Test Alfa Brera 3.2 JTS V6 Q4

Alfa Brera 3.2 V6 Q4 Sky View Alfa Brera 3.2 V6 Q4 Sky View

Test Alfa Brera

— 21.03.2006

Espresso Rosso

Er ist heiß. Und er ist stark. Schon damit bringt der Alfa Brera 3.2 V6 Q4 den Kreislauf auf Drehzahl. Die Frage bleibt: Taugt er auch auf der Piste – oder doch nur zur Kaffeefahrt?

Formvollendet muskulös

Wie ein formvollendetes Kunstwerk steht Alfa Romeos Coupé da. Eine umlaufende Kante definiert die breiten Flanken mit den ausladenden Radhäusern. Ein kurzer Überhang am Heck, die herrlich ausgeformte Front, selbstbewußt dominiert vom großen Kühlergrill mit dem stolzen Alfa-Logo – ein Hingucker ersten Grades. Vier Paar Augen peilen aggressiv und unverglast auf das, was vor ihnen liegt. Angespannt, bereit zum Sprung.

Innen empfängt uns das Cockpit des Alfa 159. Das großflächig verarbeitete Leder wirkt hochwertig, die Mittelkonsole erstrahlt in Alu. Alle Instrumente sind dem Fahrer zugewandt und mit Ausnahme der Klimaanlagensteuerung, die wie schon im 159 zu tief in der Konsole liegt, gut ablesbar. Nichts knarzt oder klappert, alle Teile passen genau, selbst die Spaltmaße stimmen.

Grund zur Beanstandung bietet hingegen die Sitzposition. Sitzriesen haben die Wahl, knapp unter der Dachkante oder weit zurückgelehnt in den Sesseln zu kauern. Der Seitenhalt könnte besser sein, die Rückbank verdient noch nicht einmal die Bezeichnung Notsitz. Und warum das Lenkrad nach links versetzt ins Cockpit ragt, konnte uns auch bei Alfa Romeo niemand erklären. Sonst fehlt es an nichts.

Kosten und Ausstattungen

Unser Testwagen ist mit allen Optionen, wie dem Sky-View-Sonnendach (1300 Euro), Bose-Sound-System (750 Euro) und Navi (2200 Euro) ausgestattet. Das treibt nicht nur den Preis, sondern auch das Gewicht deutlich in die Höhe: Stolze 1800 Kilogramm bringt der Italiener auf die Waage.

Doch ein Alfa definiert sich in erster Linie über den Motor. Ein Druck auf den Startknopf erweckt den 3,2-Liter-V6 zum Leben und beweist: Die Sounddesigner haben ganze Arbeit geleistet. Lustvoll blubbert das neue GM-Herz bei niedrigem Pulsschlag, um beim Beschleunigen in ein bassiges Röhren überzugehen. Nie zu überhören, aber auch nicht so laut wie der original Alfa-V6. Wer befürchtete, ein amerikanischer Motor aus der gescheiterten Beziehung der Italiener mit General Motors könne dem Charme der Traditionsmarke schaden, kann sich entspannen: Die Maschine paßt ganz hervorragend zu Alfa – und zum Brera.

Technische Daten

Trotz seines stolzen Gewichts tritt der Wagen gut an. Nach 6,7 Sekunden werden aus dem Stand 100 km/h erreicht. Traktionsprobleme? Ein Fremdwort. Die 322 Newtonmeter Drehmoment stellen weder das Fahrwerk noch die 235/45er-Schlappen vor Probleme. Der V6 ist angenehm elastisch und hängt gierig am Gas. Erst bei hohen Drehzahlen, jenseits der 4500/min und des maximalen Drehmoments, fehlt der Nachdruck. Endlos langsam quält sich die Nadel oberhalb der 180-km/h-Marke der Höchstgeschwindigkeit von 240 km/h entgegen.

Schuld daran hat das Getriebe: Die sechs Gänge rasten zwar sauber und mit viel Feedback ein, sind aber für einen Sportwagen deutlich zu lang übersetzt. Wer noch innerhalb seiner Lebensspanne die Maximalgeschwindigkeit erreichen will, muß den fünften voll ausdrehen und die sechste Fahrstufe als Schongang akzeptieren.

Sportwagen oder Grand Tourer?

Ansonsten fühlt man sich mit dem Brera auf gewundenen Landstraßen und freien Autobahnen wie zu Hause. Hier kann das Allradsystem Q4 mit Torsen-Differential seine Stärken ausspielen. Die normale Kraftverteilung (43 Prozent vorn, 57 Prozent hinten) sorgt für ein wesentlich agileres Fahrverhalten als beim frontgetriebenen Bruder mit dem 2,2-Liter-16V.

Je nach Traktion und Schlupf verteilt das System die Antriebskraft elektronisch vorder- (72:28) oder hinterachsbetont (28:72). Im Grenzbereich schiebt der Alfa gut kontrollierbar über die Vorderräder und läßt sich nur mit heftigen Lastwechseln zum Übersteuern animieren. Ziemlich straff abgestimmt nimmt das Fahrwerk kleinere Unebenheiten kurz und trocken, stärkere Querfugen dringen aber deutlich zu den Insassen durch. Die Lenkung dürfte direkter sein, vor allem um die Mittellage wirkt sie etwas indifferent, bietet aber stets guten Fahrbahnkontakt. Hier kommt eher der Eindruck auf, in einem GT und nicht in einem Sportwagen zu sitzen.

Auf dem Niveau eines Sportlers bewegt sich hingegen der Spritkonsum. Schon der Testverbrauch von 14,3 Liter Super ist nicht ohne – und bei ausgeprägt sportlicher Fahrweise sollte man sich über Werte zwischen 18 und 20 Litern und entsprechend häufige Zapfsäulen-Aufenthalte nicht wundern. Doch das ist offenbar der Preis, den man zahlen muß, um endlich mal wieder einen echten Alfa zu bewegen. Den Espresso zur Anregung des Kreislaufs kann man sich dafür getrost sparen.

Fazit und Testwerte

Fazit von AUTO BILD SPORTSCARS-Tester Marc Ziegler: "Der Alfa Brera zeigt, daß die Italiener immer noch wunderschöne Autos bauen können. Und dieser Romeo zeigt sich auch in puncto Verarbeitungsqualität von seiner besten Seite. Dazu gibt es einen sahnigen V6 mit tollem Sound, aber leider unerhört großem Durst. Und wer das beachtliche Gewicht reduzieren will, der wirft kurzerhand die Rücksitze raus. Die machen ohnehin überhaupt keinen Sinn."

Autor: Marc Ziegler

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