Test A6 Avant/5er Touring/Mercedes T

Test A6 Avant/5er Touring/Mercedes T

— 07.02.2007

Diesel mit Sechs

Pralle Motoren, rassige Formen, kultivierte Oberklasse-Manieren: Die Sechszylinder-Dieselkombis von Audi, BMW und Mercedes lassen Mnnerherzen hherschlagen.

Sex sells das gilt nicht nur fr die Boulevard-Bltter. Auch bei den Autos lockt uns ein praller Sechszylinder mehr als ein aufgeblasener Vierer. Besonders reizvoll: ein starker Diesel, am besten im schicken Kombi. Und dann noch einer aus der prestigetrchtigen Oberklasse, made in Germany. Wer sptestens jetzt nicht ins Schwrmen gert, muss ab hier auch nicht mehr weiterlesen. Fr alle anderen haben wir die Playmates unter den Kombis antreten lassen: den Audi A6 2.7 TDI Avant, den BMW 525d Touring sowie den Klassiker T-Modell von Mercedes als 280 CDI.

Leider gibt es jetzt erst einmal ein bses Erwachen. Unter 40.000 Euro schlpft nmlich keines der Modelle in die heimische Garage. Wenn es wie bei unseren Testwagen noch mit Automatik sein soll, wird's nochmals ein Stckchen exklusiver. Audi ruft dann fr einen A6 Multitronic mit stufenlosem Getriebe 43.550 Euro auf, BMW verlangt fr den Fnfer mit Sechsstufenautomatik 45.651 Euro, und Mercedes berklettert mit der Variante 280 CDI 7G-Tronic sogar die 48.000-Euro-Grenze. Immerhin sind die drei Preziosen dann uerst reizvoll bestckt. Audi will uns mit 180 PS aus einem prallen 2,7-Liter-V-Motor verfhren. BMW bezirzt uns mit einem saftigen 2,5-Liter-Reihensechser, der 177 PS leistet. Und bei Mercedes locken 190 PS aus einem feinen 3,0-Liter-V-Aggregat. Sehr appetitlich: Alle drei Modelle verzichten aufs Rauchen, sind ab Werk selbstverstndlich mit einem Rufilter versehen.

Ansonsten bewegen sich die Komfort-Kombis von Audi, BMW und Mercedes auf hnlich hohem und standesgemem Luxusniveau. Mit einer Klimaanlage (Mercedes) beziehungsweise mit Klimaautomatik (Audi, BMW), CD-Radio oder mit schicken Alurdern in mindestens 16 Zoll Gre. BMW und Mercedes geben sich darber hinaus in puncto Komfortausstattung etwas spendabler. Hier sind zustzlich Temporegler, Bordcomputer und eine teilelektrische Sitzverstellung ab Werk an Bord. berhaupt schlgt speziell Mercedes den Kuschelkurs ein. Die Federung des E 280 CDI im Testwagen war die Luftfederung Airmatic fr 1190 Euro extra eingebaut arbeitet nahezu perfekt, groe und optimal gepolsterte Sitze mit gutem Seitenhalt packen Fahrer und Beifahrer in Watte.

Souverän: das Fahrverhalten der fast zwei Tonnen schweren E-Klasse.

Der CDI schiebt herrlich gleichmig mit der enormen und in diesem Vergleich heftigsten Wucht von 440 Newtonmeter Drehmoment an. Dabei setzt der Schub bereits bei gemchlichen 1400 Touren ein. Angenehme Begleitung findet der sanfte und sehr leise Motor-Riese in der seicht sortierenden Siebenstufen-Automatik. Die hohe Anzahl der Gnge sorgt zwar einerseits dafr, dass die Motordrehzahl stets in einem gnstigen Bereich liegt. Andererseits bedeutet das auch, dass der Automat beim Kick-down hufiger mal zwei Stufen herunterschaltet mit entsprechend zeitverzgertem Vorwrtsdrang. Eine minimale Schwche, zumal sich der Mercedes in puncto Fahrleistungen unter dem Strich keine Ble gibt. Im Sprint aus Tempo 100 und im Durchzug beim berholen kann die immerhin fast zwei Tonnen schwere E-Klasse ihren Gewichtsnachteil nahezu egalisieren. Mit 230 km/h Spitzengeschwindigkeit hngt sie die Konkurrenz in dieser Disziplin sogar ab.

