Alfa Brera gegen Mazda RX-8

Alfa Brera – Mazda RX-8 Alfa Brera – Mazda RX-8

Test Alfa Brera gegen Mazda RX-8

— 14.02.2006

Kunst kommt von Können

Schau mir in die Augen, Kleiner: Fast hätte der neue Alfa Brera AUTO BILD-Redakteur Gerald Czajka den Kopf verdreht. Am Ende gab es aber doch einen fairen Vergleich mit dem Mazda RX-8.

Viel mehr als nur eine schöne Schale

Kunst verbindet. Diese Phrase gehört für mich ab sofort nicht mehr in die Leeres-Geschwätz-Schublade, sondern zu den absolut unumstößlichen Lebenswahrheiten. Bewirkt hat diese Wandlung übrigens weder ein Volkshochschul-Kurs über moderne Malerei noch ein Besuch Im Museum. Nein, Auslöser dieser Bewußtseinsveränderung sind zwei Autos. Genauer: Alfa Brera und Mazda RX-8. Zwei automobile Kunstwerke, die während der Testfahrten stets hochgereckte Daumen und fröhliches Lachen provozierten. Zwei Coupés, die einfach ein ästhetischer Gewinn fürs Straßenbild sind. Zwei, die Spaß machen.

Und die beiden Blech-Beauties bieten dabei viel mehr als nur eine schöne Schale. Darunter steckt in beiden Fällen ein rassiges Coupé mit durchaus vorzeigbaren inneren Werten. Bei Mazda finde ich Techniken, die nur wenige Hersteller beherrschen. Von viertürigen Coupés habe ich in jüngster Vergangenheit zwar öfter gehört, so elegant und überzeugend wie der RX-8 interpretiert das Thema aber keiner. Die kleinen Fondtüren sind beim Japaner hinten angeschlagen, eine B-Säule fehlt. Mit geöffneten Portalen ergibt sich so nicht nur ein atemberaubender Durchblick, die zweite Reihe läßt sich auch bequem entern – obwohl das Raumangebot natürlich nicht üppig ausfällt, wegen der kleinen Fenster und der massiven Vordersitzlehnen fast Platzangst provoziert.

Also ab auf den Fahrersitz. Und hier überzeugen mich die japanischen Innenarchitekten auf Anhieb. Da locken straffe Sitzschalen, ein formal und funktional gelungenes Cockpit sowie ausreichend Platz und eine entspannte Sitzposition. Trotz des nur höhenverstellbaren Lenkrads gefällt mir der Stil des RX-8. Und kleinere Kunstliebhaber können durchaus auch zu viert verreisen. Immer vorausgesetzt, sie arrangieren sich mit 290 Liter Kofferraum.

Preise, Ausstattungen und Garantien

Beim Brera, einem klassischer Zweitürer, wirkt der Rückraum auf mich eher wie eine Entwurfsskizze. Hinter mir (1,97 m) kann definitiv niemand mehr sitzen, selbst meine kleine Tochter (1) findet hier keine Bleibe. Doch bleiben wir fair und bewerten den Alfa-Designerschlitten nicht nach den Kriterien für profane Gebrauchskunst. Diese italienische Skulptur wurde nicht für Familien, sondern für Freunde schöner Formen entworfen. Und denen reichen die Rücksitze als Erweiterung des Kofferraumes, der dank umklappbarer Rücksitzlehnen bis zu 610 Liter schluckt.

Aus der ersten Reihe läßt sich der Brera aber ohnehin viel besser genießen. Okay, ich stoße fast ans Dach, die weit heruntergezogenen Dachholme und der filigrane Fußraum nerven, die Rundumsicht bleibt höchst unzureichend. Dazu versteckt sich die Klimasteuerung (serienmäßig automatisch) ungünstig hinter dem Schalthebel, sieht die Fahrertür des Testwagens selbst geschlossen offen aus. Nur eine überdrehte Schraube, nach deren Tausch paßt alles wieder perfekt – trotzdem ärgerlich. Dank guter Sitze und des in zwei Richtungen justierbaren Lenkrads möchte ich den Fahrerplatz dennoch am liebsten nicht mehr räumen.

