TechArt 911 Turbo vs. Geiger Corvette ZR1: Test
— 06.10.2010Feuer und Flamme
TechArt und Geiger haben mächtig gezündelt – und auf Basis von Porsche 911 Turbo und Corvette ZR1 zwei höllisch heiße Fahrmaschinen erschaffen. AUTO BILD SPORTSCARS war mit den Raketen unterwegs.
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Wir wollen jedoch nicht einfach Spitzenleistungen ermitteln, sondern die Fahrzeuge auf Herz und Nieren testen – auf Rennstrecke, Landstraße, Autobahn. Alltagstaugliche und haltbare Performance ist also gefragt. Geiger packt auf die 647 PS der Serien-ZR1 45 PS drauf – mittels minimaler Ladedruckerhöhung und Sportkats. 692 PS genügen ihm fürs Erste: "Der Kompressor dreht am Limit, die Abgastemperatur liegt im kritischen Bereich", erklärt Karl Geiger. "Zwar arbeiten wir momentan an einer stärkeren Variante. Jedes PS will jedoch hart erkämpft werden – und teuer bezahlt." Auch sonst setzt er nur Akzente, wo wirklich Handlungsbedarf besteht: Die serienmäßigen Anbauteile der Corvette in Sichtkarbon ergänzt er um einen Kohlefaser-Heckflügel. Den Klappenauspuff erweitert er um eine Druckknopffunktion am Schaltknauf – für "laut" und "leise". Die ZR1-Dämpfer tauscht er gegen strammere Exemplare. Die Blattfedern fasst er dagegen nicht an. Gleiches gilt für die Räder: "Kein anderes Modell ist so leicht und schultert eine derartige Traglast." Eine Schönheit ist das Auto nicht. Mit seinen vielen Ein- und Auslassöffnungen wirkt es zweckmäßig und weniger elegant als eine Z06.
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Ganz anders der Porsche: In seiner Gesamtheit steht das fast 50.000 Euro teurere Auto bildschön und stimmig da. Tuner TechArt legt allumfassend Hand an – behutsam, aber konsequent. Das Exterieur ziert ein hübsches Spoilerkit. Das Interieur schmücken andere Sitze, Instrumente, Lenkrad und Schaltknauf. Weiße Nähte und eingefärbte Zierteile verleihen den letzten Schliff. Dem Veredler stehen ab Werk nur 500 PS zur Verfügung. Daraus macht der schwäbische Tuner 620. Ein gewaltiger Sprung, der aber nur ein paar Korrekturen erfordert: modifizierte Elektronik, Fächerkrümmer, Sportauspuff. Ausgereizt ist der Motor damit nicht: TechArt spekuliert langfristig auf bis zu 700 PS. Der technische Leiter Martin Schmidt erklärt: "Die Anlagen – Ladeluftkühlung, Abgasstrang, Turbolader – sind erheblich besser als beim Vorgänger." Eingeschnürt in enge Sportsitze, startet der Pilot freudig erregt den Motor. Und wundert sich über den verhaltenen Sound, der in keinem Verhältnis zum spektakulären Geschehen steht: Erweist sich das Auto doch als scharf geschliffenes Präzisionswerkzeug, das dem Begriff Beschleunigung eine gänzlich neue Bedeutung verleiht.Ein Launch-Control-Start bietet einen Erlebniswert der unheimlichen Art. Wer den Motor hochdreht und das Bremspedal abrupt löst, fühlt sich auf einen Schlag nach vorn katapultiert. Und gleichzeitig mit eiserner Faust in den Sitz gedrückt. Die Besatzung verspürt nach langer Zeit endlich mal wieder dieses flaue Ziehen im Bauch, mit dem der Körper signalisiert: Was hier gerade abgeht, macht mir echt zu schaffen. Wahnsinn, was hier für Urgewalten am Werk sind. Dem Auto können die anscheinend nichts anhaben; bei Bedarf legt es einen Sprint nach dem anderen hin. Nach nur 2,9 Sekunden sind 100 km/h erreicht. Nur ein Bugatti Veyron kann das einen Wimpernschlag schneller – alles andere bleibt hilf- und sprachlos zurück. Und das Sperrfeuer lässt nicht nach: 0 bis 200 km/h dauern 9,4 Sekunden. Zum Vergleich: Das Serienauto lässt sich bis 100 km/h 3,3 Sekunden Zeit, bis 200 km/h 10,8 – eine Welt.
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Kann Geiger kontern? Sein Auto verzichtet auf Gimmicks wie Doppelkupplungsgetriebe und Startautomatik, vertraut stattdessen auf die Standfestigkeit eines klassischen manuellen Sechsganggetriebes. Und versetzt den Piloten gleichermaßen in Ekstase. Jedoch mit gänzlich anderen Mitteln: Nie hat die Besatzung das Gefühl, im Unklaren darüber gelassen zu werden, was eigentlich vor sich geht. Der Motor malmt grob vor sich hin, dreht laut brüllend hoch, vibriert, arbeitet, stampft. Dem Auspuff entweicht keine Musik, sondern ein brutales, rhythmisches, monotones Hämmern. Das Beschleunigungsvermögen ist imposant: Der erste Gang reicht bis über 100 km/h, der dritte Gang genau bis 200 km/h. Dieser Vorwärtsdrang verdient die Bezeichnung "infernalisch". Man kann es aber auch durchaus ruhig angehen lassen: Gegen schaltfaules Cruisen durch die Stadt im sechsten Gang bei weit unter 2000 Umdrehungen hat der bullige Motor nicht das Geringste einzuwenden. Schaltarbeit empfiehlt sich dennoch: Beim Runterschalten rotzen die Endrohre nämlich jedes Mal eine Armada von Fehlzündungen ins Freie – herrlich.Weitere Details zu Geiger Corvette und TechArt Porsche gibt es in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel mit allen technischen Daten und Tabellen finden Sie als Download im Heftarchiv.
