Tesla Model 3 (2018): Test und Infos

Tesla Model 3 (2018): Test und Infos

Tesla Model 3 (2018): Test, Reichweite, Innenraum, Preis

Alle Infos zum Model 3

AUTO BILD hat alle Infos zum Preis, zur Reichweite und zur Ausstattung des Tesla Model 3 – und den ersten Fahrbericht. Nun wird der Europa-Marktstart auf 2019 verschoben.

Einstiegsversion erst Ende 2018, EU-Start 2019

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Rückschlag für Tesla-Fans: Die heiß ersehnte Auslieferung der Einstiegsversion des Model 3 wird auf Ende 2018 verschoben. Das berichtet das US-Autoportal "Car and Driver". Verfügbar ist in den USA derzeit nur das Model 3 mit dem großen 75-kWh-Akku, der eine Reichweite von 500 Kilometern ermöglichen soll. Von dieser Version wurden bis Ende Mai 2018 gut 11.000 Autos ausgeliefert. Im Blickpunkt aber steht das Basismodell des Model 3 zum Grundpreis von 35.000 US-Dollar, es gilt als das am ehesten bezahlbare E-Auto für den Massenmarkt. Bei diesem Modell soll der Akku rund 350 Kilometer Reichweite ermöglichen (220 Meilen). Das Problem: Diese Einstiegsversion wird Tesla in den USA frühestens Ende 2018 auf den Markt bringen. 
Für deutsche Kunden bedeutet das ebenfalls längere Wartezeiten: Wie Musk auf eine Twitter-Anfrage antwortete, beginnt die Auslieferung des linksgelenkten Model 3 nach Asien und Europa erst im ersten Halbjahr 2019 – ein halbes Jahr später als ursprünglich angepeilt. Die Briten müssen sich noch länger gedulden: Rechtslenker werden laut Musk "wahrscheinlich" frühestens Mitte 2019 ausgeliefert. 

Model 3 im AUTO BILD Gebrauchtwagenmarkt

Wer es nicht abwarten will, der kann über Umwege schon jetzt ein Model 3 in Deutschland bekommen. Es gibt Privatpersonen, die ein Model 3 nach Deutschland importierten. Im AUTO BILD Gebrauchtwagenmarkt wird ein fast neues Model 3 in Deutschland für 65.000 Euro angeboten. Um die Zulassung des US-Modells muss sich der Käufer allerdings selbst kümmern.
Hier geht es zum Inserat: Tesla Model 3 in Deutschland 
Zudem bietet auch eine Autovermietung das Model 3 in Deutschland an. Die Autovermietung Arndt in Neuss bei Düsseldorf hat drei der US-E-Limousinen auf eigene Faust importiert. Der Haken an der Sache: Vorerst können nur gewerbliche Kunden, z.B. Unternehmen aus der Fahrzeugindustrie und Zulieferer-Firmen, für Testzwecke ein Model 3 anmieten. Grund ist die fehlende Homologation des Modells in Deutschland.

Video: Tesla Model S, X, 3 und Y (2017)

Die Tesla-Generationen

Das Model 3 bekommt zwei Akku-Varianten mit 50 und 75 Kilowattstunden (kWh) Kapazität, die für Reichweiten von 220 bis 310 Meilen (350 bis 500 Kilometer) sorgen sollen. Die amerikanische Umweltbehörde EPA will mit einem Model 3 Long Range sogar umgerechnet 797 Kilometer (495 Meilen) rein elektrisch gefahren sein. Diesen Werten liegen wohl optimale Bedingungen zugrunde. Gegenüber dem in den USA angepeilten Einstiegspreis von offiziell 35.000 Dollar vor Steuern dürfte der Verkaufspreis in Europa höher ausfallen.

Allrad-Topmodell P100D "wahrscheinlich" im Juli 

Das von vielen sehnlich erwartete Topmodell P100D mit zwei Elektromotoren und Allradantrieb wird laut Elon Musk "wahrscheinlich" im Juli 2018 auf den Markt kommen. Das twitterte der Tesla-Chef Anfang April 2018. Erst wenn es gelinge, 5000 Model 3 pro Woche fertigzustellen, könne die Produktion auf weitere Motoren und Ausstattungen ausgeweitet werden – auch beispielsweise weiße Sitze sollen von Juli an lieferbar sein. Den Original-Tweet sehen Sie, wenn Sie auf den Twitter-Eintrag von Brandon Ledford klicken, Musk hat dessen Frage so beantwortet:

So schnell sprintet das Model 3

Offiziell schafft die schnellste Version den Sprint bis 100 km/h in 5,1 Sekunden, beim Performance-Topmodell dürften dafür weniger als drei Sekunden nötig sein. Allerdings wird das Mittelklasseauto nicht schneller als der Model S (0 bis 100 km/h in 2,7 Sekunden) beschleunigen. Wie bei den anderen Tesla-Modellen dürften der besonders schnelle "Ludicrous"-Modus und die "Smart Air"-Luftfederung beim Model 3 P100D serienmäßig sein. AUTO BILD rechnet beim Performance-Modell mit einem Einstiegspreis von 80.000 Dollar.

