Test Abt AS7 R/Väth ML V58

Abt AS7 R – Väth ML V58 Abt AS7 R – Väth ML V58

Test Abt AS7 R/Väth ML V58

— 29.06.2007

Landmaschinen

Resi holt nicht mehr der Traktor ab. Stattdessen hat sie die Wahl zwischen Audi Q7 und Mercedes ML – treffsicher veredelt und leistungsgesteigert.

Der moderne Landwirt hat es gut: Traktoren sind inzwischen klimatisiert, die mühsame Spargelernte übernehmen polnische Helfer und die Milchkuh verlangt nach Melkmaschine statt kundiger Hand. Jetzt fahren Abt und Väth zwei Gefährte auf, die auch den letzten Landwirt überzeugen sollten, seinen kornblumengelben Mercedes W 123 in Zahlung zu geben: Anhängelast ohne Ende, Allradantrieb und ausreichend Platz für Frau, Kind und Hund. Vor allem der Abt Q7 appelliert vorrangig an die Landbevölkerung: Mit seinen überbordenden Abmessungen fühlt er sich in städtischen Gefilden spürbar unwohl. Für die 5,1 Meter Außenlänge kann Abt nichts.

Im Vergleich zum Q7 wirkt der ML wie ein A-Klasse

Der muss aufs Land: Der riesige Abt AS7 R ist nichts für enge Städte.

An der extremen Breite von knapp über zwei Metern ist der Tuner aus dem Allgäu jedoch nicht ganz unschuldig: Generiert ein Breitbaukit doch zusätzliche acht Zentimeter. Damit auch Unwissende diese Modifikation auf Anhieb erkennen, hat Abt die Verbreiterungen verchromt. Sieht gut aus, lässt Radlaufchrom-Allergiker jedoch schaudern. Kombiniert mit den ausladenden Anbauteilen und der gefräßigen, ebenfalls verchromten Front, entsteht ein fast furchteinflößendes Gesamtkunstwerk. Zumindest das Federvieh fühlt sich veranlasst, panisch gackernd in den Rabatten zu verschwinden.

Zum SUV von Väth dürfen nicht nur Großgrundbesitzer greifen, sondern auch Kleinbauern. Der ML benötigt nämlich deutlich weniger Platz zum Rangieren. Dank seiner kompakteren Abmessungen bringt man ihn im Zweifel sogar im Hühnerstall unter. Neben dem monströsen Q7 wirkt der ML so zierlich wie eine A-Klasse. Eine ziemlich grimmige allerdings: Der stählerne Rammbügel zieht die Mundwinkel deutlich erkennbar nach unten, der schwarz lackierte Grill hat den Coolness-Effekt einer undurchdringlich dunklen Sonnenbrille.

Väth veredelt den Innenraum behutsam und geschmackvoll

Im Vergleich zum Abt fast zierlich wie eine A-Klasse: der Väth ML V58.

Ein Blick in die Rohre belegt: Der mächtige Endschalldämpfer mit vier Ausgängen braucht den Vergleich zum ähnlich bestückten Audi nicht zu scheuen. Den Innenraum veredelt Väth sehr behutsam und geschmackvoll. Er vermeidet den großen Carbon-Aufriss, setzt anderweitig Akzente: Mit Klavierlack-Intarsien, 25 an der Zahl, und einem mit Alcantara bezogenen Lenkrad. In die Rückseite der vorderen Kopfstützen baut der Veredler zwei Sieben-Zoll-Monitore ein. So kann der Farmer-Nachwuchs im Fond Playstation daddeln oder sich "Schweinchen Dick" auf DVD anschauen.

Klassisches Tuning hilft dem ML auf die Sprünge

Der Q7 fährt ein noch umfangreicheres Multimedia-Paket auf. Da der Audi das deutlich größere Fahrzeug ist, installiert Abt zwei wesentlich größere Monitore – in 10,2 Zoll. DVD-Wechsler, Playstation und Digital-TV-Receiver garantieren gute Unterhaltung. Das nötige Luxusklasse-Flair erzeugen Sitzbezüge aus Leder und Alcantara. Darüber hinaus darf sich die Besatzung an Dachhimmel und Sonnenblenden in Alcantara ergötzen. Zudem wertet der Tuner sämtliche Türverkleidungen auf. All diese Bequemlichkeit tut auch not – die Passagiere müssen bisweilen lange warten, bis der Chauffeur eine Pause einlegt: Zwar schaufelt der Abt Q7 den Sprit in sich hinein wie ein Mähdrescher die Ernte. Kann aber dank des güllefassgroßen 100-Liter-Tanks Etappen von mehr als 500 Kilometern am Stück zurücklegen.

Eine Auspuffanlage mit Sportkats optimiert die Performance

Aufgebohrt: Väth holt aus dem V8 435 PS – ein Plus von 129 Pferdchen.

