Drängler auf der Autobahn

Tempolimit für Kleintransporter

— 01.04.2008

Freie Fahrt für Sprinter?

Tempo 130 war beschlossen. Nun gibt es Zweifel an der Gefährlichkeit der Kleintransporter. Die CDU fordert nun sogar, das Tempolimit ganz zu kippen.

Als die 36 Mitglieder des Verkehrsausschusses im Deutschen Bundestag aus den Osterferien nach Berlin zurückkehrten, fanden sie in ihren Fächern brisante Post: Die Beratungsunterlage aus dem Bundesverkehrsministerium mit der schriftlichen Anmerkung "bitte aufbewahren" sorgt für neuen Zoff in der Großen Koalition. Es geht um die Unfallbeteiligung von Kleintransportern der sogenannten Sprinter-Klasse. Neue Erhebungen der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) lassen das Unfallgeschehen weniger dramatisch erscheinen, als bisher angenommen. Auf einmal ist wieder fraglich, was längst schon beschlossene Sache war: ein Tempolimit von 130 km/h für Fahrzeuge von 2,8 bis 3,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht ab Mai 2008.

30 Prozent der Unfälle passieren innerorts

Begründung im November 2007: die stark steigenden Unfallzahlen bei Kleintransportern. Aus der neuen BASt-Studie liest nun jeder etwas anderes heraus. Die SPD und Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee sehen sich in ihrer Forderung nach einem Tempolimit für Kleintransporter bestätigt – die Union allerdings will nichts mehr davon wissen. Die Fakten: Laut BASt gibt es seit 2001 einen "Trendwechsel" bei Sprinter-Unfällen. Zwar stieg, bezogen auf alle Unfälle, der Anteil der Sprinter-Crashs bis 2006 leicht auf 1,9 Prozent an. Doch hat sich das Unfallgeschehen deutlich verlagert: 30 Prozent aller Unfälle mit Kleintransportern passieren inzwischen innerorts – nur elf Prozent auf Autobahnen und sogar nur sieben Prozent auf Landstraßen.

Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee: "Ich bleibe bei der Forderung nach dem Tempolimit"

Die Bundesanstalt für Straßenwesen gelangt zu dem Urteil: "Insgesamt ist festzustellen, dass sich der auf Autobahnen bis 2001 zu verzeichnende starke Anstieg der Unfallzahlen nach 2001 nicht weiter fortgesetzt hat, obwohl der Bestand der Kleintransporter weiterhin deutlich wächst." Für den Verkehrsminister ist das noch lange kein Anlass zur Entwarnung – im Gegenteil. Tiefensee verweist darauf, dass, wenn es kracht, die Folgen ganz besonders schlimm seien. Der Bundesverkehrsminister zu AUTO BILD: "Wurden 1996 noch 1733 Sprinter-Unfälle mit Personenschäden registriert, waren es 2006 dreimal so viele. Eine Trendwende ist bei diesen Zahlen nicht in Sicht." Er stehe einem Tempolimit weiterhin "sehr aufgeschlossen gegenüber", so Tiefensee.

Der CDU-Verkehrsexperte Dirk Fischer bekundet dagegen: "Ich halte ein Tempolimit nicht für zielführend. Es ist auf der Basis der neuen BASt-Studie statistisch nicht mehr zu begründen. Wir haben auf der Autobahn eindeutig weniger Probleme mit Sprintern als im nachgeordneten Straßennetz. Die meisten Sprinter-Unfälle passieren, wenn beim Bremsen die Ladung, wie etwa Möbel, verrutscht. Was wir brauchen, ist mehr Aufklärung und mehr Information über richtiges Laden." Hier, so Fischer, seien vor allem die Verleihfirmen gefragt.

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