Gebrauchtwagensuche: Tesla

Innenraum: Reduziert, modern und luftig

Das gigantische Display wird horizontal eingebaut. Herkömmliche Instrumente entfallen.

©Tesla

AUTO BILD konnte den Innenraum des Model 3 schon inspizieren: AUTO BILD-Redakteur Hauke Schrieber öffnet ein Model 3 per Smartphone und nimmt Platz. "In der Zukunft", wie er sagt: "Das Cockpit besteht aus Lenkrad mit zwei kleinen Knöpfen, die alles regeln, einem 15-Zoll-Touchscreen und sonst: nichts. Rundinstrumente? Lüftungsdüsen? Schalter? Mittelkonsole mit Gangwahlhebel und Handbremse? All das kommt mir plötzlich uralt vor. Braucht kein Mensch mehr. Dafür Platz, und den hab ich mehr als genug. Trotz 1,92 Metern eine Handbreit überm Kopf (auch hinten!) und im Fond ausreichend Beinfreiheit. Nicht Business-Class, aber Premium-Economy. Frischluft kommt im Model 3 über ein neuartiges Belüftungssystem aus einem einzigen Schlitz."

Fahren: Heimliche Testfahrt in den USA

Die erste ausführliche Testfahrt findet im Geheimen statt, denn offizielle Testfahrzeuge gibt Tesla nicht heraus. AUTO BILD gelang es dennoch, ein Model 3 im winterlichen Detroit zu fahren: Gestartet wird der Motor über den Hebel rechts am Lenkrad, der gleichzeitig den Gang einlegt und per Doppelklick den autonomen Fahrmodus ("Autopilot") aktiviert. Der E-Motor reißt an wie ein hungriger Husky und wuchtet aus dem Stand bis zu 525 Nm an die schmalen 18-Zoll-Reifen. Die Motorleistung gibt Tesla mit 192 kW an. Auf den Rollenprüfstanden maßen einige Wettbewerber sogar zwischen 200 und 220 kW. Also los und rauf auf die vereisten Straßen Detroits. Den Sprint von 0 auf 100 km/h schafft das 1730 Kilo schwere Schrägheck laut Werksangabe in knapp über fünf Sekunden. Und in der Allradversion steht mit Sicherheit eine vier vor dem Komma. Vor allem im mittleren Tempobereich begeistert der Beschleunigungs-Mix aus Katapult und Nachbrenner – so kommt es uns zumindest vor. Es ist eine Gummiband-Beschleunigung, die natürlich Strom kostet. Zwar schafft das Model 3 eine Spitzengeschwindigkeit von 225 km/h. Aber jenseits von Tempo 160 kann man zuschauen, wie sich die Batterie im Zeitraffer entlädt.

Komfort ist nicht die Stärke des Model 3!

Ohne Hände, aber nie ohne Aufmerksamkeit. Der Autopilot im Model 3 darf nicht dazu verleiten, den Blick länger von der Straße abschweifen zu lassen.

In Verbindung mit dem größeren, in unserem Auto verbauten 75-kWh-Akku beträgt die maximale Reichweite knapp 500 Kilometer. Schon nach gut 30 Kilometern auf dem Freeway ist der Ladezustand von 65 auf 45 Prozent abgesackt. Auf Langstrecken empfiehlt es sich daher, den Tempomaten einzuschalten. Fast alles, das irgendwie mit Fahrdynamik zu tun hat, absolviert das Model 3 souverän und ohne Fehltritte. Selbst in Michigan, wo das Salz jeden Winter neue Krater in den Belag frisst, überzeugt die Straßenlage durch hohe Stabilität und trittsicheren Grip. Der Preis, den man dafür zahlt, spürt man zuerst in den Händen, dann am Hosenboden und irgendwann auch im Kreuz. Heißt: Komfort ist leider nicht seine Stärke. Es gibt nämlich zunächst weder Verstelldämpfer noch die Luftfederung des Model S. Und weil der Wagen mit dem Top-cw-Wert von 0,23 auch noch deutlich tiefer liegt als ein 3er-BMW, sind die Federwege kurz und knackig. Das kann Spaß machen, aber irgendwann nervt es. Genauso wie die Sitzposition im Fond, wo der Allerwerteste gefühlt nur eine Handbreit über dem Boden dahinschrubbt, was Großgewachsene zu einer unbequemen und ungesunden Z-förmigen Körperhaltung zwingt. Die Lenkung ist in drei Schritten verstellbar: Komfort, Standard, Sport. Schnell wird klar: Die Standard-Einstellung ist für die Herausforderungen Ansprechverhalten, Kraftaufwand und Präzision der beste Kompromiss.