Gleichzeitig knausert der 280 CDI deutlich besser mit dem Dieselsprit als beispielsweise der 525d der BMW verbraucht als Einziger in diesem Trio ber neun Liter auf 100 Kilometer. Der kernig klingende Motor des BMW arbeitet wie der CDI des Mercedes mit einer konventionellen Wandlerautomatik zusammen. Allerdings muss der 5er mit sechs Schaltstufen auskommen, gleichzeitig wirft der 525d sein maximales Drehmoment von ebenfalls imposanten 400 Newtonmetern erst bei 2000 Touren in die Waagschale. Dadurch wirkt der eigentlich spritzig ausdrehende Turbodiesel stets einen Tick verschlafener. Umso rgerlicher, weil doch die 5er sonst traditionell zu den ganz wachen Dynamikern gehren.

Technische Daten und Bewertung

Was eigentlich auch im Falle des straff eingestellten 525d gelten sollte. Wobei der przisen Lenkung und dem leichtfigen Handling ein arg hoher Kraftbedarf beim Kurbeln im Stand, miger Geradeauslauf und herber Federungskomfort auf Querfugen gegenberstehen. Immerhin: Die Hinterachse bleibt dank serienmiger Luftfederung immer auf gleichem Niveau. Ebenfalls typisch fr den 5er: Die straffen Sitze mit harten Seitenwangen und kurzer Auflage im Sitzflchenbereich sprechen eher fr sportlichen Einsatz als fr gemtliches Langstreckenfahren. Dazu passt die hervorragende Bremsanlage. Sowohl mit kalter als auch mit warmgefahrener Bremse berschreitet der 5er niemals die 38-Meter-Grenze.

Gute Bremsen: Der 525d steht aus 100 km/h in weniger als 38 Metern.

Derart dynamischem Potenzial kann Audi wenig entgegensetzen. Beim Bremsen noch am ehesten, beim Fahrverhalten eher weniger. Bei Nsse zum Beispiel stt die Verbindung aus krftigen 380 Newtonmeter Drehmoment und Vorderradantrieb an ihre Grenzen. Hier muss die elektronische Traktionskontrolle stndig gegen durchdrehende Vorderrder ankmpfen. Dazu kommt die im Gegensatz zu Mercedes und BMW unvorteilhafte Gewichtsverteilung mit mehr Last auf der Vorderachse. Entsprechend untersteuernd und heftiger vom ESP eingefangen geht der A6 durch schnell gefahrene Kurven. Klare Strke des Audi: Die stufenlose Automatik passt hervorragend zum nachdrcklichen Motorcharakter. Dazu ergibt die Kombination auch den geringsten Verbrauch in diesem Vergleich: 8,0 Liter sind ein Spitzenwert, BMW braucht 1,2 Liter mehr.

Wirklich ppig ist das Platzangebot im A6. Besonders Fahrer und Beifahrer kommen in den Genuss erstklassiger Sitze mit viel Seitenhalt und freuen sich ber ein tolles Raumgefhl. Hoffentlich nehmen die nicht zu viel Gepck mit. Denn fr diesen Fall setzt Audi auf eine halbherzige Lifestyle-Lsung, bei der eine verchromte Ladekanten-Schutzleiste beste Funktionalitt nur vorgaukelt. So lsst sich das Gepckabteil des A6 zwar leicht durch Umklappen der Rcksitzlehnen erweitern. Aber danach entsteht keine ebene Ladeflche. Auerdem gilt es, beim Zurckklappen der Lehne aufzupassen, dass der Gurt nicht in der Schlossmechanik verklemmt. Und beim Ausladen strt eine Stufe an der Ladekante. Der Komfort ist hier dank optimaler Luftfederung (1950 Euro Aufpreis) gut, erreicht aber nicht die Klasse des Mercedes.

BMW-Fahrer mssen ebenfalls mit einem leicht ansteigenden Ladeboden leben, auerdem fehlt es dem Bayern schlicht an Volumen. Wie es richtig geht, zeigt Kombi-Altmeister Mercedes. Sein zeitloses Kombi-Heck ist nicht nur schn, sondern auch praktisch: gigantisches Fassungsvermgen, die Bedienung der Klapp-Bank ist narrensicher, die Ladeflche topfeben. Auerdem lsst sich die Fondsitzflche noch ruck, zuck ausbauen dann entsteht eine Grundflche im Format Doppelbett. Auch ein Kaufargument.

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Jan Horn:

Mercedes konnte schon immer gute Kombis bauen. Mercedes war auch schon immer stark in der Oberklasse. Und ber tolle Dieselmotoren aus Stuttgart mssen wir hier auch nicht reden. Kein Wunder, dass die Kombination aus allem den E 280 CDI hier zum Sieger macht. Deutlich gnstiger fhrt man dagegen mit Audi. Der A6 Avant ist nicht der beste Lastesel, auch nicht das schnellste Pferd. Aber ein guter Begleiter im Alltag. Und BMW? Der 5er gewinnt hier kein einziges Kapitel verliert somit deutlich. Ob es der neue 5er besser kann? Fortsetzung folgt im April.

Autor: Jan Horn

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