweist sich das Auto doch als scharf geschliffenes Präzisionswerkzeug, das dem Begriff Beschleunigung eine gänzlich neue Bedeutung verleiht.

Ein Launch-Control-Start bietet einen Erlebniswert der unheimlichen Art. Wer den Motor hochdreht und das Bremspedal abrupt löst, fühlt sich auf einen Schlag nach vorn katapultiert. Und gleichzeitig mit eiserner Faust in den Sitz gedrückt. Die Besatzung verspürt nach langer Zeit endlich mal wieder dieses flaue Ziehen im Bauch, mit dem der Körper signalisiert: Was hier gerade abgeht, macht mir echt zu schaffen. Wahnsinn, was hier für Urgewalten am Werk sind. Dem Auto können die anscheinend nichts anhaben; bei Bedarf legt es einen Sprint nach dem anderen hin. Nach nur 2,9 Sekunden sind 100 km/h erreicht. Nur ein Bugatti Veyron kann das einen Wimpernschlag schneller – alles andere bleibt hilf- und sprachlos zurück. Und das Sperrfeuer lässt nicht nach: 0 bis 200 km/h dauern 9,4 Sekunden. Zum Vergleich: Das Serienauto lässt sich bis 100 km/h 3,3 Sekunden Zeit, bis 200 km/h 10,8 – eine Welt.

Überblick: Alle News und Test zu Sportwagen bei AUTO BILD SPORTSCARS

In Sachen Fahrleistungen auf Augenhöhe: Techart Porsche und Geiger Corvette.

Kann Geiger kontern? Sein Auto verzichtet auf Gimmicks wie Doppelkupplungsgetriebe und Startautomatik, vertraut stattdessen auf die Standfestigkeit eines klassischen manuellen Sechsganggetriebes. Und versetzt den Piloten gleichermaßen in Ekstase. Jedoch mit gänzlich anderen Mitteln: Nie hat die Besatzung das Gefühl, im Unklaren darüber gelassen zu werden, was eigentlich vor sich geht. Der Motor malmt grob vor sich hin, dreht laut brüllend hoch, vibriert, arbeitet, stampft. Dem Auspuff entweicht keine Musik, sondern ein brutales, rhythmisches, monotones Hämmern. Das Beschleunigungsvermögen ist imposant: Der erste Gang reicht bis über 100 km/h, der dritte Gang genau bis 200 km/h. Dieser Vorwärtsdrang verdient die Bezeichnung "infernalisch". Man kann es aber auch durchaus ruhig angehen lassen: Gegen schaltfaules Cruisen durch die Stadt im sechsten Gang bei weit unter 2000 Umdrehungen hat der bullige Motor nicht das Geringste einzuwenden. Schaltarbeit empfiehlt sich dennoch: Beim Runterschalten rotzen die Endrohre nämlich jedes Mal eine Armada von Fehlzündungen ins Freie – herrlich.

Weitere Details zu Geiger Corvette und TechArt Porsche gibt es in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel mit allen technischen Daten und Tabellen finden Sie als Download im Heftarchiv.
Fahrzeugdaten Geiger Corvette ZR1 Techart 911 Turbo
Motor V8, Kompressor B6, Biturbo
Einbaulage vorn längs hinten längs
Ventile/Nockenwellen 2 pro Zylinder/1 4 pro Zylinder/4
Hubraum 6162 cm³ 3800 cm³
Bohrung x Hub 103,25 x 92 mm 102,0 x 77,5 mm
Verdichtung 9,1 : 1 9,8 : 1
kW (PS) bei 1/min 509 (692)/6500 456 (620)/6400
Literleistung 112 PS/l 163 PS/l
Nm bei 1/min 840/3700 820/3600
Antriebsart Hinterrad Allrad
Getriebe 6-Gang manuell 7-Gang-Doppelkupplung
Bremsen vorn 394 mm/innenbel./gelocht 380 mm/innenbel./gelocht
Bremsen hinten 380 mm/innenbel./gelocht 350 mm/innenbel./gelocht
Radgröße vorn – hinten 10 x 19 – 12 x 20 8,5 x 19 – 11 x 19
Reifengröße vorn – hinten 285/30 R 19 – 335/25 R 20 235/35 R 19 – 325/30 R 19
Reifentyp Michelin Pilot Sport PS2 ZP Michelin Pilot Sport Cup
Länge/Breite/Höhe 4476/1929/1196 mm 4450/1852/1300 mm
Radstand 2685 mm 2350 mm
Tankvolumen 68 l 67 l
Preis Testwagen 154.898 Euro 201.410 Euro
Messwerte Geiger Corvette ZR1 Techart 911 Turbo
Beschleunigung
0– 50 km/h 1,9 s 1,2 s
0–100 km/h 3,7 s 2,9 s
0–160 km/h 7,3 s 6,2 s
0–200 km/h 10,2 s 9,4 s
0–300 km/h 26,7 s 25,4 s
Viertelmeile
0–402,34 m 11,54 s 10,90 s
Höchstgeschwindigkeit
GPS-Messung 338 km/h (abgeregelt) 335 km/h
Elastizität
60–100 km/h im 4. Gang 3,6 s 3,1 s
80–120 km/h im 5. Gang 4,6 s 3,5 s
80–120 km/h im 6. Gang 6,2 s 5,0 s
Bremsweg
100–0 km/h kalt (Verzögerung) 32,7 m (–11,8 m/s²) 34,2 m (–11,2 m/s²)
100–0 km/h warm (Verzögerung) 33,4 m (–11,6 m/s²) 35,0 m (–11,0 m/s²)
200–0 km/h warm (Verzögerung) 129,9 m (–11,9 m/s²) 132,5 m (–11,6 m/s²)
Testverbrauch
Ø auf 100 km 15,2 l SP (100 Oktan) 13,2 l SP (100 Oktan)
Reichweite 450 km 510 km
Leergewicht 1523 kg 1617 kg
Leistungsgewicht 2,2 kg/PS 2,6 kg/PS
Zuladung 209 kg 343 kg
Testwertung Geiger Corvette ZR1 Techart 911 Turbo
Längsdynamik 4 5
Querdynamik 4,5 4
Alltag 4 3
Preis/Leistung 3 2,5
Emotion 4 4,5
Gesamt 4 4
5 Punkte = traumhaft, 4 Punkte = macht an, 3 Punkte = akzeptabel, 2 Punkte = könnte besser sein, 1 Punkt = schwach
Ben Arnold

Ben Arnold

Fazit

Der Fall scheint klar: Der 911er wirkt deutlich hochwertiger, beschleunigt besser und liegt auf der Rennstrecke vorn. Warum sich die Corvette dennoch einen hauchdünnen Sieg erkämpft? Weil sie immer ganz nah dran bleibt, zudem günstiger, weniger zickig und deutlich alltagstauglicher ist. Faszinierende Autos sind beide. 



Diesen Beitrag empfehlen

Artikel bewerten

Bewerte diesen Artikel

Fremde Bewertungen

Weitere interessante Artikel

Weitere interessante Videos

Kommentare

Datenschutz

Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

comments powered by Disqus
Anzeige
Adventskalender 2014

Adventskalender 2014

Im autobild.de-Adventskalender 2014 gibt es Preise im Gesamtwert von über 250.000 Euro.

Jetzt mitmachen und gewinnen!

Neuwagen

NEUWAGEN zu Top-
Konditionen, mit voller
Herstellergarantie
und zu attraktiven
Zinsen finanziert.

Hier klicken zu den Top-Angeboten

Gebrauchtwagen

Finden Sie Ihren Gebrauchtwagen.

Günstige Gebrauchtwagen-Angebote