Test Alfa 8C Competizione

Alfa 8C Competizione Alfa 8C Competizione

Test Alfa 8C Competizione

— 05.10.2006

Das Alfa-Tier

Endlich ist es so weit: Der 8C Competizione kommt! 450 PS und 1400 Kilo – da sollte richtig was abgehen. Und genau das passiert auch.

Es gibt eine gute Nachricht aus Mailand – und eine schlechte. Die gute ist, dass der Competizione gebaut wird. Zu der schlechten kommen wir am Schluss. Der Achtzylinder startet auf Knopfdruck, aus den dicken Auspuffrohren dringt ein tiefes, aggressives Grollen. Der Motor dreht giftig hoch, klingt böse, laut – ein Klang, bei dem sich Armhärchen aufstellen und ein wohliger Schauer den Rücken runterläuft. Wir sind in Arese bei Mailand – dem Stammsitz von Alfa Romeo. Hier befinden sich Entwicklung und Design. Und wir sitzen im Prototyp des 8C Competizione und dürfen einige Runden drehen.

"Aber piano, ganz vorsichtig": Wolfgang Egger hat Angst um sein Millionen teures Einzelstück. Egger (43) hat das Auto entwickelt, er ist Chefdesigner bei Alfa. Die Angst ist berechtigt. 450 PS und 1400 Kilo, das klingt nach einem heißen Eisen – und genauso ist es. Das Auto schießt vorwärts, wie von der Tarantel gestochen. Es lenkt ein, als gäbe es keine Fliehkräfte. Es wird von den riesigen Brembo-Scheiben zusammengebremst, als knalle es gegen eine Wand. Und es brüllt, dass die Scheiben in ganz Arese klirren. Das Auto ist ein Tier, ganz die gute alte italienische Sportwagen-Schule. Egger strahlt. Das war der Plan. Ein lupenreiner Hardcore-Sportwagen, kein Softie zum Brötchenholen.

Die Form nimmt als Vorbild den Tipo 33 Stradale von 1968, ein für die damalige Zeit waffenscheinpflichtiges Gerät mit 230 PS und 700 Kilo. Auch der Name stammt aus der Alfa-Geschichte: 8C, auf Italienisch "Otto Tschi", ist die Abkürzung für "acht Zylinder". 8C hießen die berühmten Sportwagen, die in den 1930er- und 40er-Jahren die Rennen der Mille Miglia, Le Mans und Targa Florio dominierten und so den Alfa-Mythos begründeten. Einer der berühmtesten Fahrer war Tazio Nuvolari, der wiederum Namensgeber für den Vorläufer Nuvola war. Die Historie bei Alfa Romeo lebt. Nicht traditionell, sondern modern ist die Technik. Der Competizione hat den kompletten Antriebsstrang von Maserati. Der auf 4,7 Liter Hubraum gewachsene V8 sitzt als Front-Mittelmotor hinter der Vorderachse. Das Sechsganggetriebe mit Kupplung und Differenzial wohnt an der Hinterachse. Diese Transaxle genannte Bauweise sorgt für eine Gewichtsverteilung von exakt 50 Prozent vorn und hinten.

Man möchte gar nicht mehr aussteigen

Bei unserem Prototyp wurden die Gänge noch manuell über einen Schalthebel sortiert. Das Serienauto bekommt das sequenzielle Cambiocorsa-Getriebe, geschaltet mit Paddeln am Lenkrad, ebenfalls von Maserati. Die 20 Zoll großen Speedline-Räder werden an doppelten Dreieckquerlenkern geführt, hinzukommen Bilstein-Gasdruckdämpfer und Stabilisatoren vorn und hinten – aufwändiger kann ein Fahrwerk kaum sein. Auch die Zulieferer sind nur erste Adressen. Den Gitterrohr-Rahmen aus leichtem, hochfestem Stahl steuern Vaccari & Bossi bei, hier werden sonst Rahmen für den Lamborghini Murciélago zusammengeschweißt. Die Kohlefaser-Karosse fertigt I.D.E.A., dort wird das Auto auch endmontiert. Und für die Innenraum-Dekoration wurde Schedoni gewonnen, die alle Ferrari-Modelle mit feinstem Leder ausstatten. Und dann diese Farbe. Ein tiefes, schimmerndes Rot, speziell für den Competizione entwickelt. Es verstärkt die Rundungen und Konturen des Autos und wechselt je nach Lichteinfall von Silber bis Tiefrot. Sieben Schichten Klarlack mit beigemengten Pigmenten von Silber und Rosso Corse, nur so konnten die Tiefe und der Glanz erzeugt werden. Designer Egger stellt klar: "Es heißt Rosso Otto Tschi, aber es ist mehr als eine Farbe. Es ist das Herzblut von Alfa Romeo."

Man mag gar nicht wieder aussteigen. Das Auto sitzt wie ein Maßanzug. Die Kohlefaser-Sitze mit ihrem dünnen Lederüberzug sind überraschend bequem. Pedale, Lenkrad und Schalthebel passen perfekt auch für groß gewachsene Nordeuropäer. Die Fahrleistungen sind noch nicht endgültig definiert, der Competizione ist noch nicht homologiert. Die derzeitigen Angaben werden sich geringfügig ändern. Bei den Abstimmungsfahrten ist das Auto bereits in "weniger als 4,5 Sekunden" auf 100 gegangen und hat die 300-km/h-Marke "deutlich" überschritten. Das glauben wir aufs Wort.

Daran gibt es nichts zu verbessern: Alfa 8C Competizione von innen.

Im September 2007 fällt auf der IAA in Frankfurt/Main der Startschuss für Produktion und Verkauf. 500 Autos werden gebaut, zum Stückpreis von 150.000 Euro. Und nun die schlechte Nachricht: Nach Deutschland kommen nur 50 Stück.

Technische Daten


V8-Front-Mittelmotor, längs eingebaut • vier oben liegende Nockenwellen • vier Ventile je Zylinder • Hubraum 4691 cm³ • Leistung 331 kW (450 PS) bei 7000/min • max. Drehmoment 470 Nm bei 4750/min • Hinterradantrieb • sequenzielles Sechsgang-Getriebe mit Schaltpaddeln am Lenkrad • Differenzialsperre 25 Prozent • Traktionskontrolle, ESP • rundum doppelte Dreieckquerlenker • Gitterrohrrahmen • Kohlefaser-Karosserie • rundum belüftete und gelochte Scheibenbremsen • Reifen 245/35 ZR 20 vorn, 285/35 ZR 20 hinten • Räder 8,5 Jx 20 vorn,10 Jx20 hinten • Länge/Breite/Höhe 4280/1900/1250 mm • Radstand 2595 mm • Leergewicht 1400 kg • Tankinhalt 90 l • Beschleunigung 0–100 km/h in 4,5 s • Höchstgeschwindigkeit mehr als 300 km/h • Preis: 150.000 Euro

Autor: Harald Prüssmann

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