Hier streichen meine Finger über echtes Aluminium, huschen hängende Zeiger über weißbeleuchtete Skalen, fühle ich am griffigen Lenkrad und am Schaltknauf weiches Leder. Der Brera schmeichelt den Sinnen wie eine wertvolle Plastik. Dazu klingt der 2,2-Liter-Vierzylinder des Brera verdammt verführerisch. Da hat der Sound-Komponist ganze Arbeit geleistet. Und der Benzin-Direkteinspritzer geht auch anständig – selbst wenn der Dirigent eine feste Hand braucht, um zügig durch die sechs Gänge zu wirbeln.

Technische Daten und Fahrleistungen

Gierig grollend zieht der Vierventiler von unten los und hängt aufmerksam am Gas. Allerdings wirkt der Alfa auf mich sehr angestrengt, dreht nicht so locker aus wie der RX-8 und scheint schwer zu kämpfen. Den Grund dafür liefert die Waage. Der Brera bringt es immerhin auf 1,6 Tonnen. Und die wollen erst mal bewegt sein. Da wundert dann auch der alles andere als bescheidene Verbrauch von 13 Litern auf 100 Kilometer nicht mehr. Noch etwas mehr Gage verlangt der RX-8, der mit seinem Wankelmotor weitere Exklusivität für sich reklamiert. Wie ein chipgetunter Staubsauger fräst der Kreiskolbenmotor sich in die Gehörgänge, versucht sich ab 5000 Touren sogar an einem sportlichen Posaunen. Gar nicht schlecht, für mich aber kein Vergleich mit dem Alfa.

Dafür schieben die 192 PS den RX-8 spürbar flotter an. Bis 100 km/h gewinnt der Japaner schon 1,4, bei Tempo 160 beträgt der Vorsprung volle vier Sekunden. Keine Frage, der sehr gleichmäßige und lebhafte Wankel macht begeistert jede Drahzahlorgie mit. Was dem Wankel-Coupé fehlt, ist die Durchzugskraft. Beim Überholen muß die präzise, aber etwas schwer rastende Fünfgangbox einmal öfter herhalten, denn ohne Drehzahl mag der kleinvolumige Mazda nicht so recht aus den Puschen kommen. So absolviert er den Spurt von 80 auf 120 km/h im fünften Gang drei Sekunden langsamer als der Alfa im sechsten.

Auf der Rennstrecke zeigt er dem Italo-Schönling dafür, was ein sauberer Strich und schwungvolle Pinselführung sind. Dank Heckantrieb und klarem Gewichtsvorteil zeichnet der RX-8 ein lebhaftes, leichtfüßiges und lustvolles Gemälde auf den Asphalt. Die Lenkung besitzt in der Mittellage zwar viel Spiel, wirkt etwas synthetisch – die Performance besitzt insgesamt aber hohen Unterhaltungswert. Dazu paßt die straffe Fahrwerkauslegung, die zwar jeden Kiesel vermeldet, die Karosserieneigung aber in angenehm engen Grenzen hält.

Die AUTO BILD-Wertung

Anders unser Romeo. Weichere Federn lassen ihn in schnellen Kurven deutlicher wanken, straffe Dämpfer schicken Querfugen schon mal direkt ins Rückenmark. Doch dafür filtert der Alfa die kleinen Straßenschäden erstaunlich gut heraus und rollt auf guten Straßen sauber ab. Auf dem Contidrom-Testgelände ringt der Fronttriebler dann eher verzweifelt um Halt. In engen Kehren läßt die Traktion zu wünschen übrig, schiebt der Brera ziemlich heftig geradeaus.

Kein wirklich sportliches Handling und auch kein Rezept für wirklich schnelle Rundenzeiten, wohl aber für ein narrensicheres Fahrverhalten. ESP gehört wie beim RX-8 zur Serie. Für den Preis von 33.800 Euro bietet der Brera 2.2 JTS Sky View sieben Airbags, Klimaautomatik, 17-Zoll-Alus und ein Panorama-Glasdach (Basis ab 32.200 Euro). Der RX-8 Challenge steht dem kaum nach. Sechs Airbags, automatische Klimakontrolle und sogar 18-Zoll-Räder sind Serie – und das bei einem Preis von 28.100 Euro. Los geht es sogar schon bei 26.900. Eine Kunst, die nicht viele beherrschen.

Autor: Gerald Czajka

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