Die absolviert der Audi bei Bedarf im Schweinsgalopp: Leistet der V8 doch beeindruckende 500 PS – imposante 150 PS mehr als die Serie zu bieten hat. Die Mehrleistung rührt von einem Schrauben-Kompressor mit wassertemperiertem Ladeluftkühler. Ein optimiertes Motormanagement integriert die zusätzliche Hardware. Väth setzt auf ein anderes Pferd: In klassischer Manier bohrt er den altbewährten Dreiventiler von fünf auf 5,8 Liter auf. Zusätzlich optimieren ein Kraftstoff- und ein Ölkühler sowie eine Auspuffanlage mit Sportkats die Performance. Resultat: 435 statt serienmäßiger 306 PS. Damit kann der ML zum Q7 zwar nicht aufschließen, spielt aber auch beim Verbrauch die zweite Geige: Seine 17,3 Liter Super Plus liegen deutlich unter den 19,6 Litern des Abt Q7. Das lässt keinen Landwirt kalt – zumindest solange er die Erzeugnisse der heimischen Biogasanlage noch nicht tanken kann.

Technische Daten, Fahrleistungen und Preise

Das Hubraummonster von Väth macht keinen Hehl aus seinen konzeptionellen Vorzügen. Neben markerschütternder Klangkulisse in amerikanisch geprägter Big-Block-Tonlage überzeugt der Motor mit seiner unaufgeregten Art, die so nur ein großvolumiger Sauger an den Tag legen kann. Lediglich beim Anfahren reagiert die Maschine deutlich zu hektisch auf den Gasfuß und springt unvermittelt nach vorn – eine nervige Unart. Und eine gefährliche dazu: Liegt so doch schnell der träge Hofhund unterm Auto. Rollt der ML schließlich, ist die Welt in Ordnung. Auf Drehzahlorgien fährt der Mercedes zwar nicht wirklich ab. Zeigt sich dafür aber im unteren und mittleren Drehzahlbereich von seiner gewinnendsten Seite. Dort macht sich das um 160 Newtonmeter erhöhte Drehmoment am deutlichsten bemerkbar. 5,9 Sekunden dauert der Sprint von null auf 100 km/h – das Serienauto benötigt gemessene 6,9 Sekunden. Bis 160 km/h baut Väth den Vorsprung auf 1,9 Sekunden aus (14,7 statt 16,6 Sekunden).

Die Automatik macht dem Q7 zu schaffen

Bei 240 km/h endet der Vorwärtsdrang. Dem Abt geht hier noch lange nicht die Puste aus: Er rennt 255 km/h und kann damit der Cayenne-Fraktion durchaus das Wasser reichen. Alles in allem wirkt er jedoch deutlich weniger geschmeidig als das ML-Aggregat. Der Kompressormotor trägt daran keine Schuld. Der wirkt in allen Drehzahllagen kraftvoll. Vielmehr verdient das Seriengetriebe den Schwarzen Peter. Die Sechs-Stufen-Automatik springt bisweilen so konfus hin und her wie ein Kalb mit BSE und weiß mit der dargebotenen Leistung manchmal offensichtlich nichts anzufangen.

Zumal das Rumgerödel nicht wirklich hilft: Null bis 100 km/h dauern 6,9 Sekunden – nur 0,5 Sekunden weniger als beim serienmäßigen Q7. Der wiegt allerdings auch 230 Kilogramm weniger als das voll ausstaffierte Abt-Gefährt. Bis 160 km/h kann das Abt-Auto weiter zulegen – der Vorsprung wächst auf 1,5 Sekunden (15,7 statt 17,2 Sekunden). Die Messwerte beider Fahrzeuge bedürfen einer Anmerkung: Ohne die riesigen Räder würden die Werte besser ausfallen. Beide Autos haben an ihren 22-Zöllern schwer zu schleppen – die Serienfahrzeuge begnügen sich jeweils mit 18 Zoll. Zudem kosten die Riesenräder natürlich Komfort – erstaunlich wenig jedoch. Natürlich haben die Großkaliber auch Vorteile: Die Straßenlage liegt deutlich über dem Serienstandard.

Der getunte ML fährt sich verblüffend handlich

Kurvenkünstler: der Väth ML V58.

Väth installiert zudem ein Komplettfahrwerk. Die Handlichkeit des ML verblüfft denn auch. Trotz der ab Werk gefühllosen Lenkung nimmt das getunte SUV gutmütig kaum ein Fahrmanöver krumm. Nur Spurrillen mag der Mercedes nicht leiden. Abt setzt beim luftgefederten Q7 auf eine elektronische Tieferlegung. Aufgrund des deutlich sperrigeren Formats fährt sich das Auto unhandlicher als der ML, kann sich aber gegenüber einem gewöhnlichen Q7 merklich steigern.

Was die Kosten anbelangt, operieren beide Tuner in abgehobenen Regionen. Wobei das Väth-Auto mit knapp 130.000 Euro rund 30.000 Euro weniger kostet als der Audi – im Vergleich jedoch auch an Ausstattung spart. Allein das prachtvolle Interieur verschlingt beim Q7 fast 35.000 Euro. Wer die matte Lackierung in Lavagrau ordert, muss zusätzliche 5104 Euro berappen. Das nötige Kleingeld für die Anstellung eines Autoputzers sollte ebenfalls vorhanden sein: Waschanlagen mag der Mattlack nämlich gar nicht. Für gut situierte Agrarökonomen kein Problem: Dürfte sich doch jeder Knecht über diese Alternative zur Feldarbeit freuen.

Autor: Ben Arnold

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