Lkw auf der Autobahn

Terroranschlag auf Berliner Weihnachtsmarkt

— 29.12.2016

Verhinderte Bremsassistent Schlimmeres?

Beim Terroranschlag in Berlin hat das automatische Bremssystem des Lkw offenbar Menschenleben gerettet. Solche Sicherheitssysteme sind schon länger in der Diskussion.

Der Terroranschlag auf einen Weihnachtsmarkt in Berlin hätte vermutlich noch weitere Todesopfer gefordert, wenn der gekaperte Scania-Lkw kein automatisches Bremssystem an Bord gehabt hätte. Das berichteten am 29. Dezember 2016 mehrere Medien (u. a. "Spiegel", "Süddeutsche") unter Berufung auf Regierungs- und Ermittlerkreise. Demnach habe das System auf den Aufprall reagiert und mit einem automatischen Bremsmanöver die Fahrt nach rund 80 Metern gestoppt. Zwölf Menschen kamen bei dem Anschlag am 19. Dezember 2016 ums Leben, etwa 50 wurden verletzt. Ein Scania-Sprecher bestätigte auf Anfrage von AUTO BILD DIGITAL, dass der betreffende Lkw der R-Serie in Berlin mit dem Notbremsassistenten AEB (Advanced Emergency Brake) ausgestattet war. Das System arbeitet mit einem in der Fahrzeugfront montierten Abstandradar sowie mit einer Kamera hinter der Frontscheibe. Es warnt den Fahrer bei einem Hindernis in mehreren Stufen, ehe es als ultimative Maßnahme eine Vollbremsung auslöst. Nach Angaben des Scania-Sprechers könne der Fahrer die Warnung allerdings drei Sekunden lang ausblenden, indem er das Gaspedal bis zur Kickdown-Position durchtrete.
Die Sicherheitsgewinn durch elektronische Hilfssysteme bei Lkw ist bereits seit Monaten ein heiß diskutiertes Thema. Hauptgrund dafür sind tödliche Crashserien mit schweren Lkw auf unfallträchtigen Strecken wie zum Beispiel der Autobahn A2 zwischen Hannover und Braunschweig. Seit November 2015 müssen laut einer EU-Verordnung europaweit nahezu alle neu zugelassenen Nutzfahrzeuge ab acht Tonnen über ein Notbrems-Assistenzsystem verfügen. Allerdings ist es dem Fahrer – wie auch beim Scania-Truck von Berlin – möglich, das AEB-System abzustellen. Diesen Umstand kritisiert unter anderem der Bundesrat in einer Entschließung vom 25. November 2016. Darin fordert die Länderkammer eine Verschärfung der gesetzlichen Mindestanforderungen. Ein Notbremssystem solle "permanent verfügbar und ein Abschalten des Systems nicht möglich sein". Zudem müssten auch kleinere Fahrzeuge wie Motorräder vor drohenden Kollisionen technisch besser erkannt werden.

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