Zwei Rekuperationsmodi und kleiner Wendekreis

Das Model 3 erlaubt die Wahl zwischen zwei mehr oder weniger starken Rekuperations-Modi: Das Standardprogramm ist beim Bergabfahren sinnvoll, doch in der Ebene ist die Bremswirkung so stark, dass man immer wieder mit dem Druck aufs Fahrpedal ausgleichen muss. Weniger wäre mehr! Für das spurtreue und nachhaltige Bremsen sammelt der Tesla Pluspunkte, von denen er ein paar wegen des hohen Pedaldrucks und der mäßigen Dosierbarkeit wieder abgeben muss. Ein Extralob gibt es für den engen Wendekreis, der typisch ist für E-Autos, bei denen kein Triebkopf den Lenkwinkel einschränkt. Je länger die Fahrt dauert, desto breiter wird unser Grinsen. Vor allem, als der "Boost-Effekt" für fünf Sekunden noch mal zehn Prozent mehr Drehmoment an die Hinterräder befördert. Dort nimmt sich das gut eingespielte Trio aus ABS, ASR und ESP ausgewogen der Sache an. Gleiches gilt für den stehenden Start mit automatisch aktivierter Launch Control, die so dicht an der Schlupfgrenze arbeitet, wie es die Reibwerte von Reifen und Fahrbahn zulassen.

Nachteile des Tesla Model 3

Da es kein Head-up-Display gibt, wandert der Blick oft nach rechts auf das waagerechte Tablet voller Infos. Und weniger auf die Straße. Hauke Schrieber: "Das ist der Nachteil dieses radikalen Designs. Und: Auch bei Tesla muss der vergleichsweise günstige Preis irgendwo herkommen – also ist auch Plastik verbaut, der Kofferraum kann nur mechanisch geöffnet werden. Und wer das "offenporige Holzdekor", doppelte Ablagefächer und zweifachen Handy-Anschluss haben will, zahlt noch mal 5000 Dollar für das "Premium-Package".

Ausstattung: Luftfederung für das Model 3

Model 3-Kunden haben wenig Auswahl, damit die ersten Autos so schnell wie möglich vom Band rollen.

©Twitter/@sfmartinlin

Elon Musk hat auf Twitter verraten, dass das Tesla Model 3 in den USA ab Anfang 2018 mit Luftfederung erhältlich ist. Die Smart Air Suspension kann sich dabei sogar automatisch an Auffahrten oder ähnliches anpassen und nutzt dazu GPS-Daten. Die Luftfederung ist bei Model S und Model X so beliebt, dass Tesla das System in den USA zur Serienausstattung gemacht hat (vorher 3000 US Dollar Aufpreis). Für das Model 3 wird das Feature extra kosten und nur in Verbindung mit dem großen Batterie-Pack erhältlich sein. Abgesehen davon räumt Tesla den Kunden zunächst kaum Wahlmöglichkeiten bei der Ausstattung ein, um die Produktion schnell hochfahren zu können: Nur die Lackfarbe, Räder und die Autopilot-Funktion stehen zur Wahl. Das Komfortpaket und der größere Akku sind Standard, erst später will Tesla eine günstigere Version nachreichen.
Aufpreisliste ● Premium-Interieur: 5000 US-Dollar (USD)Autopilot: 5000 USDvollautonomes Fahren (wenn verfügbar und nur mit Autopilot): 3000 USDMetallic-Lack: 1000 USD19-Zoll-Sporträder: 1500 USD

Laden: Kein kostenloses Supercharging

Das Schnellladen an den Superchargern wird nicht kostenlos sein wie etwa beim Model S und Model X. Möglicherweise bietet Tesla eine nachbuchbare Schnellladefunktion an, diese Option gab es bereits für die Einstiegsversion des Model S mit 60-kWh-Batterie (nicht mehr erhältlich).

