Tesla Model S/BMW M5: Vergleich

— 09.08.2013

Die Turbo-Lader

Teslas Elektro-Limousine Model S auf Schnelllade-Testfahrt an der amerikanischen Ostküste. Als Kontrast dabei: ein M5 von BMW.



Interstate Highway 95 Richtung Nordosten. Manhattan liegt hinter dir, rechts die Meerenge von Long Island, an deren südlichem Rand vor fast 100 Jahren die Romanfigur Gatsby lebte. Feine Gegend. Dein Tesla Model S jagt einem Porsche einen gehörigen Schrecken ein, kommt angeschlichen auf der mittleren Spur, dann ein Tritt aufs Pedal, und der 911 wird im Heckfenster zu einem vagen Fleck. Nur der BMW M5 hält mit, macht einen Höllenlärm dabei, viele lieben das, du aber brauchst das nicht wirklich. Dein Blick wandert zwischen der Straße und dem riesigen 17-Zoll-Bildschirm hin und her. Noch 50 Meilen bis Milford, Connecticut. Bis zum Supercharger, Teslas eigener Schnellladestation.

Überblick: Alle News und Tests zum Tesla Model S

Kommt im August 2013 in Deutschland auf den Markt: Das Tesla Model S ist ab 71.400 Euro zu haben.

Dieses Model S, diese rein batterieelektrische Luxuslimousine, ist schon ein Ereignis für sich. In den USA bereits erfolgreicher als die deutsche Konkurrenz, kommt Teslas erste komplett eigene Entwicklung im August 2013 zu Preisen ab 71.400 Euro auf unseren Markt. Zeitgleich werden in Norwegen Europas erste Supercharger installiert. In Amerika gibt es bereits neun davon, und im kommenden Winter sollen es bereits so viele sein, dass du mit dem Model S ohne Probleme von der Ost- zur Westküste reisen kannst. Sie machen das Auto – mit einer Reichweite von bis zu 480 Kilometern ohnehin längst kein Stadtauto mehr – endgültig zu einem veritablen Langstreckenmodell. Und sie machen das Model S zu einem Turbo-Lader, dessen Akkus nach einer 30-Minuten-Kaffeepause schon wieder neue Energie haben für die nächsten 240 Kilometer deiner Route. Auf dem Weg nach Milford spürst du die brachiale Beschleunigung und das enorme Drehmoment des 306-kW-Motors. Der M5 hinter dir bietet mit den 412 kW aus seinem Turbo-V8 zwar noch etwas heftigere Werte auf, seine Traktionsprobleme merkst du in deinem Model S aber nicht so sehr.

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"Reserviert für Tesla": Der kalifornische Autobauer betreibt selbst entwickelte Schnellladestationen.

Du fährst so sportlich, wie es die US-Highways erlauben. Die Verbrauchsanzeige, die bei jedem freudigen Tritt aufs Pedal neue Rekordwerte verkündet, würdigst du keines Blickes. Denn da vorn liegt die Raststätte Milford Plaza: eine Tankstelle, ein halbes Dutzend Restaurants und zwei Supercharger, Teslas selbst entwickelte Schnellladestationen. Hier fließt Strom in einem 3,6 Zentimeter dicken Kabel, 90 Kilowatt in der Stunde, vorbei an der On-Board-Ladeeinheit, direkt in die Batterie. "Reserviert für Tesla" steht auf einem Schild. Welcher Autohersteller kann schon von sich behaupten, öffentliche Parkplätze nur für seine Modelle anbieten zu können? Ein "Reserviert für BMW"-Schild suchst du hier jedenfalls vergeblich. An der Tankstelle fließt ordentlich Benzin in den Tank des M5, danach wird an der Kasse gezahlt. Der Strom für dein Model S geschenkt. Von Tesla. "Die Energiekosten machen doch nun wirklich nicht mehr viel aus", hatte Teslas Technikchef Jeffrey B. Straubel vor der Fahrt gesagt. Die Firma mag noch keine Millionen von Kunden haben, aber jene, die schon Tesla fahren, sollen sich mehr als nur behandelt fühlen.

