Test A3 Sportback, Golf Plus, B-Klasse

Raumkonzepte im Vergleich Raumkonzepte im Vergleich

Test A3 Sportback, B-Klasse, Golf Plus

— 08.08.2006

Wer ist hier der Maßstab?

Audi, Mercedes und VW setzen in der Kompaktklasse auf unterschiedliche Raumkonzepte. Ein klassischer Fünftürer trifft auf zwei moderne Hochdach-Mobile.

Das Kinderzimmer vielleicht etwas breiter? Soll der Arbeitsbereich mehr in die Tiefe gehen? Satteldach oder Flachdach? Nicht nur beim Hausbau sollten Sie diese Fragen bedenken. Denn Grundriss und Raumkonzept bleiben auch nach dem Autokauf unflexibel wie Beton. Haben Sie Planungsfehler begangen, können Sie sich höchstens einen mobilen Trostspender in die Garage stellen. Zum Beispiel einen Audi A3 Sportback, die B-Klasse von Mercedes oder einen VW Golf Plus. Diese drei bieten nämlich ein deutlich beweglicheres Wohnschema als Immobilien. Allen drei Autos gemein sind ein funktionaler Innenausbau, eine intelligente Platzausnutzung bei kleiner Grundfläche sowie erträgliche Betriebskosten – sofern es sich um einen kleinen Benziner handelt. Außerdem eint sie die variable Gestaltungsmöglichkeit der Raumaufteilung. Aber dazu später mehr. Unterschiede fallen bei den Höhenangaben auf. Während Audi auf ein dezentes Flachdach setzt, bieten Mercedes und VW mit ihren Hochparterre-Varianten rund 17 Zentimeter zusätzliche Bauhöhe.

Das erleichtert zwar das Einsteigen und kommt der Übersicht auf die Straße zugute – gleichzeitig drängt dieser Stil sowohl B-Klasse als auch Golf Plus unmissverständlich ins wenig prestigeträchtige Van-Viertel. Dort läßt es sich zumindest mit dem Golf gut leben. Man sitzt auch auf langen Strecken vorn und hinten entspannt. Im Mercedes gelingt das trotz hoher Position über der Straße nicht so gut. Man sitzt eher wie in einer Limousine mit ausgestreckten Beinen. Der Audi ist klassisch eingerichtet. Und sitzen wir erst einmal in den tiefen Polstern, ist es richtig bequem.

Im Sicherheitsbereich bieten alle drei einen hohen Standard

Während VW und Benz hoch bauen, fährt der Audi schnittig flach vor.

Kommen wir zu den Preisen. VW spielt Musterhaus am Stadtrand. Für 18.450 Euro stellen die Wolfsburger einen schlüsselfertigen Golf Plus 1.6 mit 102 PS hin. Da sind dann immerhin schon elektrische Fensterheber oder eine Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung eingebaut. Bei Mercedes hält man die B-Klasse wohl für eine Villa in Hamburg-Blankenese. Knapp 22.000 Euro kostet ein B 150 mit 95 PS. Wenigstens ist das Objekt für diesen Preis voll klimatisiert. Audi liegt mit exakt 20.000 Euro für einen 102 PS starken A3 Sportback 1.6 gut in der Mitte.

Im Sicherheitsbereich bieten alle drei einen hohen Standard. Mit wirksamem ESP, passablen Bremsen und voller Airbagbestückung inklusive Aktiv-Kopfstützen auf den Vordersitzen. Sogar Luftsäcke für die zweite Reihe, adaptives Xenonlicht oder eine Fahrlichtautomatik gibt es – wenn auch nur als Extra. Überhaupt gilt für unsere Kandidaten: Wer Luxus und Komfort wünscht, sollte erst einmal den teuren Innenarchitekten des Büros "Aufpreis, Option und Partner" aufsuchen. Vor allem die besondere Variabilität kostet zusätzliches Geld. So lässt sich Audi sogar eine Durchreiche in der klappbaren Fondsitzlehne mit 150 Euro extra bezahlen. Selbst Taschenhaken im Kofferraum liefert Audi nicht ab Werk. VW verlangt Aufpreise für das Fach unter dem Beifahrersitz oder dessen Klapplehne.

