Technik im Winter

Technik im Winter Technik im Winter

Technik im Winter

— 07.03.2004

Kalt, kälter, k.o.

Grimmiger Frost stellt das Auto auf eine harte Probe: Es knarzt, es orgelt, und irgendwann versagt es auch. Wo ist die Grenze?

Reifen, Schlösser, Wischer

Dieser Winter hat bislang versagt, noch keine Frostrekorde gebrochen. Doch wer morgens mit tauben Fingern auf kalten Polstern kauert, den Motor mühsam orgelt und in träge Displays starrt, fragt sich schon: Wie viel Frost vertragen Autos?

Mehr jedenfalls als der Mensch. Neuste Studien zeigen: Klirrende Kälte verdoppelt die Reaktionszeit. Nerven und Muskeln reagieren träger, Auffahrunfälle häufen sich in den ersten fünfzehn Fahrminuten bei zehn Grad minus. Da schaffen Autos locker das Doppelte, wie unser Thermometer zeigt.

Schlösser, Wischer Wasser gefriert. Wo es sich sammelt, gibt‘s Probleme. Der Klassiker: das Türschloss. Schon ein kleiner Tropfen Graphitöl vor dem ersten Frost verhindert böse Schlüsselszenen. Gegen angefrorene Scheibenwischer helfen zwischen Scheibe und Gummilippe geklemmte Filmdosen.

Winterreifen Was kaum jemand weiß: Unter minus zehn Grad verlieren Winterreifen ihre Winter-Vorteile. Dann härtet ihre weiche Gummimischung so stark aus, dass die Fahrdynamik dahin ist, kaum ein Unterschied zu Sommerreifen bleibt. Einzig ihr Profil bringt auf Schnee bessere Traktion.

Batterie bis Zahnriemen

Dieselkraftstoff Sparmeister Diesel ist eine Frostbeule, nagelt nur bis 15 Grad minus. Dann erstarren die Paraffine (Wachs) im Dieselsprit und verstopfen den Kraftstofffilter. Zu wenig. Deshalb machen ihn die Produzenten von Oktober bis April mit Additiven zum „Winterdiesel“. So schafft er 22 Grad minus. x

Batterie, Motoröl Um die Kolben durchs kalte, zähe Motoröl zu treiben, braucht der Anlasser die doppelte Menge Strom. Gleichzeitig bringt die tiefgekühlte Batterie nur 40 Prozent ihrer Maximalleistung. Der Motor springt jetzt nur noch an, wenn die Batterie topfit ist, der Motor möglichst von 0W-Öl geschmiert wird.

Cockpit, Zahnriemen Wer sein Auto jetzt noch starten kann, hört dessen Qualen deutlich: Die Innenverkleidung knarzt und knirscht erbärmlich, das Auto schüttelt und poltert, als fiele es auseinander. Höchste Gefahr für den Zahnriemen. Er friert ein, bildet Risse und würde unter Belastung schnell durchreißen. Ein teurer Motorschaden wäre die Folge. Stillstand auch auf allen LCD-Displays – die winzigen Flüssigkristalle frieren ein.

Dämpfer, Getriebeöl Auch Getriebe- und Stoßdämpferöle dicken mit sinkender Temperatur ein, bleiben aufgrund der Herstelleranforderungen aber bis 40 Grad minus in trägem Fluss. Doch dann kommt das dicke Ende schnell, schon bei –45 Grad lauert der „Stockpunkt“: Darunter kann man das Öl mit dem Messer schneiden, alle Stöße poltern ungedämpft durchs Auto.

Scheinwerfer So viel Frost gibt es nicht mal an den Polen. Zum Glück: Er würde sogar Autos Tränen in die Scheinwerfer treiben. Zumindest denen mit Xenon und Halogen. Ab –110 Grad werden diese Edelgase flüssig.

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