Du steckst das dicke Kabel hinten direkt neben der linken Heckleuchte in die Ladebuchse und kontrollierst auf dem Display den Ladevorgang, bevor du dich auf einen Kaffee und ein Stück Pizza in die Raststätte setzt. Weil die Akkus noch mehr als halb voll sind, reduziert der Supercharger die Ladegeschwindigkeit selbstständig. 144 Meilen verbleibende Reichweite, also 230 Kilometer, zeigte das Display zu Ladebeginn an. Als du 30 Minuten später zum Auto zurückkehrst, sind es 243 Meilen oder 388 Kilometer. In 30 Minuten kostenloser Strom für fast 160 Kilometer. Um die Batterien zu schonen, lädt der Supercharger sie nie komplett auf. Und wenn du mit fast leeren Akkus an die Ladestation fährst, wird dein Model S in derselben Zeit sogar mit doppelt so viel Strom versorgt.

Überblick: Alle News und Tests zum BMW M5

Durstiger Sportler: Trotz schonender Fahrweise braucht der M5 zwölf Liter Super auf 100 Kilometer.

Natürlich ist der BMW M5 viel schneller mit dem Tanken fertig. Keine zehn Minuten, und der Sprit ist eingefüllt, der Pausenkaffee ausgetrunken. Aber obwohl dieser Model-S-Gegner aus Bayern heute schonend bewegt wird, beträgt sein Verbrauch knapp zwölf Liter. Und das Benzin gibt es an der Tankstelle Milford Plaza für BMW-Fahrer nun mal nicht gratis. Straubel plant sogar eine Ladezeit des Superchargers von nur fünf Minuten. Und bald soll das komplette Aufladen bei Tesla schneller gehen als das vollständige Auftanken bei Autos mit Verbrennungsmotor dafür dann aber nicht mehr kostenlos. Tesla hat eine Akku-Wechseltechnik entwickelt und bereits öffentlich vorgestellt. In nur 90 Sekunden könnte dabei ein leerer Akku gegen einen vollen getauscht werden. Preis des Sekunden-Wechsels, der eher für den Notfall gedacht ist: 60 Dollar. Eine erste mit 50 Akkus ausgestattete Wechselstation will Tesla in Kalifornien aufstellen. Kein ganz risikoloses Unterfangen: Der Dienstleister Better Place ist trotz einer funktionierenden Technik mit dieser Idee pleitegegangen.

Du machst dich auf den Rückweg nach Manhattan, genießt die Blicke aus den anderen Autos herüber zu deiner Limousine. Du suchst nach Schwächen. Und findest: hinten
wegen der niedrigen Dachlinie ein schwieriger Einstieg und weniger Platz im Fond als beim BMW. Du findest eine Verarbeitung, die noch nicht an das Großserienniveau eines Weltkonzerns herankommt, aber die erstaunlich routiniert wirkt für einen Hersteller, der gerade erst lernt, wie tausendfache Qualität im Detail geht. Der M5 da neben dir auf dem Highway ist noch immer ein Traumauto – gerade auch für die Amerikaner. Ein Maßstab, wenn es um die Verbindung von Rennstrecken-Emotionen und Alltagstauglichkeit geht. Der M5 kostet über 100.000 Euro, knapp 30.000 Euro mehr als dein Model S, das du jetzt aus lauter Freude am Fahren mit einem knappen Zucken im rechten Fuß beschleunigst, dass sogar Gatsby feuchte Augen bekommen hätte.

Du fährst in einer Limousine, die mit einem M5 nicht nur auf dem Highway mithalten kann und zudem noch den Clou des E-Antriebs besitzt. Du fährst in einem Wagen, der die deutschen Hersteller von Premiumautos im wahrsten Sinne des Wortes alt aussehen lässt.

Autoren: Hauke Schrieber, Stefan Voswinkel

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