Im Tesla Model S von Amsterdam nach München

Tesla Model S: Von Amsterdam nach München Tesla Model S: Von Amsterdam nach München Tesla Model S: Von Amsterdam nach München

Tesla Model S: Von Amsterdam nach München

— 20.12.2013

Deutschlands erste E-Autobahn im Test

906 Kilometer in knapp zwölf Stunden: Mit dem Tesla Model S und der Hilfe von Schnellladestationen fuhr autobild.de von Amsterdam nach München. Eine faszinierende Reise in fünf Etappen.

Elektroautos haben eine zu geringe Reichweite und eine zu lange Ladezeit – zwei der wichtigsten Totschlagargumente von Skeptikern der Elektromobilität. Mit der Einführung des Model S (Reichweite bis zu 500 Kilometer) im Herbst 2012 in Deutschland und der nun eröffneten ersten drei Supercharger auf deutschem Boden (laden mit 120 Kilowatt die Akkus in 30 bis 40 Minuten zu 80 Prozent auf) will Tesla Motors nun den Beweis antreten, dass das E-Auto auch langstreckentauglich sein kann. autobild.de ist die erste deutsche E-Autobahnlinie von Amsterdam nach München abgefahren: 903 Kilometer mit vier Superchargern an der Strecke.

Der Start

Immer im Blick: der übergroße Monitor, der Tempo, Verbrauch und restliche Reichweite anzeigt.

Vor dem Tesla Service Center in einem Industriegebiet im Süden von Amsterdam wartet im Morgengrauen und bei plus neun Grad die Elektro-Limousine Tesla Model S P85+ auf mich: 416 PS, ab 97.600 Euro teuer – das derzeit vielleicht faszinierendste Auto auf unseren Straßen. Voll geladen weist es eine maximale Reichweite von 501 Kilometer aus – ein theoretischer Wert bei optimalen Bedingungen. Die Route entlang der vier Schnellladestationen in Zevenaar (kurz vor der deutschen Grenze), Wilnsdorf (NRW), Bad Rappenau (Baden-Württemberg) und Jettingen-Scheppach (Bayern) zum Ziel (Tesla Service Center in Feldkirchen bei München) beträgt etwas mehr als 900 Kilometer. Würde ich mit einem konventionellen Auto fahren, könnte ich eine kürzere Strecke wählen – aber mit 822 Kilometern ist sie nicht viel kürzer.

Bilder: Tesla baut das Netz seiner Ladestationen aus

Tesla Ladestation Model S Entwicklung des Netzausbaus von Tesla-Ladestationen Entwicklung des Netzausbaus von Tesla-Ladestationen

Erster Ladehalt

Um 8.13 Uhr rollen Fotograf Sven Krieger und ich lautlos vom Hof. Der erste Supercharger ist nur 107 Kilometer entfernt, wir könnten die enorme Beschleunigung gleich mal genießen, doch zwei Dinge halten uns davon ab: Regen und Stau auf den niederländischen Schnellstraßen. Um 9.15 Uhr erreichen wir Zevenaar. Sieben Ladestationen, vier(!) sind schon besetzt. Wegen staatlicher Förderung ist unser Nachbarland eine Hochburg der E-Mobilität. Dass die Akkus noch recht voll sind, bedeutet einerseits: Wir müssen nur kurz laden, um die zweite Etappe (231,9 Kilometer) zu schaffen. Andererseits lädt der Supercharger die Akkus – um sie zu schonen – langsamer, je voller sie sind. Ich treffe den Holländer Wouter Koelewijn, der sein Model S seit vier Wochen besitzt und bereits 5400 Kilometer damit gefahren ist. Er arbeitet in Bonn, und auf den 175 Kilometern haue er "den Strom raus wie der Teufel". Deutsche Autobahnen plus kostenloser Strom (Tesla zahlt), das  sei doch die perfekte Kombination.

Tesla Model S Marktstart

Tesla Model S Tesla Model S Tesla Model S
Also weiter nach Deutschland. Tempomat auf 135 km/h; bei der Geschwindigkeit liegt der Verbrauch bei rund 40 kWh. Damit sollten wir entspannt das Zwischenziel erreichen. Bei diesem Tempo sorgen Abroll- und Windgeräusche dafür, dass es im Model S nicht so E-Auto-typisch still ist. Aber immer noch leise. Auf dem riesigen 17-Zoll-Touchscreen wird die Rest-Reichweite unter Berücksichtigung meines Fahrstils der vergangenen zehn, 20 und 50 Kilometer berechnet. Wir liegen gut im Rennen.

