Test 207 CC, Tigra TwinTop, Colt CZC — 02.04.2007

Die kleinen Aufschneider

Seit dem Erfolg des Peugeot 206 CC fahren Klappdach-Kameraden im Kompaktformat auf der Sonnenseite. Jetzt kommt der Nachfolger 207 CC. Deutlich gewachsen trifft er im ersten Vergleich auf die Konkurrenten von Mitsubishi und Opel.

Mal ehrlich: Schönheitsköniginnen sehen anders aus als diese Klappdach-Kisten, oder? Einspruch, rufen die Stylisten: Die Form folgt der Funktion! Wo feste Blechdächer im Heck verschwinden sollen und trotzdem noch Platz fürs Wochenendausfluggepäck bleiben muss, da kommen eben solche Pummel- Popos heraus, die so gar nicht zum Reinkneifen reizen. Zum Reinsetzen schon eher. Denn sobald das Blechdach elektrisch-summend im Hinterteil verschwunden ist, ist die Cabrio-Welt wieder in Ordnung. Dann können sich zwei Personen den Wind um die Ohren wehen lassen, dann sehen die Wägelchen wesentlich schicker aus. Peugeot und Mitsubishi geben dazu mächtig an, behaupten, sie seien Viersitzer. Ein Märchen. Schneewittchen könnte hinter sich vielleicht zwei Zwerge verstauen, ein leidlich erwachsener Mensch passt – wenn überhaupt – nur quer hinein.

Der 207 CC ist der Jüngste in diesem Trio, er steht erst seit dem 10. März bei den Händlern. Seinem Vorgänger gebührt der Ruf, Trendsetter dieser Blechdach-Cabrioklasse gewesen zu sein. Über 90.000 206 CC wurden bei uns seit 2001 verkauft. Ob der Nachfolger ebenfalls in der eingeschlagenen Erfolgsspur bleibt? Immerhin, mit 4,04 Meter ist der 207 CC der Längste in diesem Vergleich, gegenüber seinem Vorgänger hat er sich um stattliche 20 Zentimeter gestreckt. Einen Hauch von Luxus verbreitet seine automatische Dachverriegelung. Einfach den Schalter auf der Mittelkonsole ziehen – nach rund 26 Sekunden ist der Himmel sichtbar. Oder den Schalter drücken, dann kann nach 29 Sekunden der Sturzregen kommen.

Alle drei Kandidaten gieren nach Kurven

Die 125 PS des Tigra TwinTop machen Lust auf Serpentinen.

Bei Mitsubishi Colt CZC (auf und zu je 28 Sekunden) und Opel Tigra TwinTop (19/21 Sekunden) müssen vorn am Dach zwei Hebel per Hand gelöst oder geschlossen werden. Aber das geht kinderleicht, ist nur ein kleiner Minuspunkt. Okay, eine automatische Entriegelung wird bei Colt und Tigra nicht wirklich vermisst. Dafür aber bei allen Dreien Regenrinnen und Haltegriffe am Dach, die wurden vermutlich dem Faltplatz geopfert. Bei jedem Fensteröffnen wird daran erinnert, weil Wasser plötzlich auf die Hose tropft und in schnellen Kurven Beifahrer nicht wissen, wo sie sich festhalten können. Denn kurvengierig sind diese Rennsemmeln. 109 bis 125 PS zerren an den Vorderrädern, machen Lust auf Serpentinen. Peugeot und Opel sind am agilsten, dem Mitsubishi macht die etwas träge Lenkung zu schaffen.

Auch sein 1,5-Liter-Motor wirkt anfangs etwas müde. Wenn er aber bei 4000 Umdrehungen sein höchstes Drehmoment erreicht, dann schaltet er akustisch auf Sportler um. Dann lässt sein Sound schon mal die ganze Umweltdiskussion vergessen. Sein Temperament parkt also zwischen Opel und Peugeot. Der 1,8-Liter-Tigra-Motor gefällt insgesamt besser, wird aber vom 1,6-Liter im Peugeot noch übertroffen. Der läuft so vibrationsarm, dass er im Leerlauf kaum zu hören ist, auch beim Gasgeben bleibt der 207 innen leise. Die Offenfahr-Geräusche haben unsere Techniker nicht gemessen. Verständlich. Die Harten lassen sich vom Wind die Haare ondulieren, die Weichen schwören auf Windschotts (ab 260 Euro, bei Mitsubishi nur im Zubehör). Der Gipfel des Luxus ist, sich im Hochsommer Oberkörper und Arme zusätzlich noch von der Klimaanlage (Aufpreis, im Colt ab "Invite"- Serie) kühlen zu lassen, während der Kopf sanft in der Sonne verbrennt.