Elektroautos und ihre Reichweite: Ranking

Preise und Motoren: So schnell sprintet das Model 3

Für das Tesla Model 3 haben bereits mehrere Hunderttausend Menschen 1000 Euro angezahlt. Und Tesla-Boss Elon Musk erwartet, dass es bald eine Million sein werden. Weil der Preis (in den USA) bei knapp 35.000 US-Dollar (umgerechnet 29.900 Euro) beginnt. Abzüglich verschiedener E-Subventionen könnte das "E-Auto für alle" in den USA bei 25.400 Dollar (21.400 Euro) starten. Theoretisch. Sehr theoretisch. Tatsächlich wird das Auto (bis zu 500 Kilometer Reichweite und voll ausgestattet), über 60.000 Dollar (50.500 Euro) kosten und mit ein paar Optionen an der 70.000-Dollar-Marke (59.000 Euro) kratzen. In Deutschland dürfte das erste private Model 3 vermutlich erst 2019 über die Straßen rollen, der Preis ist noch unklar.
Model 3 (Standard) • Akku-Größe: 50 kWhLeistung E-Motor: k.A.Reichweite: bis 350 kmLadedauer: 210 km Reichweite/30 Min. (Supercharger); 48 km Reichweite/Std. (32A)0 bis 100 km/h: 5,6 sHöchstgeschwindigkeit: 210 km/hLeergewicht: 1610 kg • Preis: ab 35.000 USD.
Model 3 (Long Range) • Akku-Größe: 75 kWhLeistung E-Motor: k.A.Reichweite: bis 500 kmLadedauer: 272 km Reichweite/30 min (Supercharger); 60 km Reichweite/ Std. (40 A)0 bis 100 km/h: 5,1 sHöchstgeschwindigkeit: 225 km/hLeergewicht: 1730 kg • Preis: ab 44.000 USD.
Allgemeine Daten • Abmessungen: L/B/H 4694/1849/1443 mm • Radstand: 2875 mm • cw-Wert: 0,23 • Heckantrieb • Hersteller-Garantie: 4 Jahre oder 80.000 km • Garantie auf Akku: 8 Jahre oder 160.000 km (Standard) bzw. 192.000 km (Long Range)

Neue Beschleunigungswerte

An der Startlinie zeigt sich der Tesla 3 fixer als gedacht. Die Beschleunigungsexperten von "Drag Times" haben die Beschleunigung einer Long-Range-Version des neuen Stromers auf der Straße nachgemessen. Ergebnis per VBOX-Messung: Von 0 auf 60 mph (0-97 km/h) sprintete das Model 3 in knapp 4,7 Sekunden, also fast fünf Zehntelsekunden schneller als offiziell angegeben (5,1 Sekunden). Damit liegt der Kompakt-Stromer fast schon im Bereich der "langsamsten" Model-S-Variante (4,2). Ähnliches fanden auch die Kollegen vom "Tesla Racing Channel" heraus, die das Model 3 ins Drag Race mit zwei Model S schickten (siehe Video unten). Zudem lieferte der Test von Drag Times weitere Leistungsdaten: So absolvierte das Model 3 die Viertelmeile in 13,376 Sekunden, bei einem Spitzentempo von 103 mph (165.76 km/h).

Infos zur laufenden Produktion

Finanziell ist und bleibt das Model 3 Problemkind und Hoffnungsträger zugleich, doch die Massenproduktion kann Tesla nur zögerlich hochfahren! Firmenkreisen zufolge lässt Tesla die Fertigung des Model 3 in seinem kalifornischen Werk sechs Tage lang ruhen. Vom 26. bis zum 31. Mai 2018 sollten in Fremont Verbesserungen an den Anlagen vorgenommen werden, sagten zwei Insider gegenüber Reuters. In dieser Zeit will Tesla Schwierigkeiten bei der Massenherstellung ausbügeln. Der US-Konzern will die Produktion des wichtigen Fahrzeugmodells bis zur Jahresmitte auf 5000 Stück pro Woche steigern. Das ist die Zielvorgabe von Tesla-Chef Elon Musk. Ende März rollten etwas mehr als 2000 Fahrzeuge von den Bändern. Mit dem Model 3 will Tesla den Aufstieg von einem Nischenanbieter zu einem Massenhersteller von Elektroautos schaffen.

Tesla Model 3 (2018): Test und Infos

Autoren: Katharina Berndt, Georg Kacher, , Maike Schade

Fotos: Tesla

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