| Fahrzeugdaten | Geiger Corvette ZR1 | Techart 911 Turbo |
|---|---|---|
| Motor | V8, Kompressor | B6, Biturbo |
| Einbaulage | vorn längs | hinten längs |
| Ventile/Nockenwellen | 2 pro Zylinder/1 | 4 pro Zylinder/4 |
| Hubraum | 6162 cm³ | 3800 cm³ |
| Bohrung x Hub | 103,25 x 92 mm | 102,0 x 77,5 mm |
| Verdichtung | 9,1 : 1 | 9,8 : 1 |
| kW (PS) bei 1/min | 509 (692)/6500 | 456 (620)/6400 |
| Literleistung | 112 PS/l | 163 PS/l |
| Nm bei 1/min | 840/3700 | 820/3600 |
| Antriebsart | Hinterrad | Allrad |
| Getriebe | 6-Gang manuell | 7-Gang-Doppelkupplung |
| Bremsen vorn | 394 mm/innenbel./gelocht | 380 mm/innenbel./gelocht |
| Bremsen hinten | 380 mm/innenbel./gelocht | 350 mm/innenbel./gelocht |
| Radgröße vorn – hinten | 10 x 19 – 12 x 20 | 8,5 x 19 – 11 x 19 |
| Reifengröße vorn – hinten | 285/30 R 19 – 335/25 R 20 | 235/35 R 19 – 325/30 R 19 |
| Reifentyp | Michelin Pilot Sport PS2 ZP | Michelin Pilot Sport Cup |
| Länge/Breite/Höhe | 4476/1929/1196 mm | 4450/1852/1300 mm |
| Radstand | 2685 mm | 2350 mm |
| Tankvolumen | 68 l | 67 l |
| Preis Testwagen | 154.898 Euro | 201.410 Euro |
| Messwerte | Geiger Corvette ZR1 | Techart 911 Turbo |
|---|---|---|
| Beschleunigung | ||
| 0– 50 km/h | 1,9 s | 1,2 s |
| 0–100 km/h | 3,7 s | 2,9 s |
| 0–160 km/h | 7,3 s | 6,2 s |
| 0–200 km/h | 10,2 s | 9,4 s |
| 0–300 km/h | 26,7 s | 25,4 s |
| Viertelmeile | ||
| 0–402,34 m | 11,54 s | 10,90 s |
| Höchstgeschwindigkeit | ||
| GPS-Messung | 338 km/h (abgeregelt) | 335 km/h |
| Elastizität | ||
| 60–100 km/h im 4. Gang | 3,6 s | 3,1 s |
| 80–120 km/h im 5. Gang | 4,6 s | 3,5 s |
| 80–120 km/h im 6. Gang | 6,2 s | 5,0 s |
| Bremsweg | ||
| 100–0 km/h kalt (Verzögerung) | 32,7 m (–11,8 m/s²) | 34,2 m (–11,2 m/s²) |
| 100–0 km/h warm (Verzögerung) | 33,4 m (–11,6 m/s²) | 35,0 m (–11,0 m/s²) |
| 200–0 km/h warm (Verzögerung) | 129,9 m (–11,9 m/s²) | 132,5 m (–11,6 m/s²) |
| Testverbrauch | ||
| Ø auf 100 km | 15,2 l SP (100 Oktan) | 13,2 l SP (100 Oktan) |
| Reichweite | 450 km | 510 km |
| Leergewicht | 1523 kg | 1617 kg |
| Leistungsgewicht | 2,2 kg/PS | 2,6 kg/PS |
| Zuladung | 209 kg | 343 kg |
| Testwertung | Geiger Corvette ZR1 | Techart 911 Turbo |
|---|---|---|
| Längsdynamik | 4 | 5 |
| Querdynamik | 4,5 | 4 |
| Alltag | 4 | 3 |
| Preis/Leistung | 3 | 2,5 |
| Emotion | 4 | 4,5 |
| Gesamt | 4 | 4 |
| 5 Punkte = traumhaft, 4 Punkte = macht an, 3 Punkte = akzeptabel, 2 Punkte = könnte besser sein, 1 Punkt = schwach | ||
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Kommentare zum Artikel (31)
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Porsche und die anderen Supersportler sollten sich warm anziehen, wenn es mal eine Vette mit Vierventilmotor, DSG, Allrad und Startautomatik gibt.
Ich persönlich würde die Vette vorziehen, spricht mich auf Grund der Form und des Konzeptes V8 und Heckantieb mehr an. Aber,was ich zB "dröge" finde das viele billig lackierte Plastik im Porsche und ja ich habe sogar schon in so einen Wagen gesessen.
@lutz
techart und alle anderen (seriösen) tuner verbauen bei einer leistungssteigerung von mehr als 70ps am turbo u.a. auch grössere vtg lader.
PS: Ich unterhalte mich logischerweise darüber, um was es im Beitrag geht – hier also um professionell getunte Fahrzeuge die auch locker dazu im Stande sind, einen sechsstelligen Kilometerstand zu erreichen. Wir können uns aber auch über die SERIENfahrzeuge der Hersteller und deren Literleistung LOL unterhalten, wo der Serien 911 Turbo S 530PS und der GT2RS 620PS hat... ;)