Neue Tesla (bis 2020)

Tesla-Chef verlängert für 10 Jahre

Elon Musk bleibt bei Tesla

Seit Monaten wurde spekuliert, jetzt steht es fest: Tesla-Chef Elon Musk hat einen neuen Zehnjahresvertrag beim Elektroauto-Hersteller in der Hand.
(dpa/cj/mbo) Noch vor Kurzem wurde darüber spekuliert, ob Elon Musk seinen Spitzenjob bei Tesla aufgibt und sich in seine Pläne zur Mars-Besiedelung vertieft. Damit räumte das Unternehmen am 23. Januar 2018 jedoch auf: Elon Musk bleibe bei Tesla, und zwar für weitere zehn Jahre. An den Vertrag sind demnach eine Reihe Aufgaben geknüpft. So wurden für den Börsenwert zwölf Zielmarken in Schritten von 50 Milliarden Dollar gesetzt. Ein Gehalt oder Boni werde Musk daher nicht bekommen, betonte Tesla. Ihm wurden außerdem Ziele für Umsatz und operativen Gewinn gesetzt, die Tesla nicht näher bezifferte. Die Aufgabe beim Börsenwert ist aber bereits extrem ambitioniert: Elon Musk soll ihn bis auf 650 Milliarden Dollar hochtreiben – von aktuell 59 Milliarden Dollar. Musk selbst zeigte sich optimistisch: "Ich sehe für Tesla das Potenzial, binnen zehn Jahren eine Billion Dollar wert zu sein", sagte er der "New York Times". Wenn Musk einzelne Zwischenziele erreicht, winken ihm rund 1,69 Millionen Aktien – aktuell ein Prozent am Unternehmen. Schafft er keine der gesetzten Marken, geht er komplett leer aus.

Baustellen für 2018

Zuletzt wurde der Druck auf Elon Musk immer größer: Seine gewagten Versprechen als Tesla-Boss drohen dem Mann zunehmend auf die Füße zu fallen. Beispielsweise kämpft das Unternehmen mit Problemen beim Hochfahren der Produktion seines ersten günstigeren Wagens Model 3. Das Ziel, auf 5000 Autos pro Woche zu kommen, wurde um ein halbes Jahr auf Ende Juni 2018 verschoben. Musk muss beweisen, dass er seine Ankündigungen auch umsetzen kann. Hier sind seine Baustellen für 2018:

Model 3 in die Spur bringen

Der Tesla Model 3 soll ein Elektroauto werden, das für die breite Masse erschwinglich ist.

Für Tesla ist das neue Auto extrem wichtig, denn es soll dem E-Auto-Pionier den Weg in den Massenmarkt ebnen. Es kostet rund 35.000 Dollar – etwa halb so viel wie die Luxusmodelle Model S und Model X – und hat einen Hype ausgelöst wie früher Apples iPhone. Kunden campten zum Verkaufsstart vor den Tesla-Filialen, es gibt Hunderttausende Bestellungen. Für 2017 rechnet Tesla insgesamt mit etwas mehr als 100.000 verkauften Autos. Für 2018 war mal von 500.000 produzierten Fahrzeugen die Rede. Und bis 2020 will Musk die Tesla-Produktion gar auf eine Million Autos pro Jahr hochfahren. Doch der Weg ist voller Stolpersteine: Mit lediglich 260 Model 3 wurde das Produktionsziel im dritten Quartal 2017 massiv verfehlt, der Zeitplan für den Anlauf der Serienfertigung musste verschoben werden. Statt Kampfansagen warnte Musk plötzlich: "Wir stecken tief in der Produktionshölle." Im November kam es noch dicker: Mit 619 Millionen Dollar (533 Mio. Euro) wurde der höchste Quartalsverlust der Firmengeschichte verkündet.

Tesla Model 3 (2018): Test und Infos

Zukunftsprojekte anschieben

Zwei Zukunftsprojekte auf einmal: Musk mit dem Tesla Semi-Truck und dem Roadster.

Die Liste der Tesla-Vorhaben ist lang: Spätestens Ende 2019 soll der Elektro-Truck Semi mit bis zu 800 Kilometern Reichweite auf die Straße. Zusammen mit dem E-Laster stellte Musk auch die Neuauflage des Tesla Roadster vor und skizzierte bereits einen elektrischen Pick-up-Truck – Starttermin offen. Zudem ist ein SUV-Crossover namens Model Y auf Model-3-Basis geplant, das eigentlich die hübsche Baureihenliste S - E - X - Y vervollständigen sollte. Leider aber schnappte Ford Tesla die Namensrechte für den Begriff "Model E" vor der Nase weg, woraufhin Musk das E kurzerhand umdrehte und das Model 3 erschuf. Der Firmenchef kündigte außerdem einen Bus für den öffentlichen Nahverkehr an. Sein langfristiger Plan sieht auch den Aufbau einer Flotte selbstfahrender Fahrzeuge vor, die als Roboter-Taxis und -Transporter den Verkehr revolutionieren sollen.