Da kann er dann über kleine Fehler vielleicht eher hinwegsehen. So reflektiert bei Gegenlicht die Armaturenverkleidung des Peugeot lästig in der Frontscheibe, erzeugt optisch eine Nebelwand. Das Handschuhfach des Mitsubishi ist nicht abschließbar, seine Radio-Fernbedienung steckt da, wo andere Schaltpaddel haben: hinter den Lenkradspeichen. Wer im Zweisitzer Opel die Rückenlehnen vorklappen will, um dahinter Kleinkram zu deponieren, der findet die Riegel dazu jeweils oben auf der Innenseite. Auch verwundert es, dass Opel als einer der Erfinder des Komfortblinkers (nur Antippen damit es dreimal blinkt), diesen im Tigra nicht anbietet und die Innenleuchte durch Druck auf den Lichtschalter angeht – darauf muss erst mal einer kommen.

Beim Fahrkomfort herrscht weitgehend Einigkeit

Die Wahl fällt schwer: Spaß machen alle drei.

Genug gemeckert. Spaß macht bei allen Dreien das Gefühl, dank Blechdach auch den ärgsten Winter nicht mehr fürchten zu müssen. Nichts zieht oder klappert, kaum etwas rauscht. Auch nächtliche Messerstecher müssen sich andere Opfer suchen. Beim Fahrkomfort herrscht weitgehend Einigkeit. Kurze Wellen quittieren die Drei allesamt spürbar hart, aber nicht unangenehm. Auch wenn sie kleiner wirken, mit Radständen um die 2,50 Meter (Golf 2,58) laufen sie ordentlich geradeaus. Der Mitsubishi sollte ESP auch in der Basisversion haben (Opel und Peugeot Serie), es wird beim Gaslupfen in schnellen Kurven gebraucht, denn dann kommt er gern mit dem Heck herum.

Solch einen Fahrstil bestraft die Tankanzeige. Wer aber normal unterwegs ist, der kommt mit rund acht Liter Super aus. Ärgerlicher ist dagegen eher der Basispreis des Tigra – wobei die Händler sicher mit sich handeln lassen. Der Mitsubishi lockt mit guten Garantien, Pluspunkte sammelt der Peugeot dank niedriger Wartungskosten. Und weil er auch noch die beste Sicherheitsausstattung bietet (Knie-Airbag und pyrotechnische Überrollbügel), fährt er zu recht ganz nach vorn. Ergebnis: Sieg in allen drei Wertungskapiteln. Womit der Superstar in diesem Vergleich gefunden ist. Und das ist doch fast so gut wie der Titel einer Schönheitskönigin.

Fazit

Je länger ich mich mit diesen Zwergen befasse, desto mehr mag ich sie. Kein Gerödel mit sperrigen Dachbezügen, keine nervige Windsbraut bei schneller Fahrt, volle Wintertauglichkeit, Platz für zwei und mehr als nur Verliebtengepäck. Die Qual der Wahl? Schauen Sie auf die Punkteränge. Ich bin befangen, nähme jeden.

DIE WERTUNG
Punkte max. PEUGEOT OPEL MITSUBISHI
KAROSSERIE
Platzangebot 30 28 25 28
Kofferraum/Zuladung 20 14 17 15
Verdeck 20 19 18 17
Sitze/Sitzposition 30 26 26 24
Raumgefühl/Rundumsicht 20 15 14 15
Ausstattung/Bedienbarkeit 30 18 15 17
Sicherheitsausstattung 30 21 18 10
Qualitätseindruck/Materialien 20 17 16 16
Zwischenergebnis 200 158 149 142
ANTRIEB/FAHRWERK
Motoreigenschaften 20 18 17 15
Beschleunigung/Vmax 30 25 28 27
Elastizität 20 16 19 16
Fahrverhalten 30 28 28 26
Fahrgeräusche 10 9 6 8
Fahrkomfort 20 18 18 17
Getriebe/Schaltung 20 16 17 16
Lenkung/Wendekreis 20 15 15 14
Bremsen 30 19 16 20
Zwischenergebnis 200 164 164 159
KOSTEN
Steuer/Versicherung 20 19 16 13
Verbrauch/Umwelt 40 34 33 34
Garantie 20 7 7 12
Wartung 20 17 16 14
Aufpreisgestaltung 10 7 6 5
Wiederverkauf* 10 9 9 6
Grundpreis 80 62 58 62
Zwischenergebnis 200 155 145 146
Gesamtpunktzahl 600 477 458 447
Platzierung 1. 2. 3.
Preis-Leistungs-Sieger
*ermittelt von Bähr & FessForecasts/Saarbrücken

Diesen Beitrag empfehlen

Artikel bewerten

Bewerte diesen Artikel

Fremde Bewertungen

Anzeige

Versicherungsvergleich

Vergleichen Sie kostenlos über 180 kfz-Tarife und sparen Sie bis zu 500 Euro!

Neuwagen

Porsche 911

Neuwagen deutlich
unter Listenpreis

Porsche 911 Neuwagen-Angebote

Gebrauchtwagen

Mitsubishi Colt Gebrauchtwagen-Angebote

Mitsubishi Colt

Finden Sie Ihren Gebrauchtwagen.

Gebrauchtwagen-Angebote
Anzeige