Auch Mercedes hält für den Wunsch nach erweiterter Flexibilität extra die Hand auf. Das Easy-Vario-System mit herausnehmbarer Fondsitzlehne und demontierbarem Beifahrersitz kostet 290 Euro. Andererseits macht dieses Prinzip die B-Klasse zum vollendeten Verwandlungskünstler. Vom brauchbaren Fünfsitzer mit ausreichend Platz für alle Insassen mutiert der Mercedes nach Entnahme von Beifahrersitz und Rückbank zum großen Salon mit fast drei Meter Tiefe. Dabei wächst das Fassungsvermögen für Gepäck von minimal 544 Liter auf sagenhafte 2245 Liter. VW kann da nur mit Zuladung kontern. Oder aber mit der enorm praktischen Möglichkeit, die Rücksitzteile einzeln verschieben zu können. Audi hat hier nicht viel zu bieten. Immerhin lässt sich auch im A3 die Ladefläche zweigeteilt erweitern. Ärgerlich: Beim Wiederaufrichten der Fondsitzlehnen klemmt gern mal der Sicherheitsgurt im Lehnenschloss ein. Der kleinere Kofferraum und die eher bescheidenen Lasteselqualitäten des A3 stempeln ihn in diesem Vergleich zu dem Modell mit dem geringsten Familiensinn. Egal. Die Devise eines Sportback heißt schließlich leben statt lagern.

Der Audi bringt den größten Fahrspaß

Ein Herz für zwei: Golf und A3 werden vom identischen 1.6er angetrieben.

Was Fahrspaß angeht, hatte Audi den besten Architekten. Im Gegensatz zum Van-artig erhöhten Sitzniveau von B-Klasse und Golf Plus fühlt sich der Fahrer des A3 allein durch die niedrigere Arbeitsposition aktiver mit der Straße verbunden. Obwohl der Audi auf einem gleichen Fahrwerkfundament steht wie der VW, lassen ihn geringere Karosserieneigung, die zackiger ansprechende Lenkung und die größeren Räder des Testwagens wesentlich agiler erscheinen. Der B 150 verliert gegen den Audi deutlich. Sie wirkt träge, meistert Kurven mit leichter Schlagseite. Die Fahrleistungen sind ebenfalls schlechter. Ohnehin wirkt der 1,5-Liter-Vierzylinder des Mercedes schlapp. Besonders der mäßige Schwung im letzten Gang unterstreicht diesen Eindruck.

Audi und VW setzen auf den identischen 1.6er. Dennoch sprintet der leichtere Golf flinker davon. Der windschlüpfige Audi gleicht das mit entsprechend höherer Endgeschwindigkeit wieder aus. Noch ein Minus für den Plus: Im Maschinenraum scheinen die Wolfsburger Bauherren deutlich bescheidener mit Dämm-Material umgegangen zu sein. Im Gegensatz zum Audi läuft der VW somit viel lauter, wirkt unter Last angestrengter. Dass der Golf Plus zudem mehr Sprit verbraucht als der gleich starke A3, geht wohl auf das Konto des ungünstigeren cW-Wertes. Dieses Problem hat auch der Mercedes. Aber dank des kleineren Motors sowie der langen Getriebeübersetzung verbrennt die B-Klasse exakt so viel Benzin wie der Audi. Unter acht Liter pro 100 Kilometer schafft es aber keiner. Das ist kein Ruhmesblatt aber es bleibt ein Trost: Diese Heizkosten steigen im Gegensatz zu denen einer Immobilie auch im Winter kaum an.

Fazit von AUTO BILD-Testredakteur Jan Horn

AUTO BILD-Redakteur Jan Horn

Zwischen Mercedes und VW liegen in gemessener Höhe nur Zentimeter. Was das Konzept betrifft, erkennt Redakteur Jan Horn beim Golf Plus jedoch größere Abstände. Zementiert wird das im Preis, dem tadellosen Fahrverhalten, hoher Funktionalität und reichlich Reserven im Sicherheitsbereich. Schade, dass Mercedes zwar ein variables, aber emotionsarmes Objekt präsentiert. Für Audi gilt ganz klar: Fahrspaß geht hier vor Flexibilität. Wer seinen Neuen auf Pump kauft, sollte vergleichen, bevor er sich Geld leiht. Auch wer bei seiner Hausbank einen guten Stand hat, fährt mit den Krediten von den Autobanken meist günstiger – siehe Tabelle: Der Grund: Um den Absatz anzukurbeln, subventionieren die Hersteller den Autokauf über ihre Banken, verlangen deshalb niedrigere Zinsen als die Geldinstitute am freien Markt. Noch günstigere Monatsraten gibt es beim sogenannten Drei-Wege-Kredit mit der Option, den Wagen nach drei Jahren zurückzugeben. Diese Möglichkeit lassen sich die Autobanken jedoch mit einer hohen Schlussrate extra bezahlen. Einen Kreditrechner finden Sie gleich hier.

Autor: Jan Horn

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