Bauvorhaben: Batteriewerk, China, Tunnel

Teslas Gigafactory im US-Bundesstaat Nevada entsteht in Zusammenarbeit mit Panasonic.

Die Lithium-Ionen-Batterie ist das wichtigste und zugleich teuerste Bauteil der Tesla-Stromer. Um die immense Menge an benötigten Akkupacks zu produzieren, entsteht in Nevada (USA) derzeit Teslas Gigafactory. Doch es gab Probleme, die mitverantwortlich für die Model-3-Verzögerung gewesen sein sollen, das Projekt wurde von Musk zur Chefsache erklärt. Zudem ist ein Auto-Werk in Shanghai für den riesigen chinesischen Markt geplant, die Einigung mit den dortigen Behörden liegt laut Musk vor. In etwa drei Jahren soll dort die Produktion beginnen, vorrangig um das Model 3 in China und Umgebung erschwinglich zu machen. Und dann ist da noch Musks Tunnelprojekt unter Los Angeles: Schon bald soll es das Gelände von Musks Raumfahrtunternehmen SpaceX im Stadtteil Hawthorne mit dem Highway 101 im Nordwesten verbinden, später gar Teil eines umfangreichen Hyperloop-Netzwerkes zum schnelleren Transport von Personen und Gütern sein (siehe unten).

Tesla-Chef Musk: Tunnel gegen Stau in L.A.

Image aufpolieren, Konkurrenz abwehren

Die Kratzer sind noch nicht gravierend, aber immerhin: Ewig wird Musk nicht das Geld von Investoren verbrennen können. Zudem gab es Meldungen über Massenentlassungen und einen rauen Umgang mit der eigenen Belegschaft. Und: Die Konkurrenz schläft nicht länger. Die Schwergewichte der Autowelt blasen beim Thema E-Mobilität inzwischen zur Jagd auf Tesla. GM hat mit dem Chevrolet Bolt EV bereits ein Angebot in der Preisklasse des Model 3 am Start und will bis 2023 weitere 20 E-Autos auf den Markt bringen. Auch Ford, VW und viele andere finanzstarke Branchengrößen wollen angreifen. Selbst der so selbstsichere Musk scheint da ins Grübeln zu kommen: "Ich habe in den vergangenen Wochen ernsthafte emotionale Schmerzen gehabt", sagte der 46-jährige Top-Manager in einem Interview kurz nach der Model-3-Präsentation: "Es hat jedes Quäntchen Willenskraft gebraucht, dieses Event durchzuziehen und dabei nicht wie der depressivste Typ dort auszusehen."

So soll der Highspeed-Tunnel unter L.A. aussehen

Neuer Tunnel-Blick: So sieht es im neuen unterirdischen Projekt von Elon Musk unter Los Angeles aus.

Elon Musk geht in den Untergrund – mit einem geplanten Highspeed-Tunnel unter Los Angeles. Ein Bild von der Website seiner Tunnelbaufirma "The Boring Company" (links) ist auf den ersten Blick eher unspektakulär und zeigt offenbar die ersten 150 Tunnelmeter, gelegen in der Nähe seines SpaceX-Hauptquartiers im Stadtviertel Hawthrone. Wie Musk twitterte, soll die Röhre schon bald zwei Meilen (gut 3,2 Kilometer) lang sein und "hoffentlich" in einem Jahr nach Nordwesten bis zum Highway 101 reichen.

Gebrauchtwagensuche: Elektroautos

Geplanter Teil eines Hyperloop-Netzwerkes

Musk hatte im April 2017 angekündigt, am SpaceX-Headquarter mit den Tunnelbauarbeiten beginnen zu wollen. Fast zeitgleich verkündete er via Twitter: "Das Warten auf Godot hat ein Ende. Die Bohrungen haben begonnen, das erste Tunnel-Segment für L.A. ist fertig." Dann schob er zwei Videos nach, auf denen ein Schacht mit Tunneleingang sowie das Stahlgerüst für den geplanten Auto-Fahrstuhl zu sehen ist. Nach seiner Vorstellung soll der Tunnel in Zukunft Teil eines umfangreichen Hyperloop-Netzwerkes zum schnelleren Transport von Personen und Gütern sein. Unter anderem sollen in der Unterwelt autonome Tesla verkehren und so den Dauerstau in der kalifornischen Metropole umgehen. Denn seit Februar 2017 ist Los Angeles mit seinem berühmt-berüchtigten Freeway 405 laut einer neuen Statistik die Stadt mit den meistverstopften Straßen weltweit. Auch ein kurzes Video, in dem ein Model S im Boden verschwindet, gibt es bei Instagram. Dabei handelt es sich, so der Titel des Posts, um einen Test des Auto-Aufzugs seiner Tunnelbaufirma.

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