Mittagspause

Luxusllimousine hin oder her: Nach stundenlanger Fahrt schmerzt dann doch der Rücken.

Ankunft beim Supercharger in Wilnsdorf (A45 bei Siegen) um 12.19 Uhr. Im Akku noch Saft für 26 Kilometer. Klingt wenig, hat uns aber keine Reichweitenangst gemacht, weil wir ja genau wussten, wo der nächste Ladepunkt ist und planen konnten. Also das dicke Ladekabel rein und Mittagessen gehen. Dabei treffen wir Matej Cer aus Slowenien, der mit seinem Model S von Ljubljana nach Amsterdam unterwegs ist. Seine Firma habe 20 Model S bestellt, erzählt er; er wolle sie in seiner Heimat und in Kroatien vermieten.

Dritte Etappe

Dann begehe ich einen Fehler: Ich beende das Laden nach 37 Minuten vorzeitig, weil ich glaube, die angezeigte maximale Reichweite von 350 Kilometern reiche für die dritte Etappe über 244 Kilometer. Schnell merke ich, dass ich mich verrechnet habe. Also Tempomat auf 113 km/h – eine Geschwindigkeit, die dem Auto nicht angemessen ist. Aber egal, geschwitzt wird trotzdem. Die Anzeige warnt: "Charge Now!", als wir in Bad Rappenau den Autohof mit den acht Superchargern rollen. Kay Nekolny und Daniel Ruscheinsky erwarten uns bereits. Die beiden Betreiber des Autohofes begrüßen jeden Tesla-Fahrer persönlich. Zehn waren es, seit die Ladestationen vor sieben Tagen in Betrieb gingen. Wir sind hier ja schließlich nicht in Holland ...

Letzter Supercharger

Nach einem Gratis-Kaffee geht es 45 Minuten später (es ist 16:10 Uhr) weiter. Diesmal mit 354 km Reichweite für die vierte, 200,5 Kilometer lange Etappe. Wäre nicht auf der A81 bei Stuttgart wie immer Stau, wir könnten Watt geben und Zeit gut machen. Langsam tun uns unsere Rücken weh, denn die Sitze im Tesla S sind nicht ganz so langstreckentauglich wie bei anderen Premium-Modellen. Als die Autobahn wieder frei ist, beginnt wieder das Rechnen. Nicht die Frage: Komme ich an? Sondern: Wie schnell darf ich fahren, um anzukommen? Wir erreichen den letzten Supercharger um 18.23 Uhr. Da die Etappe ins Ziel nur 116,4 Kilometer lang ist, genügt ein 15-Minuten-Quickstop, an dessen Ende der Reichweitomat 219 km Rest anzeigt.

Im Ziel

Verbraucht hat unser Model S am Ende 211,4 kWh Strom – macht eigentlich Kosten von rund 63,50 Euro.

Um 19.52 Uhr, 906,4 Kilometer und 11:39 Stunden nach der Abfahrt bei Amsterdam erreichen wir das Ziel östlich von München. Angesichts der Straßenverhältnisse (fast durchgehend Regen, einige kleine Staus, generell sehr viel Verkehr) eine erstaunlich schnelle Fahrt. Insgesamt exakt 120 Minuten, also zwei Stunden, stand das Model S an den Schnellladestationen; wer mit einem konventionellen Auto unterwegs ist und eine ausgiebige Mittagspause einlegt, steht auch nicht sehr viel kürzer. Verbraucht hat unser Model S 211,4 kWh Strom – macht eigentlich Kosten von rund 63,50 Euro. Aber die Energie an den Superchargern von Tesla ist ja (noch) kostenlos. Das Benzin für die Reise hätte etwa 130 Euro gekostet.
Hauke Schrieber

Hauke Schrieber

Fazit

Das ist der Beweis: Das Elektroauto ist 2014 langstreckentauglich. Damit fällt ein großes Argument der Skeptiker der E-Mobilität weg. Doch ein anderes bleibt: Das Auto, das dies geschafft hat, ist eine teure Luxuslimousine. Mit BMW i3 oder Elektro-Golf hätte die Fahrt mehrere Tage gedauert. Mit der Kombination Model S und Supercharger zeigt Tesla der Autonation Deutschland auf deren Heimatboden, wie die Mobilität der Zukunft aussieht. Dieser Tagestrip war mein faszinierendstes Erlebnis auf unseren Straßen - und ganz nebenbei eine schallende Ohrfeige für VW & Co.

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